Surf­bran­che war­tet auf Er­folgs­wel­le

Über­nah­me­an­ge­bot für an­ge­schla­ge­ne Bil­labong – Quik­sil­ver setzt nach Ver­lust­jahr auf Ex­pan­si­on – Vf-ak­ti­en sind die bes­te Wahl

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - ERICH BÜRGLER

Nicht nur wer surft kennt Mar­ken wie Bil­labong, Quik­sil­ver und Reef. Braun ge­brann­te In­di­vi­dua­lis­ten, die dem Ziel, die per­fek­te Wel­le zu er­wi­schen, al­les un­ter­ord­nen und den Was­ser­sport zum Le­bens­in­halt er­klä­ren, tau­gen mehr als Wer­be­trä­ger denn als Ziel­grup­pe für ein Mil­li­ar­den­ge­schäft. Die Sur­f­in­dus­trie hat ein jun­ges Pu­bli­kum im Au­ge, das mit Klei­dern und Ac­ces­soires auch oh­ne Brett un­ter dem Arm ei­ne gu­te Fi­gur macht. Zu­letzt sass das Geld die­ser Kund­schaft aber we­ni­ger lo­cker in der Ta­sche. So brach der Ge­winn von Bil­labong 2011 ein und mit ihm der Ak­ti­en­kurs.

Das hat die Pri­va­te-equi­ty-ge­sell­schaft TPG Ca­pi­tal auf den Plan ge­ru­fen. Sie will die aus­tra­li­sche Ge­sell­schaft kau­fen. Pri­vat­an­le­ger, die trotz rau­em Um­feld zu ei­nem In­vest­ment in­ner­halb der Bran­che nei­gen, ha­ben die Wahl zwi­schen spe­zia­li­sier­ten Un­ter­neh­men und Gross­kon­zer­nen mit ent­spre­chen­den Spar­ten.

Bil­labong steckt in Schwie­rig­kei­ten. Der Ak­ti­en­kurs sank 2011 um fast 80%, auch weil sich die Pro­gno­sen des Un­ter­neh­mens als un­zu­ver­läs­sig er­wie­sen. Der Ge­winn schmolz im bis En­de De­zem­ber lau­fen­den ers­ten Se­mes­ter auf 16,1 Mio. aus­tr. $ (15,7 Mio. Fr.) und lag da­mit 70% un­ter dem Vor­jahr. Der Um­satz stieg leicht auf 847 Mio. aus­tr. $. CEO De­rek O’neill sprach an der Prä­sen­ta­ti­on der Zah­len ver­gan­ge­ne Wo­che von «ziem­lich furcht­ba­ren wirt­schaft­li­chen Be­din­gun­gen». In Aus­tra­li­en blie­ben Ba­des­horts und T-shirts in der Haupt­sai­son in den Re­ga­len lie­gen und auch die Eu­ro­pä­er kauf­ten die Ar­ti­kel aus dem Win­ter­sports­or­ti­ment des Un­ter­neh­mens nur sehr zö­ger­lich. Die Fol­ge wa­ren Ra­bat­te von bis zu 80% im wich­ti­gen Weih­nachts­ge­schäft. Ge­paart mit hö­he­ren Ein­kaufs­prei­sen sorg­te das für tie­fe­re Mar­gen.

Was­ser steht bis zum Hals

Bil­labong re­agiert mit Spar­mass­nah­men. Das Un­ter­neh­men schliesst 15 bis 20% ih­rer welt­weit fast 700 Shops. Weil der Ge­sell­schaft aus fi­nan­zi­el­ler Sicht das Was­ser bis zum Hals steht, will sie zu­dem über die Hälf­te der auf Uh­ren spe­zia­li­sier­ten Mar­ke Ni­xon, die zu den ren­ta­bels­ten Be­rei­chen im Un­ter­neh­men ge­hört, ver­kau­fen. Das soll die Net­to­ver­schul­dung von zu­letzt 526 Mio. aus­tr. $ hal­bie­ren. TPG Ca­pi­tal hat ihr an Be­din­gun­gen ge­knüpf­tes Über­nah­me­an­ge­bot von 3 aus­tr. $ je Ak­tie trotz dem ge­plan­ten Ver­kauf von Ni­xon be­stä­tigt. Das liegt zwar klar über dem vor Be­kannt­ga­be der Of­fer­te ge­han­del­te Kurs von 1.79 aus­tr. $, aber auch et­wa 65% un­ter dem Ni­veau von An­fang 2011.

Mit ei­nem wei­te­ren Bie­ter oder ei­ner Ver­bes­se­rung der Of­fer­te wird im Markt of­fen­bar nicht ge­rech­net. Die Ak­ti­en no­tie­ren der­zeit deut­lich un­ter dem An­ge­bots­preis, was die Skep­sis der An­le­ger über ein Zu­stan­de­kom­men des De­als zeigt. Ein In­vest­ment in Bil­labong ist hoch spe­ku­la­tiv.

Bil­labong

Als Al­ter­na­ti­ve bie­tet sich mit Quik­sil­ver ei­ne wei­te­re Sur­fi­ko­ne ähn­li­cher Grös­se mit in­ter­na­tio­na­ler Aus­strah­lung an. Das in Ka­li­for­ni­en be­hei­ma­te­te Un­ter­neh­men steckt al­ler­dings eben­falls im Tur­naround, schaut aber be­reits wie­der zu­ver­sicht­lich nach vorn und setzt voll auf Ex­pan­si­on. Der Um­satz soll bis in fünf Jah­ren von knapp 2 Mrd. auf 3 Mrd. $ wach­sen und der Be­triebs­ge­winn (Ebitda) sich auf 400 Mio. $ ver­dop­peln.

Zu ih­ren Wachs­tums­märk­ten zählt das Un­ter­neh­men ne­ben Län­dern wie Bra­si­li­en, Russ­land und Chi­na aus­drück­lich auch die Schweiz. Quik­sil­ver will Ein­kauf und Pro­dukt­ent­wick­lung glo­bal ein­heit­li­cher aus­rich­ten und so Kos­ten spa­ren. Im per En­de Ok­to­ber lau­fen­den Ge­schäfts­jahr 2011 ver­ur­sach­ten Wert­min­de­run­gen für Ver­mö­gens­wer­te und wei­te­re Son­der­kos­ten noch ei­nen Ver­lust von 21 Mio. $. Oh­ne die­se Ef­fek­te lag der Ge­winn bei 31 Mio. $. Das Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) für 2012 liegt bei 22. Wer die Ak­ti­en kauft, setzt auf ei­nen an­hal­ten­den Auf­wärts­trend. Mit Kurs­schwan­kun­gen wie im ver­gan­ge­nen Jahr muss al­ler­dings ge­rech­net wer­den. Stei­gen­de Lohn­kos­ten wei­ter­zu­rei­chen, wird für Quik­sil­ver schwie­rig. Die jun­gen Kun­den sind sehr preis­sen­si­tiv und die in ei­ni­gen Län­dern be­son­ders schlecht ge­stimm­ten Eu­ro­pä­er ma­chen rund 40% der ge­sam­ten Ein­nah­men aus. Auch Quik­sil­ver dürf­te auf ein eher schwa­ches Weih­nachts­ge­schäft zu­rück­bli­cken.

Wohl­do­sier­tes Aben­teu­er

Ei­ne de­fen­si­ve­re An­la­ge zum The­ma Aben­teu­er­sport bie­tet der Us-kon­zern VF. Das Un­ter­neh­men mit 9,5 Mrd. $ Um­satz ver­kauft un­ter an­de­rem Je­ans von Lee und Wrang­ler, Ruck­sä­cke von Jan Sport und East­pak, aber auch die Surf­mar­ke Reef so­wie die Skate­board-ar­ti­kel von Vans.

VF konn­te im ver­gan­ge­nen Jahr Um­satz und Ge­winn auch dank Über­nah­men deut­lich stei­gern und die ope­ra­ti­ve Mar­ge auf ver­gleich­ba­rer Ba­sis hal­ten. Der gröss­te Be­reich Out­door und Ac­tion Sports, zu dem auch The North Face ge­hört, wuchs be­son­ders stark. Die Ak­ti­en der Ge­sell­schaft sind mit ei­nem KGV von 16 nicht zu teu­er und eig­nen sich für In­ves­to­ren, die sich bei An­la­gen auf Aben­teu­er nur wohl­do­siert ein­las­sen wol­len.

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