«Das Jahr der Li­qui­di­tät und der Er­ho­lung»

Chi­nas Ak­ti­en­markt be­ginnt sich zu er­ho­len – Das Sze­na­rio ei­ner sanf­ten Lan­dung und die Aus­sich­ten auf ei­ne we­ni­ger re­strik­ti­ve Po­li­tik ge­ben An­lass zur Hoff­nung

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PR

Wäh­rend un­zäh­li­ge Öko­no­men von ei­ner har­ten oder ei­ner wei­chen Lan­dung Chi­nas spre­chen, be­ste­hen ganz un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen dar­über, was ei­ne har­te Lan­dung be­deu­tet. Sind Bip-wachs­tums­wer­te von 4 oder 7% ge­meint? Ei­ne allgemein gül­ti­ge De­fi­ni­ti­on gibt es nicht. Die meis­ten Ex­per­ten wür­den je­doch dann von ei­ner har­ten Lan­dung spre­chen, wenn das Wachs­tum nicht mehr aus­reicht, um ge­nü­gend Jobs zu schaf­fen, und die Ar­beits­lo­sig­keit steigt.

Gus­tav Rhen­man, China­ex­per­te und Fonds­ma­na­ger beim schwe­di­schen As­set­Ma­na­ger East Ca­pi­tal, küm­mert die­se De­fi­ni­ti­ons­fra­ge we­nig. «Was für ei­ne Lan­dung, bit­te schön?» Er ist über­zeugt, dass Chi­na wei­ter­hin min­des­tens 8% wach­sen wird. Es sei sehr un­wahr­schein­lich, dass die Re­gie­rung die Ziel­vor­ga­ben nicht er­fül­le. Ei­nen zu star­ken Ab­schwung wer­de Pe­king nicht zu­las­sen. Bei Be­darf wer­de Pe­king vor al­lem mit Mass­nah­men, die auf den Kon­sum ziel­ten, die Wirt­schaft an­kur­beln. Doch es sei al­les an­de­re als si­cher, dass es dies über­haupt tun müs­se. Statt aufs Gas zu tre­ten, könn­te es rei­chen, ein biss­chen die Brem­sen zu lö­sen, zum Bei­spiel über die Lo­cke­rung der Min­dest­re­ser­vean­for­de­run­gen für Ban­ken (vgl. Text oben).

Güns­tig be­wer­tet

«Die Her­ab­set­zung des Min­dest­re­ser­ve­sat­zes be­stä­tigt un­se­re Er­war­tung, wo­nach das Jahr des Dra­chen ein Jahr der Li­qui­di­tät und der Ak­ti­en­markt­er­ho­lung wird», sagt Ray­mond Ma, Fonds­ma­na­ger bei Fi­de­li­ty. Er er­war­tet im ers­ten Halb­jahr noch wei­te­re Schrit­te, die die Li­qui­di­tät ver­bes­sern. Ei­ne all­zu lo­cke­re Geld­po­li­tik sei aber eher un­wahr­schein­lich, da sonst die In­fla­ti­on wie­der zu­neh­men könn­te.

Aus Be­wer­tungs­sicht sind chi­ne­si­sche Ak­ti­en at­trak­tiv. Das durschnitt­li­che Kurs­Ge­winn-ver­hält­nis (KGV) be­trägt 9,5. Das Ri­si­ko ei­ner har­ten Lan­dung ist ge­mäss Ma ein­ge­preist. Da er er­war­tet, dass die chi­ne­si­sche Wirt­schaft 7,5 bis 8% wach­sen kann und dies den chi­ne­si­schen Un­ter­neh­men Ge­winn­wachs­tum er­mög­licht, dürf­ten die Be­wer­tun­gen wie­der auf den lang­jäh­ri­gen Durch­schnitt (KGV von 12,8 über fünf Jah­re) stei­gen. Ge­ne­rell dürf­ten laut Ma zy­kli­sche Ti­tel und Kon­sum­gü­ter­ak­ti­en von der Lo­cke­rung der Geld­po­li­tik pro­fi­tie­ren. Die bes­se­re Markt­stim­mung hel­fe auch den Ver­si­che­run­gen.

Rehn­man or­tet die bes­ten Op­por­tu­ni­tä­ten im Fi­nanz­sek­tor. Die Va­lo­ren der gröss­ten zehn Ban­ken sei­en äus­serst güns­tig be­wer­tet, mit ei­nem Preis-buch-ver­hält­nis von 1,2 und ei­nem KGV für 2012 zwi­schen 6 und 7, und dies bei ei­ner Di­vi­den­den­ren­di­te von 4%. Für Ban­ken, die jähr­lich 20% wach­sen, sei das fan­tas­tisch. Die stei­gen­de Zahl fau­ler Kre­di­te im Zu­sam­men­hang mit Fi­nan­zie­rungs­ve­hi­keln der Ge­mein­den be­rei­tet Rhen­man we­nig Sor­gen. Die­se Ve­hi­kel sei­en kein gros­ses Pro­blem für die Ban­ken, da sie nur zwi- schen 9 und 14% des ge­sam­ten Kre­dit­vo­lu­mens der Ban­ken aus­mach­ten. Die In­sti­tu­te hät­ten vor­sichts­hal­ber Rück­stel­lun­gen ge­macht, und zur Not wür­den sie die Lauf­zeit ver­län­gern, wie es letz­te Wo­che von der Re­gie­rung ge­for­dert wur­de.

At­trak­ti­ve Ver­si­che­rer

Auch Ver­si­che­rungs­ti­tel hät­ten in der letz­ten Kor­rek­tur über­durch­schnitt­lich ge­lit­ten und sei­en jetzt güns­tig be­wer­tet. Da die Ver­si­che­run­gen auf dem lo­ka­len Ak­ti­en­markt (A-sha­res) in Chi­na an­leg­ten, ha­be man über die Ver­si­che­rer in­di­rekt Zu­gang zum A-sha­re-markt. Das sei der­zeit be­son­ders in­ter­es­sant, da Pe­king ha­be ver­lau­ten las­sen, dass al­les un­ter­nom­men wer­de, um das Ver­trau­en in den Ak­ti­en­markt wie­der her­zu­stel­len. Die ver­ba­le Schüt­zen­hil­fe wur­de be­reits durch phy­si­sche Käu­fe un­ter­stützt. Auch für die Ak­ti­en des Im­mo­bi­li­en­sek­tors sieht Rhen­man Kur­s­po­ten­zi­al. Die Hys- te­rie in den west­li­chen Me­di­en um ei­ne ver­meint­li­che Im­mo­bi­li­en­kri­se sei ei­ne Chan­ce für kon­trä­re An­le­ger. Na­tür­lich wür­den ein paar klei­ne­re Ge­sell­schaf­ten ver­schwin­den, man müs­se da­her se­lek­tiv vor­ge­hen.

Auch Ray­mond Ma von Fi­de­li­ty fin­det Ak­ti­en aus dem Ban­ken- und dem Im­mo­bi­li­en­sek­tor sehr güns­tig be­wer­tet. Vie­le Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten han­del­ten zu ei­nem Ab­schlag von 50% des NAV. Die Ri­si­ken in die­sen Sek­to­ren sei­en aber re­gu­la­to­ri­scher Na­tur. Des­halb hat Ma Bank- und Im­mo­bi­li­en­wer­te un­ter­ge­wich­tet. Die Ti­tel von Ten­cent und AIA Group hin­ge­gen sei­en her­vor­zu­he­ben. Ten­cent ist Chi­nas gröss­te Platt­form für so­zia­le Netz­wer­ke mit 720 Mio. Be­nut­zern. Sie er­zielt mehr Ein­nah­men als Face­book, ist aber nur halb so hoch be­wer­tet. AIA ist der gröss­te Le­bens­ver­si­che­rer in Asi­en und pro­fi­tiert von den Be­dürf­nis­sen der neu­en Mit­tel­klas­se und der al­tern­den Be­völ­ke­rung.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.