Kei­ne Pa­nik in Pe­king

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Der Ent­scheid der chi­ne­si­schen No­ten­bank, der Peop­le’s Bank of Chi­na (PBOC), mit der Sen­kung des Min­dest­re­ser­ve­sat­zes für die Ban­ken mehr Li­qui­di­tät in den Geld­kreis­lauf zu sprit­zen, kam nicht wirk­lich über­ra­schend. Es war schliess­lich der zwei­te sol­che Schritt seit De­zem­ber. Nicht nur des­halb kann man nicht von ei­nem dras­ti­schen geld­po­li­ti­schen Kurs­wech­sel re­den. Denn in Pe­king herrscht of­fen­bar kei­ne Pa­nik über ei­nen im­mi­nen­ten Wachs­tum­s­ein­bruch, der jetzt nach dras­ti­schen Mass­nah­men ru­fen wür­de. Be­mer­kens­wert war al­len­falls die Kom­mu­ni­ka­ti­on des Ent­scheids. Lan­ge be­vor die Mit­tei­lung am Sams­tag auf der Web­site der No­ten­bank auf­ge­schal­tet wur­de, sprach Pre­mier­mi­nis­ter Wen Jia­bao von der Not­wen­dig­keit, dass Un­ter­neh­men wei­ter­hin ein­fa­chen Zu­gang zu Kre­di­ten er­hal­ten. Dass dann prompt der Li­qui­di­täts­hahn ein Stück wei­ter auf­ge­dreht wur­de, hat wie­der ein­mal deut­lich vor Au­gen ge­führt, dass die PBOC an­ders als die No­ten­ban­ken in den frei­en Markt­wirt­schaf­ten kein un­ab­hän­gi­ges Gre­mi­um ist. Die chi­ne­si­sche No­ten­bank un­ter­steht di­rekt der Re­gie­rung. Der Gou­ver­neur der PBOC, Zhou Xiao­chuan, sitzt mit Mi­nis­ter­rang am Ka­bi­netts­tisch. Das Man­dat der Zen­tral­bank geht da­mit weit über die Er­hal­tung der Geld­wert­sta­bi­li­tät hin­aus.

Die Re­gie­rung hat sich selbst und da­mit auch der PBOC den Er­halt der so­zia­len Sta­bi­li­tät als vor­dring­lichs­tes Ziel auf die Fah­ne ge­schrie­ben. Ob da­für die Stüt­zung des Geld­werts, des Ban­ken­sys­tems, des Ar­beits­mark­tes oder ei­nes ein­zel­nen Un­ter­neh­mens das ge­eig­ne­te Mit­tel ist, un­ter­liegt ganz der wech­seln­den wirt­schaft­li­chen, so­zia­len oder auch po­li­ti­schen La­ge. Da­mit scheint Chi­na bis­her nicht schlecht ge­fah­ren zu sein, konn­te es doch über Jah­re ein ho­hes Wirt­schafts­wachs­tum ver­zeich­nen, oh­ne un­ter ho­her In­fla­ti­on zu lei­den. Auch jetzt scheint die PBOC recht er­folg­reich zu agie­ren. Die Her­aus­for­de­run­gen an die Geld­po­li­tik dürf­ten sich künf­tig aber stark wan­deln. Mit der schritt­wei­sen und kaum re­ver­si­blen In­ter­na­tio­na­li­sie­rung der Lan­des­wäh­rung Yuan und der gleich­zei­ti­gen Aus­land­ex­pan­si­on der ei­ge­nen Ban­ken wird Chi­nas Fi­nanz­sys­tem zu­neh­mend in den glo­ba­len Geld­kreis­lauf in­te­griert. Da­mit wird wahr­schein­lich schon bald auch das An­for­de­rungs­pro­fil der PBOC neu de­fi­niert wer­den müs­sen.

aus Hong­kong zur Rol­le der chi­ne­si­schen Zen­tral­bank

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