Un­si­cher­heit als Chan­ce für das As­set Ma­nage­ment

SCHWEIZ Kon­so­li­die­rungs­wel­le wie im Pri­va­te Ban­king – Schwei­zer An­bie­ter vor struk­tu­rel­len Her­aus­for­de­run­gen

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - OLAF TÖP­FER UND CA­RI­NA SCHAUR­TE

Die Zu­kunft des Ban­ken­plat­zes Schweiz wird mo­men­tan kon­tro­vers dis­ku­tiert, be­son­ders mit Blick auf die Ver­wal­tung pri­va­ter Ver­mö­gen. Doch was ge­schieht mit dem As­set Ma­nage­ment, dem An­la­ge­ge­schäft – be­son­ders für in­sti­tu­tio­nel­le Kun­den – so­wie dem Re­tail-fonds­ge­schäft von Schwei­zer An­bie­tern? Die Fra­ge scheint an­ge­sichts der ak­tu­el­len Er­eig­nis­se in den Hin­ter­grund ge­rückt zu sein. Sie soll­te aber nicht ver­ges­sen wer­den, denn auch die As­set-ma­nage­ment-bran­che be­fin­det sich im Um­bruch. Die Struk­tu­ren wer­den sich er­heb­lich ve­rän­dern.

Die Fra­ge, was Kun­den von ei­nem As­set-ma­na­ger wirk­lich er­war­ten, lässt sich nicht ein­fach be­ant­wor­ten. Es reift die Ein­sicht, dass es sich nicht dar­um han­delt, den Markt auf Dau­er zu über­tref­fen. Ein Kun­de ist nicht zu­frie­den, wenn der Markt 20% sinkt, er aber «nur» 15% Ver­lust ver­bucht. Um den Kun­den wirk­lich ver­ste­hen zu kön­nen, muss zwi­schen Be­dürf­nis und Be­darf un­ter­schie­den wer­den.

Stu­di­en un­se­res Schwei­zer Com­pe­tence Cen­ter für As­set und Wealth Ma­nage­ment zei­gen, dass sich der Be­darf an lang­fris­ti­gem Wert­er­halt und im Fall in­sti­tu­tio­nel­ler An­le­ger be­son­ders an der Si­cher­heit, ih­ren zu­künf­ti­gen Ver­pflich­tun­gen nach­zu­kom­men, ori­en­tiert. Die Be­dürf­nis­se hän­gen al­ler­dings sehr vom je­wei­li­gen Markt­um­feld ab und schwan­ken ent­spre­chend.

Da­her bie­tet sich für As­set-ma­na­ger die Chan­ce, den Be­darf zu de­cken, statt kurz­fris­ti­gen Be­dürf­nis­sen Rech­nung zu tra­gen. Es geht we­ni­ger um kom­ple­xe Struk­tu­ren von Ab­so­lu­te-re­turn-pro­duk­ten als viel­mehr um den Wunsch nach ein­fach ver­ständ­li­chen, trans­pa­ren­ten Pro­duk­ten, wenn mög­lich mit Ga­ran­tie­leis­tun­gen. Dass die­se im ak­tu­el­len Markt­um­feld teu­er und we­nig at­trak­tiv sind, ist zwar für den Kun­den un­be­frie­di­gend, än­dert aber nichts am Grund­be­darf.

So, wie die An­sprü­che der Kun­den stei­gen, nimmt die Kon­kur­renz im Markt zu. Wir er­war­ten für die nächs­ten Jah­re kein sub­stan­zi­el­les Wachs­tum mehr im Schwei­zer As­set-ma­nage­ment-markt. Das zwingt As­set-ma­na­ger ver­mehrt da­zu, Wachs­tum im Aus­land zu su­chen.

In Asi­en be­ste­hen

Be­son­ders po­si­tiv ent­wi­ckel­te sich die Nach­fra­ge nach As­set Ma­nage­ment in Schwel­len­län­dern, al­len vor­an Asi­en. Ein Wachs­tums­trend, der sich auch in Zu­kunft fort­set­zen wird. In Chi­na könn­te das ver­wal­te­te Ver­mö­gen im Zu­ge des volks­wirt­schaft­li­chen Wachs­tums bis 2015 bis 14% jähr­lich zu­neh­men, so­fern es nicht zu Ex­tremsze­na­ri­en im Eu­ro- oder im Dol­lar­raum kommt.

Er­fah­run­gen in den asia­ti­schen Märk­ten zei­gen, dass die Kom­ple­xi­tät nicht zu un­ter­schät­zen ist. Struk­tu­ren und Markt­zu­gang un­ter­schei­den sich zwi­schen den Län­dern teils er­heb­lich. Grund­sätz­lich un­ter­schei­den wir vier Mo­del­le: Län­der mit wach­sen­dem Ons­hore-ge­schäft wie Chi­na, Län­der mit sta­bi­lem Ons­horeGe­schäft wie Ja­pan, Hub-struk­tu­ren wie Sin­ga­pur so­wie Län­der, die haupt­säch­lich durch grenz­über­schrei­ten­des Ge­schäft be­dient wer­den, wie Ma­lay­sia. Da­her müs­sen As­set-ma­na­ger, die im asia­ti­schen Markt be­ste­hen wol­len, in der La­ge sein, ihr Pro­dukt­port­fo­lio re­gio­nal zu dif­fe­ren­zie­ren und ei­ne Prä­senz auf­zu­bau­en. Hier­für bie­ten sich stra­te­gi­sche Part­ner­schaf­ten mit lo­ka­len An­bie­tern an.

Ent­wick­lung des welt­wei­ten Ver­mö­gens

Wäh­rend für Pen­si­ons­kas­sen die re­gio­na­le Nä­he im­mer noch ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spielt, er­ge­ben sich aus eu­ro­pa­wei­ten Vor­ha­ben, die Vor­schrif­ten zu ver­ein­heit­li­chen, neue Chan­cen für den Stand­ort Schweiz, et­wa als Zen­trum für Fonds­ge­sell­schaf­ten. Re­gio­na­le Nä­he ist nach wie vor wich­tig, vor al­lem im Ver­trieb. Wo Fonds ge­ma­nagt, ad­mi­nis­triert und ver­wahrt wer­den, in­ter­es­siert den End­kun­den in der Re­gel je­doch nicht. Dies führt zu ei­ner In­ten­si­vie­rung des Wett­be­werbs und er­mög­licht wei­te­re Ef­fi­zi­enz­ge­win­ne. Un­ab­hän­gig von der re­gio- na­len Aus­rich­tung müs­sen sich As­set­Ma­na­ger grund­le­gen­de Fra­gen zu ih­rem Ge­schäfts­mo­dell stel­len. Der Trend zu mehr Ef­fi­zi­enz und ver­min­der­ter Kom­ple­xi­tät in der Bran­che för­dert die Aus­la­ge­rung (Out­sour­cing) von Ak­ti­vi­tä­ten. Da­bei geht es nicht nur um ei­ne Re­du­zie­rung der Kos­ten­ba­sis. Auch ei­ne Fle­xi­bi­li­sie­rung des Ge­schäfts­mo­dells für den Um­gang mit Un­si­cher­hei­ten ist für ei­ne dau­er­haf­te Pro­fi­ta­bi­li­tät un­ab­ding­bar.

Kei­ne rei­ne Kos­ten­fra­ge

So­mit soll­ten As­set-ma­na­ger ih­ren Fo­kus nicht nur auf ge­rin­ge­re Bo­nus­zah­lun­gen oder die Re­du­zie­rung von Sach­kos­ten rich­ten, son­dern auch ihr Leis­tungs­an­ge­bot ent­lang der ge­sam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te kri­tisch über­prü­fen. Die Markt­zy­klen wer­den kür­zer, Vo­la­ti­li­tät wird die Märk­te wei­ter­hin be­glei­ten.

Set­zen sich die Stür­me an den Ka­pi­tal­märk­ten fort, könn­ten ei­ni­ge An­bie­ter in ernst­haf­te Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten. Wir er­war­ten für die nächs­ten Jah­re ei­ne Kon­so­li­die­rungs­wel­le im As­set Ma­nage­ment – ähn­lich, wie sie im Wealth Ma­nage­ment be­reits statt­fin­det. Olaf Töp­fer ist Lei­ter Stra­te­gie­be­ra­tung für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­te von Ro­land Ber­ger Schweiz, Ca­ri­na Schaur­te ist Pro­jekt­ma­na­ger des Kom­pe­tenz­zen­trums für As­set und Wealth Ma­nage­ment von Ro­land Ber­ger Schweiz.

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