Fran­zö­si­sche Trop­fen sind be­gehrt

FRANK­REICH Ex­port von Cham­pa­gner, Co­gnac und Bor­deaux-wei­nen er­reicht Re­kord­wert – Re­ge Nach­fra­ge aus Asi­en und Ame­ri­ka

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ/KONSUM - GE­SCHE WÜPPER,

Kurz nach­dem Frank­reich ein Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit in nie ge­kann­ter Hö­he be­kannt ge­ben muss­te, sorg­te die Ver­ei­ni­gung fran­zö­si­scher Wein- und Spi­ri­tuo­sen­ex­por­teu­re FEVS für er­freu­li­che Nachrichten. Denn fran­zö­si­sche Trop­fen ver­buch­ten im Ex­port­ge­schäft ei­nen neu­en Re­kord. Dank hö­he­rer Prei­se und der stei­gen­den Nach­fra­ge in Asi­en und Ame­ri­ka nah­men ih­re Aus­land­ver­käu­fe 2011 im Ver­gleich zum Vor­jahr um 10,5% auf 10,1 Mrd. € zu und über­tra­fen da­mit das bis­her bes­te Er­geb­nis, das 2007 mit 9,1 Mrd. € ver­bucht wor­den war.

Vor Kos­me­ti­ka und Par­füms

Rech­net man die Im­por­te ab, sind Wei­ne und Spi­ri­tuo­sen mit 8,6 Mrd. € noch vor Kos­me­ti­ka und Par­füms der zweit­bes­te Pos­ten in Frank­reichs Han­dels­bi­lanz nach der Flug­zeug­bau­s­par­te. «Un­se­re Ex­por­te ha­ben 2011 dem Wert von 153 Ra­fa­le- Flug­zeu­gen ent­spro­chen», er­klärt FEVSPrä­si­dent Lou­is-fa­b­ri­ce La­tour. Zu ver­dan­ken ist das vor al­lem Pre­mi­um­pro­duk­ten, die sich im­mer teu­rer ver­kau­fen.

Gröss­ter Ver­kaufs­schla­ger im Aus­land war Cham­pa­gner mit Ex­por­ten im Wert von 2,1 Mrd. €, dicht ge­folgt von Co­gnac mit 2,04 Mrd. und Bor­deaux-wei­nen mit 2 Mrd. €. Da­bei kämpf­ten die ed­len Trop­fen aus der Wein­bau­re­gi­on im Süd­wes­ten Frank­reichs vor nicht all­zu lan­ger Zeit mit Pro­ble­men. «Vor et­wa zehn Jah­ren wa­ren wir nicht sehr in Mo­de», er­klärt Phil­ip­pe Cas­téja, der Vor­sit­zen­de der Ver­ei­ni­gung Con­seil des Grands Crus Clas­sés en 1855, die die re­nom­mier­tes­ten Wein­gü­ter aus Bor­deaux ver­tritt. Da­mals sei­en Wei­ne aus Chi­le und Aus­tra­li­en «in» ge­we­sen. «Heu­te lei­det Aus­tra­li­en», fügt er an.

Ein Grund für das Come­back der Bor­deaux-wei­ne und des Ex­port­re­kords fran­zö­si­scher Trop­fen über­haupt, ist die wach­sen­de Nach­fra­ge in Asi­en. Dort trägt die Stra­te­gie der Bor­deaux- und Co­gnac-pro­du­zen­ten Früch­te. Denn sie ha­ben kon­ti-

Frank­reichs Wein- und Spi­ri­tuo­sen­ex­por­te nu­ier­lich in Ver­kos­tun­gen und an­de­re Ver­an­stal­tun­gen in­ves­tiert, um ih­re Pro­duk­te in Asi­en be­kannt zu ma­chen. Chi­na, Hong­kong, Tai­wan und Sin­ga­pur sind so zu den wich­tigs­ten Wachs­tums­märk­ten für fran­zö­si­sche Wei­ne und Spi­ri­tuo­sen ge­wor­den.

Der Ex­port in die Re­gi­on stieg 2011 um 29% auf 2,5 Mrd. € zu. Gleich­zei­tig ent­deck­ten Ame­ri­ka­ner und Ka­na­di­er fran­zö­si­sche Trop­fen wie­der, nach­dem die Ex­por­te nach Nord­ame­ri­ka wäh­rend der Fi­nanz­kri­se 2008/2009 ein­ge­bro­chen wa­ren. Trotz der jet­zi­gen wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me stie­gen die Ex­por­te dort­hin im ver­gan­ge­nen Jahr 9% auf 2,1 Mrd. €.

Den­noch gibt es Wer­muts­trop­fen. So tut sich die Bran­che schwer da­mit, ih­re tra­di­tio­nell wich­tigs­ten Märk­te in Eu­ro­pa zu­rück­zu­er­obern. Aus­ser­dem ist der Re­kord­ex­port vor al­lem Preis­er­hö­hun­gen zu ver­dan­ken. Das Vo­lu­men­wachs­tum fiel mit 2,4% ge­rin­ger aus. Gross­bri­tan­ni­en ist zwar vom Wert her der zweit­wich­tigs­te Markt für fran­zö­si­sche Trop­fen nach den USA ge­blie­ben. Doch in den letz­ten zehn Jah­ren ha­ben die Ex­por­te nach Gross­bri­tan­ni­en 11% an Wert und 28% an Vo­lu­men ver­lo­ren. Nicht viel bes­ser sieht es mit den Aus­fuh­ren nach Deutsch­land aus. Chi­na lös­te im ver­gan­ge­nen Jahr Deutsch­land als dritt­wich­tigs­ten Ab­satz­markt ab.

Ak­ti­en nicht aus­ge­reizt

Mo­ët Hen­nes­sy, die Ge­trän­ke­spar­te des Lu­xus­gü­ter­kon­zerns LVMH, will di­rekt von der Be­geis­te­rung der Chi­ne­sen für Wein pro­fi­tie­ren und hat nach In­for­ma­tio­nen des Wirt­schafts­ma­ga­zins «Chal­len­ges» ein Ab­kom­men mit dem chi­ne­si­schen Li­kör­spe­zia­lis­ten VATS un­ter­zeich­net, um ein Wein­gut in den Ber­gen von Yunn­an im Süd­wes­ten des Lan­des auf­zu­bau­en und dort Rot­wein für Chi­na zu pro­du­zie­ren. LVMH ge­hört be­reits der Spi­ri­tuo­sen­pro­du­zent Wen­jun in Se­zu­an. 2011

Per­nod Ri­card lan­cier­te der Kon­zern zu­dem ei­nen chi­ne­si­schen Schaum­wein. Mo­ët Hen­nes­sy stei­ger­te vor al­lem dank Asi­en den Um­satz im ver­gan­ge­nen Jahr 10% auf 3,5 Mrd. €.

Der Ge­trän­ke­kon­zern Per­nod Ri­card über­traf im ers­ten Ge­schäfts­se­mes­ter dank der Wachs­tums­märk­te in Asi­en mit ei­nem Be­triebs­ge­winn von 1,38 Mrd. € die Er­war­tun­gen und hob die Jah­res­pro­gno­sen an: Der ope­ra­ti­ve Ge­winn im Ge­samt­jahr per En­de Ju­ni soll nun 8% stei­gen. Zu­vor hat­te der Kon­zern, dem Mar­ken wie Mar­tell (Co­gnac) und Mumm (Cham­pa­gner)ge­hö­ren, ei­ne Er­geb­nis­ver­bes­se­rung von 6% in Aus­sicht ge­stellt.

Der klei­ne­re Kon­kur­rent Ré­my Co­in­treau stei­ger­te den Um­satz in den ers­ten neun Mo­na­ten des lau­fen­den Ge­schäfts­jahrs, das am 31. März en­det, um 18,2% auf 821 Mio. €. Zu ver­dan­ken ist das Wachs­tum der Co­gnac-spar­te und ih­rem Er­folg in Chi­na. Die Ak­ti­en der Spi­ri­tuo­sen­spe­zia­lis­ten Per­nod Ri­card (KGV 2012 von 17) und Ré­my Co­in­treau (22) sind wie die Ti­tel des Lu­xus­kon­zerns LVMH (17) im Ver­gleich zum Ge­samt­markt hoch be­wer­tet. Doch sie ber­gen dank des boo­men­den Asi­en­ge­schäfts wei­ter­hin gu­te Wachs­tums­chan­cen.

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