Schwei­zer sind ge­las­sen

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - JB

Als Gläu­bi­ger sind die Schwei­zer Ban­ken und Ver­si­che­rer vom grie­chi­schen Schul­den­dra­ma nur am Ran­de be­trof­fen. Uni­so­no be­zeich­nen sie ihr En­ga­ge­ment im hoch ver­schul­de­ten Eu­ro­mit­glieds­land als ge­ring. «Un­be­deu­tend» sei der Be­trag, winkt ein Spre­cher der UBS ab. Die Gross­bank kön­ne die Po­si­tio­nen pro­blem­los auch ganz ab­schrei­ben. Ein Blick auf die Grös­sen­ver­hält­nis­se be­stä­tigt: Ge­mes­sen an der Bi­lanz­sum­me von 1419 Mrd. Fr. sind die 37 Mio. Fr. grie­chi­schen Staats­an­lei­hen der UBS nicht der Re­de wert.

Ähn­lich ist die Aus­gangs­la­ge für Cre­dit Suis­se (CS): Der Staat Grie­chen­land stand als Ge­gen­par­tei ge­gen­über der CS per En­de 2011 mit le­dig­lich 0,1 Mrd. € in der Krei­de. Da die CS schon im Ju­li die Ver­hand­lungs­er­geb­nis­se der fe­der­füh­ren­den Bran­chen­or­ga­ni­sa­ti­on In­sti­tu­te of In­ter­na­tio­nal Fi­nan­ce (IIF) be­für­wor­te­te, dürf­te sie auch die­ses Mal zum Gläu­bi­ger­ver­zicht ein­wil­li­gen. Ob sie ef­fek­tiv mit­macht, ist al­ler­dings noch of­fen.

Ver­zichts­be­reit­schaft ist da

Der Ver­si­che­rungs­kon­zern Zu­rich hat­te per En­de 2011 für 8 Mio. $ grie­chi­sche Staats­an­lei­hen auf den Bü­chern. Auch dies ist ein ver­schwin­dend klei­ner Be­trag, ver­gleicht man ihn mit den ge­sam­ten Ka­pi­tal­an­la­gen der Grup­pe von 194 Mrd. $.

Des­sen un­ge­ach­tet will sich Zu­rich am Schul­den­er­lass be­tei­li­gen. «Wir ana­ly­sie­ren zur­zeit die De­tails», prä­zi­siert ei­ne Spre­che­rin auf An­fra­ge. Beim Rück­ver­si­che­rer Swiss Re lau­tet der Kommentar la­pi­dar, das Ri­si­ko in Staats­an­lei­hen Grie­chen­lands sei seit En­de des drit­ten Quar­tals 2011 «gleich null».

«Lö­sung hält nicht lang»

Ei­ni­ges mehr zu Re­den als das Grie­chen­land­ri­si­ko in den Bü­chern hie­si­ger Fi­nanz­kon­zer­ne gibt die Fra­ge, ob der in der Nacht auf Di­ens­tag aus­ge­han­del­te De­al funk­tio­niert. Die Öko­no­men der UBS sind skep­tisch: «Die Lö­sung wird nicht lan­ge hal­ten», fürch­tet Tho­mas Wa­cker, der die Kre­dit­ana­ly­se von UBS lei­tet. Zwar sei nun für ei­ni­ge Mo­na­te das Ri­si­ko, dass Grie­chen­land die Eu­ro­zo­ne ver­lässt, «über­schau­bar ge­wor­den», er­klärt er im Ge­spräch. «Doch län­ger­fris­tig wird der Plan nicht viel brin­gen. In ei­nem hal­ben Jahr wer­den wir wohl schon über weit­rei­chen­de An­pas­sun­gen oder ei­nen drit­ten Plan re­den müs­sen.»

Das Pro­blem ist nach Ein­schät­zung von Wa­cker die man­geln­de Be­tei­li­gung der pri­va­ten Gläu­bi­ger an der Um­schul­dung: «Die gros­sen Ban­ken in der Eu­ro­zo­ne wer­den zwar mit­ma­chen – nur schon aus Rück­sicht auf den po­li­ti­schen Druck. Doch an­de­re Gläu­bi­ger, bei­spiels­wei­se Hedge Funds und Pen­si­ons­kas­sen, dürf­ten zö­gern.» Wa­cker ver­an­schlagt die Be­tei­li­gungs­quo­te der Pri­vat­gläu­bi­ger auf 50 bis höchs­tens 80%.

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