Schwel­len­markt­bonds star­ten gut ins Jahr

MARKTSTIMME Asi­en und Latein­ame­ri­ka sind zu be­vor­zu­gen

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - BERN­HARD OBEN­HU­BER,

Schwel­len­markt­an­lei­hen (Emer­ging Mar­ket Bonds) ha­ben 2012 gut be­gon­nen: Nur sie­ben Wo­chen nach Jah­res­be­ginn ver­zeich­ne­te der In­dex der Dol­lar-staats­an­lei­hen in Emer­ging Mar­kets (Em­ma) ei­ne Ren­di­te von 2,8%. Dies wird durch Em­maUn­ter­neh­mens­an­lei­hen mit 4,2% noch über­trof­fen und liegt gänz­lich im Schat­ten von Schwel­len­markt­an­lei­hen in Lo­kal­wäh­rung auf Dol­lar­ba­sis mit 10,5% bzw. auf Eu­ro­ba­sis mit 8,2%.

Dunk­le Wol­ken ver­blei­ben

Die Ral­ly ist vor dem Hin­ter­grund allgemein freund­li­cher Fi­nanz­märk­te zu be­ur­tei­len und we­ni­ger auf schwel­len­markt­spe­zi­fi­sche Grün­de zu­rück­zu­füh­ren. Wäh­rend sich die glo­ba­le An­le­ger­stim­mung ver­bes­sert, pro­fi­tie­ren Em­ma-an­lei­hen­fonds von er­heb­li­chen Ka­pi­tal­zu­flüs­sen. Gleich­zei­tig un­ter­stützt das po­si­ti­ve Um­feld ei­nen ak­ti­ven Pri­mär­markt.

Ob­schon un­ser Emer­ging-mar­ket-ris­kSen­ti­ment-in­di­ka­tor bis­her kein «Eu­pho­rie-ni­veau» er­reicht hat, ist der Op­ti­mis­mus schon jetzt recht hoch. Die Ver­gan­gen­heit hat ge­zeigt, dass die Wahr­schein­lich­keit für ei­nen Rück­schlag der Fi­nanz­märk­te be­son­ders gross ist, wenn al­le Ak­teu­re op­ti­mis­tisch sind. Die schwe­len­den Schul­den­pro­ble­me Eu­ro­pas, die an­fäl­li­ge glo­ba­le Kon­junk­tur­er­ho­lung und die Span­nun­gen im Na­hen Os­ten bie­ten zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten ei­ner bö­sen Über­ra­schung.

Das Ba­sissze­na­rio für Eu­ro­pa bleibt «La­vie­ren» – die kom­men­den Mo­na­te wer­den wahr­schein­lich von zeit­wei­li­gen An­span­nun­gen so­wie lang­sa­men und schritt­wei­sen po­li­ti­schen An­pas­sun­gen ge­prägt sein. Das Haupt­ri­si­ko blei­ben Markt­stö­run­gen auf­grund ei­ner aus­ufern­den Eu­ro­zo­n­en­kri­se und ei­ner ent­glei­sen­den Kon­junk­tur­er­ho­lung. In die­sem Sze­na­rio soll­te die Fun­da­men­tal­ent­wick­lung der Schwel­len­märk­te wei­ter­hin stär­ker aus­fal­len.

Dass Em­ma im Ver­gleich zu den In­dus­trie­län­dern bes­se­re Fun­da­men­tal­da­ten auf­wei­sen, war für An­le­ger wäh­rend der letz­ten Jah­re ein wich­ti­ges Ar­gu­ment zur Ka­pi­tal­um­schich­tung. Ein star­kes Wirt­schafts­wachs­tum führ­te, zu­sam­men mit ei­ner vor­sich­ti­gen ge­samt­wirt­schaft­li­chen Po­li­tik, zu ei­ner er­heb­li­chen Bo­ni­täts­ver­bes­se­rung der Schwel­len­län­der, be­son­ders im Fall von Asi­en und Latein­ame­ri­ka. In Ost­eu­ro­pa fie­len die Ver­bes­se­run­gen schwä­cher aus, da die wirt­schaft­li­che Ex­pan­si­on teil­wei­se durch ei­ne Er­hö­hung der Ver­schul­dung vor­an­ge­trie­ben wur­de.

Die Gra­fik zeigt (vgl. un­ten), wie sich die Län­der­ri­si­ken in Ost­eu­ro­pa, Asi­en und Latein­ame­ri­ka wäh­rend des ver­gan­ge­nen Jahr­zehnts ver­än­dert ha­ben. Von 2000 bis 2008 san­ken die Län­der­ri­si­ken in sämt­li­chen Re­gio­nen, be­son­ders in Latein­ame­ri­ka. Die glo­ba­le Fi­nanz­kri­se 2008 und 2009 wirk­te sich auf al­le Re­gio­nen ähn­lich aus: Ri­si­ken schos­sen in die Hö­he und re­du­zier­ten sich in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren nur lang­sam. In den letz­ten Mo­na­ten di­ver­gier­ten die­se Ri­si­ken zu­neh­mend – wäh­rend sich Latein­ame­ri­ka und Asi­en auf ei­nem so­li­den Ni­veau sta­bi­li­siert, steigt das Ri­si­ko in Ost­eu­ro­pa. Das spie­gelt sich be­reits in den Kre­dit­ri­si­ko­prä­mi­en (Spreads).

Po­si­ti­ver Aus­blick

Selbst nach dem star­ken Jah­res­be­ginn schät­zen wir fest­ver­zins­li­che Ver­mö­gens­wer­te von Schwel­len­län­dern 2012 wei­ter­hin po­si­tiv ein. Die Per­for­mance von Staats­an­lei­hen dürf­te im lau­fen­den Jahr nied­ri­ger als im Vor­jahr sein, die Dy­na­mik et­was an Fahrt ver­lie­ren.

Künf­tig dürf­te sich die Ren­di­te haupt­säch­lich aus Cou­pon-er­trä­gen er­ge­ben, da die An­lei­hen­be­wer­tun­gen nur noch ein ge­rin­ges Kurs­stei­ge­rungs­po­ten­zi­al er­lau­ben. Un­ter den Staats­an­lei­hen be­vor­zu­gen wir Po­len, Russ­land, Pe­ru und Ve­ne­zue­la. Staats­na­he An­lei­hen und An­lei­hen mit Triple-b-ra­ting sind un­ter den Un­ter­neh­mens­an­lei­hen der Schwel­len­märk­te un­se­re be­vor­zug­ten Seg­men­te.

Schwel­len­län­der Ri­si­ko­t­rends

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