Du­ca­ti und Piaggio trei­ben ehr­gei­zi­ge Plä­ne vor­an

ITA­LI­EN Die ita­lie­ni­schen Mo­tor­rad­her­stel­ler be­fin­den sich auf Ex­pan­si­ons­kurs – In­vest­in­dus­tri­al will En­ga­ge­ment ab­bau­en – Asi­en im Fo­kus

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ/KONSUM - GÜN­THER DEPAS,

An­vi­sier­ter Bör­sen­gang

Die ita­lie­ni­sche Mo­tor­ra­d­in­dus­trie ist ent­schlos­sen, ih­re Po­si­ti­on als be­deu­tends­te eu­ro­päi­sche An­bie­te­rin zu hal­ten und welt­weit wei­ter zu wach­sen. Si­gna­le, dass die Un­ter­neh­men der Bran­che trotz der er­stark­ten Kon­kur­renz in Schwel­len­län­dern ih­re Po­si­tio­nen aus­bau­en wol­len, ge­hen vor al­lem von den gröss­ten Her­stel­lern Piaggio und Du­ca­ti aus.

Du­ca­ti will, wie die Hol­ding In­vest­in­dus­tri­al (Mai­land) wis­sen liess, die Ge­sell­schaft in ei­ne Part­ner­schaft mit ei­nem aus­län­di­schen Part­ner über­füh­ren oder er­neut an die Bör­se brin­gen. Der Mo­tor­rad­pro­du­zent war meh­re­re Jah­re in Mai­land ko­tiert, wur­de aber von der Pri­va­te-equi­ty-ge­sell­schaft In­vest­in­dus­tri­al im Jahr 2008 vom Kurs­zet­tel ge­nom­men. Jetzt ist Hong­kong als neu­er Ak­ti­en­markt im Vi­sier, da sich die Ab­satz­stra­te­gie zu­se­hends vom bis­he­ri­gen Haupt­markt USA in Rich­tung Asi­en ver­schiebt. Der an­ge­peil­te Wert der Ope­ra­ti­on wird von In­vest­in­dus­tri­al mit rund 1 Mrd. € be­zif­fert, un­ge­fähr das Zehn­fa­che des Ebitda. Der Ei­g­ner geht da­von aus, dass die image­träch­ti­ge Mar­ke dank ih­rer Po­si­tio­nie­rung bei in­ter­na­tio­na­len Mo­tor­rad­ren­nen das Ge­schäft wei­ter­hin be­le­ben wird. Mit der Markt­son­die­rung im Blick auf ei­nen Bör­sen­gang wur­den Deut­sche Bank, Gold­man Sachs und Ban­ca Imi be­auf­tragt.

Als Al­ter­na­ti­ve zum Bör­sen­gang er­wägt In­vest­in­dus­tri­al den Ver­kauf der Kon­troll­quo­te oder ei­ne Part­ner­schaft im Rah­men ei­nes Jo­int Ven­tures. Kon­tak­te da­zu sind mit Pri­va­te-equi­ty-ge­sell­schaf­ten und Un­ter­neh­men der Bran­che ge­knüpft wor­den, un­ter an­de­rem mit der in­di­schen Ma­hin­dra-grup­pe. An­geb­li­che Ge­sprä­che de­men­tiert hat der deut­sche Mo­tor­rad­bau­er BMW. Ge­mäss Andrea Bo­no­mi, Chef von In­vest­in­dus­tri­al, ist Du­ca­ti in- zwi­schen sa­niert, was nicht zu­letzt dar­aus her­vor­ge­he, dass der welt­wei­te Ab­satz 2011 um 20% auf 42 000 Fahr­zeu­ge zu­nahm und der Um­satz mit bei­na­he 480 Mio. € ei­nen Re­kord­stand er­reicht ha­be. Rund 80% ent­fie­len da­von auf den Ex­port. Um wei­ter zu wach­sen und neue Märk­te vor al­lem in Asi­en zu er­schlies­sen, reich­ten aber die heu­ti­gen Di­men­sio­nen und auch die Ka­pi­tal­de­cke nicht aus.

Piaggio hegt gros­se Plä­ne

Gros­se Wachs­tums­plä­ne schmie­det auch der eu­ro­päi­sche Bran­chen­ers­te Piaggio, un­ter des­sen Dach be­kann­te Mar­ken wie Ve­s­pa, Apri­lia, Mo­to Guz­zi, Gi­le­ra und La­ver­da zu­sam­men­ge­fasst sind. Das Un­ter­neh­men steht eben­so wie Du­ca­ti un­ter dem Zwang, die Markt­schwä­che in Eu­ro­pa durch ei­ne bes­se­re Er­schlies­sung an­de­rer Ab­satz­märk­te aus­glei­chen zu müs­sen. Zwar geht Piaggio-chef und Mehr­heits­ak­tio­när Ro­ber­to Co­la­nin­no da­von aus, dass der in den letz­ten vier Jah­ren in Eu­ro­pa kon­stant ab­wärts ge­rich­te­te Ab­satz sei­nen Tiefst­punkt er­reicht hat. Den­noch kom­me kein Un­ter­neh­men mehr dar­um her­um, sich ver­stärkt im nicht­eu­ro­päi­schen Aus­land zu en­ga­gie­ren.

Piaggio hielt ver­gan­ge­nes Jahr ei­nen An­teil von 20,1% (+0,5%) am eu­ro­päi­schen Markt. Bei Mo­tor­rol­lern kam der Kon­zern auf 27,7% (+1%), wäh­rend er im Mo­tor­rad­seg­ment mit sei­nen Mar­ken Apri­lia und Mo­to Guz­zi 6,7% hielt. Stark ist die Stel­lung auf dem Heim­markt, wo der Ab­satz­an­teil so­gar 30% er­reich­te, drei Pro­zent­punk­te mehr als im Vor­jahr. Im Mo­tor­rol­ler­seg­ment, in dem Piaggio nach wie vor mit sei­ner Tra­di­ti­ons­mar­ke Ve­s­pa zu glän­zen ver­mag, be­trug der An­teil 37%, fast 4% mehr als 2010.

Die Zah­len sol­len nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass der Heim­markt der­zeit nur noch rund ein Vier­tel zum Ge­samt­um­satz des Kon­zerns bei­steu­ert und längst von Asi­en über­trof­fen wird, das ge­gen­wär­tig auf ei­ne Quo­te von 38% zu­steu­ert; im Jahr 2003 hat­te der An­teil erst 8% be­tra­gen.

Da­bei wird es aber nicht blei­ben: Piaggio hat sich bis 2014 ei­nen Asi­en-an­teil von 50% zum Ziel ge­setzt. Das Ziel ist das Herz­stück des un­längst vor­ge­leg­ten In­dus­trie­plans, wel­cher 2014 die Her­stel­lung 1 Mio. Fahr­zeu­ge, ei­nen Kon­zern­um­satz von 2 Mrd. € (fast ein Drit­tel mehr als heu­te) und ein Ebitda von 300 Mio. € (15% des Um­sat­zes) vor­sieht. Da­bei mag es An­le­ger und Ana­lys­ten be­ru­hi­gen, dass das Wachs­tum nach Vor­ga­be der Kon­zern­füh­rung «we­der durch Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen fi­nan­ziert noch über Ak­qui­si­tio­nen ge­sche­hen» soll, son­dern aus­schliess­lich aus ei­ge­ner Kraft zu schaf­fen ist.

Trotz der al­lein für 2012 ein­ge­plan­ten In­ves­ti­tio­nen von 270 bis 280 Mio. € sol­len die Net­to­ver­bind­lich­kei­ten bis En­de 2014 ma­xi­mal 340 Mio. € er­rei­chen und das heu­ti­ge Ver­hält­nis Ver­schul­dung zu Ebitda von 1,7 auf 1,1 ab­neh­men. Schwer­punkt der auf Asi­en kon­zen­trier­ten In­ves­ti­tio­nen blei­ben vo­r­erst Viet­nam und In­di­en, wo der Auf­bau von zwei neu­en Wer­ken vor dem Ab­schluss steht. Als drit­ter Stand­ort ist be­reits In­do­ne­si­en ins Au­ge ge­fasst, wo die «Nach­fra­ge nach pri­va­ter Mo­bi­li­tät» eben­falls kräf­tig zu­neh­me.

Renn­er­fol­ge wie von Gp-fah­rer Va­len­ti­no Ros­si sor­gen für das Mar­ken­image von Du­ca­ti.

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