Tran­so­ce­an war­tet mit Ver­gleich bis zur letz­ten Mi­nu­te

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - MG

Tran­so­ce­an po­kert hoch. Als ei­nes der letz­ten an der Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko haupt­be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men hat es mit Pro­jekt­be­trei­ber BP kei­nen Ver­gleich ge­schlos­sen. Das dürf­te sich bald än­dern. Die Mit­be­trei­ber Ana­dar­ko und Mitsui so­wie Auf­trag­neh­mer Ca­me­ron un­d­wea­ther­ford ha­ben mit dem bri­ti­schen Ener­gi­e­mul­ti mehr oder we­ni­ger ho­he Zah­lun­gen ver­ein­bart und wer­den nun nicht wei­ter für den Un­fall auf der Bohr­in­sel «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» mit­ver­ant­wort­lich ge­macht.

Zwei Ur­tei­le des Di­strikt­rich­ters Carl Bar­bier ha­ben BPS Ver­su­che ge­schwächt, den Schwei­zer Bohr­in­sel­be­sit­zer mit­schul­dig zu ma­chen. In ei­nem sum­ma­ri­schen Ur­teil vom Mitt­woch kam Bar­bier zum Schluss, dass BP und Ana­dar­ko als Pro­jekt­be­trei­ber für Schä­den und Stra­fen ge­mäss dem Cle­an Wa­ter Act ver­ant­wort­lich sind. Eben­falls als «Be­trei­ber» haft­bar sein «könn­te» Tran­so­ce­an; al­ler­dings kön­ne er das nicht vor dem al­les ent­schei­den­den Pro­zess fest­le­gen, der am Mon­tag in New Or­leans be­gin­nen soll. Bar­bier ur­teil­te auch, dass die Schwei­zer kei­ne Ver­ant­wor­tung ge­mäss dem Oil Pol­lu­ti­on Act ha­ben, da das aus­ge­lau­fe­ne Öl nicht von der Bohr­in­sel stam­me, son­dern vom Bohr­loch un­ter Was­ser.

In ei­nem frü­he­ren Ur­teil hat­te Bar­bier zu­dem fest­ge­stellt, dass Tran­so­ce­an nicht für Ge­schäfts­aus­fäl­le von Fi­sche­rei- und Tou­ris­mus­be­trie­ben haft­bar ge­macht wer­den kön­ne; für die­se For­de­run­gen müs­se al­lein BP auf­kom­men. Trotz­dem ist wahr­schein­lich, dass es vor oder kurz nach Be­ginn des Pro­zes­ses in New Or­leans zu all­sei­ti­gen Ver­glei­chen kommt – auch zwi­schen Tran­so­ce­an ei­ner­seits so­wie BP und den Us-an­klä­gern an­de­rer­seits. Nie­mand in der Öl­in­dus­trie hat ein In­ter­es­se dar­an, sich in der Öf­fent­lich­keit ge­gen­sei­tig gro­be Feh­ler und Un­ter­las­sun­gen vor­zu­wer­fen. Wahr­schein­lich ist auch, dass Tran­so­ce­an da­bei an­ge­sichts der bis­he­ri­gen Ur­tei­le den fi­nan­zi­el­len Scha­den be­gren­zen kann. Ein En­de der Strei­te­rei­en könn­te zu ei­ner be­deu­ten­den Hö­her­be­wer­tung der Tran­so­ce­an-ak­ti­en füh­ren, weil ei­ne mög­li­cher­wei­se mil­li­ar­den­schwe­re ju­ris­ti­sche Un­be­kann­te end­lich be­sei­tigt wä­re.

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