Dis­count-jä­ger ver­spre­chen Beu­te für al­le

SCHWEIZ Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten Cast­le und Pri­va­te Equi­ty Hol­ding er­neut be­drängt – We­gen Il­li­qui­di­tät ist Kurs­ab­schlag von bis zu 30% al­ler­dings markt­kon­form

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS HENGARTNER

Gleich den ge­sam­ten Ver­wal­tungs­rat von Cast­le Pri­va­te Equi­ty mit ei­ge­nen Leu­ten zu er­set­zen, ist der Plan der Gross­ak­tio­nä­rin Abrams Ca­pi­tal. Der Us-hedge-fund hält zu­sam­men mit der eben­falls ame­ri­ka­ni­schen Iron­sides Part­ners nach letz­ter Mel­dung 26% des Cast­le-ka­pi­tals. Die op­po­si­tio­nel­len An­le­ger ver­lan­gen, dass Cast­le Pri­va­te Equi­ty al­le aus be­ste­hen­den In­vest­ments zu­rück­flies­sen­den Mit­tel vor­rä­tig hält und kei­ne Neu­en­ga­ge­ments mehr ein­geht (vgl. FUW Nr. 13 vom 15. Fe­bru­ar).

«Die Ver­wen­dung li­qui­der Mit­tel zum Rück­kauf der tief be­wer­te­ten Ak­ti­en ist für Cast­le ein­deu­tig das lu­kra­tivs­te In­vest­ment», be­grün­det Dr­ew Pl­u­har von Abrams Ca­pi­tal auf An­fra­ge von «Fi­nanz und Wirt­schaft» die Stra­te­gie. Neu aus­ge­han­delt wer­den müss­ten auch die Ma­nage­ment­ge­büh­ren, die Pl­u­har als «im obe­ren Be­reich der Bran­chen­stan­dards» ein­stuft.

Über die Zeit 100% er­hal­ten

Der kon­se­quen­te Ver­zicht auf neue Pri­va­te-equi­ty-an­la­gen und die Rück­füh­rung al­ler frei wer­den­den Mit­tel an die Ak­tio­nä­re bö­ten die Chan­ce, «über die Zeit 100% des in­ne­ren Werts» zu rea­li­sie­ren. Zum Zeit­be­darf will Pl­u­har kei­ne Mut­mas­sung an­stel­len, denn er hän­ge von der Auf­nah­me­fä­hig­keit der Fi­nanz­märk­te und der Ak­ti­vi­tät im Be­reich der Un­ter­neh­mens­trans­ak­tio­nen (Mer­gers & Ac­qui­si­ti­ons) ab. Abrams Ca­pi­tal, die sich auf die Su­che nach un­ter­be­wer­te­ten In­vest­ments kon­zen­triert, in­ves­tiert für Kun­den rund 5,3 Mrd. $.

Das Mo­tiv der für Cast­le Pri­va­te Equi­ty vor­ge­schla­ge­nen Li­qui­da­ti­ons­stra­te­gie liegt wohl dar­in, dass die bei­den Gross­ak­tio­nä­re we­nig Chan­cen se­hen, ih­re Po­si­ti­on über den Bör­sen­han­del je wie­der preis­scho­nend ab­stos­sen zu kön­nen. Aus der Kurs­gra­fik ist ab­zu­le­sen, dass sie als Fol­ge der deut­li­chen Auf­wer­tung der Cast­le-ak­ti­en wäh­rend der zu­rück­lie­gen­den sechs Mo­na­te wohl auf ei­nem er­heb­li­chen Buch­ge­winn sit­zen.

Ein ähn­li­ches Kurs­bild – al­ler­dings zeit­lich et­wa ein hal­bes Jahr vor­ver­scho­ben – zeigt sich in Pri­va­te Equi­ty Hol­ding. Auf sie hat­te vor Jah­res­frist die fran­zö­si­sche In­vest­ment­ge­sell­schaft Man­tra zu­sam­men mit Fonds des ame­ri­ka­ni­schen Ak­ti­vis­ten Guy Wy­ser-prat­te ei­ne ähn­li­che Atta­cke

Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten ge­rit­ten. Die bei­den dis­si­den­ten In­ves­to­ren wa­ren an der letzt­jäh­ri­gen Ge­ne­ral­ver­samm­lung al­ler­dings nicht durch­ge­drun­gen (vgl. FUW Nr. 47 vom 15. Ju­ni 2011).

Die Un­ter­le­ge­nen lös­ten ihr Bünd­nis als­bald auf, und Ak­ti­en­ver­käu­fe lies­sen Pri­va­te Equi­ty Hol­ding ein­bre­chen. Am Mon­tag nun ist öf­fent­lich ge­wor­den, dass

Kurs­ab­schlag in % Man­tra die Be­tei­li­gung von zu­letzt rund 3 auf über 5% auf­ge­stockt hat. Im Wind­schat­ten des Ge­sche­hens um Cast­le Pri­va­te Equi­ty soll ein zwei­ter Ver­such zur Um­steue­rung von Pri­va­te Equi­ty Hol­ding un­ter­nom­men wer­den, wie Man­tra-ver­tre­ter Arn­aud Stu­der ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­klärt: «Be­tei­li­gungs­ge-

Be­tei­li­gungs­ak­ti­en sell­schaf­ten mit Fun­din­vest­ments in der il­li­qui­den Ver­mö­gens­klas­se Pri­va­te Equi­ty ge­hö­ren nicht mehr an die Bör­se.»

Man­tra, die 120 Mio. Fr. Kun­den­gel­der in­ves­tiert, sucht Ver­bün­de­te, um an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom 5. Ju­li mit ge­nü­gen­dem Ge­wicht er­neut den Wech­sel zu ei­ner Li­qui­da­ti­ons­stra­te­gie trak­tan­die- ren zu las­sen. «Ein Wei­ter­ma­chen ver­spricht zu we­nig Per­for­mance, und ei­ne Um­wand­lung in ei­nen An­la­ge­fonds wür­de den In­ves­to­ren nur schein­bar gu­te Aus­stiegs­mög­lich­kei­ten er­schlies­sen», sagt Stu­der. Weil in die­ser Kon­struk­ti­on we­gen der il­li­quid blei­ben­den In­vest­ments oft quar­tals­wei­se höchs­tens 5% der An­tei­le zu­rück­ge­nom­men wür­den, müss­ten sich die An­le­ger jah­re­lang ge­dul­den.

Dis­count-hal­bie­rung ist Ziel

Nach An­sicht von Man­tra lässt sich die Frist auf zwei bis drei Jah­re ab­kür­zen. Dass ei­ne an­ge­kün­dig­te for­cier­te Ve­räus­se­rung von Fund-be­tei­li­gun­gen nur mit ei­nem hef­ti­gen Preis­nach­lass zu rea­li­sie­ren sei und net­to wo­mög­lich kaum mehr drin­lie­ge, als die heu­ti­ge Be­wer­tung zu ei­nem Dis­count von rund 40% an­zei­ge, will Stu­der nicht gel­ten las­sen: «Für ge­nü­gend Nach­fra­ge sor­gen auf Se­kun­där­markt­trans­ak­tio­nen spe­zia­li­sier­te Be­tei­li­gungs­fonds so­wie be­gü­ter­te Pri­va­te und Fa­mi­li­en.» Sol­che De­als könn­ten im Schnitt zu 15% Ab­schlag rea­li­siert wer­den.

Dass Be­tei­li­gungs­ak­ti­en un­ter dem in­ne­ren Wert han­deln, ist üb­lich und in ge­wis­sem Um­fang auch öko­no­misch zu recht­fer­ti­gen. Der Bi­lanz­wert der nicht ko­tier­ten In­vest­ments ba­siert auf Schät­zun­gen, die sich al­ler­dings ge­mäss den in­ter­na­tio­na­len Rech­nungs­nor­men an Markt­be­zü­gen zu ori­en­tie­ren ha­ben (Bör­sen­be­wer­tung ver­gleich­ba­rer Un­ter­neh­men oder Dis­kon­tie­rung vor­sich­tig ge­schätz­ter Er­trä­ge). Zu­dem lau­fen Be­triebs­kos­ten auf, die den Port­fo­li­o­wert schmä­lern.

Mit fast 3 Mrd. Fr. Ka­pi­ta­li­sie­rung zu den Bran­chen­gröss­ten ge­hö­ren die bri­ti­sche 3i Group und die fran­zö­si­sche Eu­ra­zeo, die u. a. mass­geb­lich an der Ho­tel­grup­pe Ac­cor be­tei­ligt ist. Die In­ves­to­ren han­deln die Ak­ti­en die­ser Be­tei­li­gungs­ge­fäs­se rund 40% un­ter dem in­ne­ren Wert. Ei­ne ähn­li­che Be­wer­tung er­fah­ren die Va­lo­ren der ame­ri­ka­ni­schen Har­bour­vest Glo­bal Pri­va­te Equi­ty, die ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Fran­ken auf die Waa­ge bringt.

Har­bour­vest war im zu­rück­lie­gen­den Jahr in­vol­viert in das öf­fent­li­che Über­nah­me­an­ge­bot für Ab­so­lu­te Pri­va­te Equi­ty, das auf ei­nem Dis­cout-ni­veau um 30% zu­stan­de kam. Die ver­gleich­bar ein­ge­stuf­ten Ak­ti­en von Cast­le Pri­va­te Equi­ty sind so be­trach­tet markt­ge­recht be­wer­tet. Auf ei­ne ra­sche wei­te­re Kurs­stei­ge­rung zu spe­ku­lie­ren, ist des­halb ge­wagt.

Der Preis­ab­schlag von Be­tei­li­gungs­ak­ti­en ist leicht zu er­rech­nen. Was je­doch in der «Tü­te» drin­steckt, ist nur schwer zu be­ur­tei­len.

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