Sul­zer will jähr­lich 6 bis 8% wach­sen

SCHWEIZ Le­an-ma­nage­ment-me­tho­den wer­den for­ciert – Kri­sen­fest auf­ge­stellt – NEU-CEO Klaus Stahl­mann kommt aus der Da­na­her-kü­che

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - ANDRE­AS MEI­ER

Das Jahr 2012 wird si­cher nicht leich­ter als 2011» kom­men­tier­te Jür­gen Brandt, der noch bis vor we­ni­gen Ta­gen als In­te­rims-ceo von Sul­zer fun­giert hat, den Aus­blick für das lau­fen­de Jahr. Al­ler­dings: Die Re­sul­ta­te für 2011 las­sen ein «leich­tes» Jahr für Sul­zer ver­mu­ten. Der Um­satz ist 8,4% auf knapp 3,6 Mrd. Fr. ge­stie­gen, be­rei­nigt um Wäh­rungs­ein­flüs­se und Ak­qui­si­tio­nen be­trug der Zu­wachs gar 17,2%.

Der Be­triebs­ge­winn nahm zwar 10,4% auf 364 Mio. Fr. ab, doch im Vor­jahr war ein Son­der­er­trag von 57 Mio. Fr. aus dem Ver­kauf von Im­mo­bi­li­en ent­hal­ten. Wird er raus­ge­rech­net, wä­re auch der Be­triebs­ge­winn leicht ge­stie­gen. Ei­nen grös­se­ren An­stieg hat der har­te Fran­ken ver­hin­dert.

Seit Au­gust ist der Was­ser­pum­pen­her­stel­ler Car­do Flow (Um­satz rund 450 Mio. Fr.) – die seit Jah­ren gröss­te Ak­qui­si­ti­on von Sul­zer – in der Rech­nung der Win­ter­thu­rer ent­hal­ten.

Die gu­ten Re­sul­ta­te fol­gen auf zwei Jah­re (2009 und 2010) mit rück­läu­fi­gem Um­satz und nied­ri­ge­rem Be­triebs­ge­winn (vor Son­der­er­trä­gen). Die Er­ho­lung vom kri­sen­be­ding­ten Rück­schlag setz­te bei Sul­zer denn auch spä­ter ein und kam erst 2011 rich­tig zum Tra­gen.

Wer­den die Re­sul­ta­te seit 2007 be­trach­tet, zeigt sich aber auch, dass Sul­zer sehr gut durch die Akut­pha­se der Fi­nanz­kri­se 2008 und die nach­fol­gen­de Re­zes­si­on ge­kom­men ist. Die Be­triebs­ge­winn­mar­ge ist in die­sen Jah­ren nie un­ter 10% ge­rutscht, was für ei­nen In­ves­ti­ti­ons­gü­ter­her­stel­ler ei­ne be­mer­kens­wer­te Leis­tung ist.

Ge­hol­fen hat un­ter an­de­rem das sta­bi­le Ser­vice­ge­schäft, das über 40% zum Um­satz bei­trägt.

Dor­mann gibt Ta­rif durch

Der zu­rück­hal­ten­de Kommentar von Brandt zu 2012 muss da­her re­la­ti­viert wer­den. Sul­zer klagt auf ho­hem Ni­veau – und schaut am­bi­tio­niert in die Zu­kunft. Zwar hat sich die Ge­schäfts­dy­na­mik kon­junk­tu­rell be­dingt in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2011 et­was ab­ge­schwächt – der Be­stel­lungs­ein­gang wuchs lang­sa­mer als der Um­satz – und das neue Jahr hat ge­mäch­lich an­ge­fan­gen. Ins­ge­samt sieht Sul­zer

Sul­zer N für 2012 aber mo­de­ra­tes Wachs­tum und ei­ne «so­li­de» Mar­ge.

Doch für die nächs­ten Jah­re setzt sich Sul­zer an­spruchs­vol­le Zie­le: Erst­mals legt der Kon­zern Vier­jah­res­zie­le für Um­satz und Pro­fi­ta­bi­li­tät vor – bis­her wa­ren Zwei­jah­res­aus­bli­cke die Norm. Sul­zer will jähr­lich zwi­schen 6 und 8% or­ga­nisch wach­sen, das heisst oh­ne Ein­be­zug von Ak­qui­si­tio­nen, und ei­ne Be­triebs­ge­winn­mar­ge von 11 bis 13% er­wirt­schaf­ten (2011: 10,2%). Be­din­gung ist, dass die Wirt­schafts­la­ge «kon­stant» bleibt und die Staats­ver­schul­dungs­pro­ble­ma­tik ein­ge­dämmt wer­den kann.

Die neu­en Ziel­vor­ga­ben müs­sen nun von dem am letz­ten Di­ens­tag in­stal­lier­ten CEO Klaus Stahl­mann um­ge­setzt wer­den. Und Sul­zer-vr-prä­si­dent Jür­gen Dor­mann gab am Di­ens­tag im Rah­men ei­ner Pres­se­kon­fe­renz auch gleich den Ta­rif durch: «Da­hin­ter zu­rück­blei­ben darf er auf kei­nen Fall.» Al­ler­dings wird Dor­mann dies selbst nicht mehr be­auf­sich­ti­gen kön­nen. Auf­grund der Al­ters­li­mi­te wird er im Früh­ling 2013 sein Amt ab­ge­ben müs­sen.

Dass Stahl­mann gleich zu sei­nem Amts­an­tritt Zie­le auf­er­legt wer­den, an de­nen er nicht selbst mit­ar­bei­ten konn­te, ist für ihn «kein Pro­blem». In der Tat fand die Zie­ler­mitt­lung auch nicht top-down statt, son­dern sie wur­de im We­sent­li­chen in den vier Di­vi­sio­nen er­ar­bei­tet.

Von 40 auf 448

Auf­fal­lend ist zu­dem, dass Sul­zer dem Kon­zept des Le­an Ma­nage­ment – al­so der mög­lichst ef­fi­zi­en­ten und kos­ten­spa­ren- den Ab­läu­fe in Pro­duk­ti­on und Or­ga­nis­ti­on – im­mer mehr Raum ein­räumt. Wur­den 2009 für des­sen Im­ple­men­tie­rung noch 40 in­ter­ne Work-shops ab­ge­hal­ten, wa­ren es 2010 schon 99 und 2011 448. Die fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen dürf­ten in den nächs­ten Jah­ren sicht­bar wer­den.

Mit dem neu­en Chef Klaus Stahl­mann hat man sich zu­dem je­man­den ge­holt, der schlan­ke Struk­tu­ren bes­tens kennt: Stahl­mann war von 2001 bis 2006 CEO von All­wei­ler, die ei­ne der tra­gen­den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten des Us-kon­zerns Colfax ist. Colfax wie­der­um ist ein Schwes­ter­un­ter­neh­men von Da­na­her, dem für sei­ne ef­fi­zi­en­ten Ab­läu­fe be­kann­ten Us-kon­glo­me­rat (vgl. FUW Nr. 11 vom 18. Fe­bru­ar). Die an der NY­SE ko­tier­te Colfax – wie Da­na­her ge­grün­det von den Brü­dern Ra­les – ori­en­tiert sich am Le­an-ma­nage­ment-kon­zept von Da­na­her, hat sich aber auf Pum­pen und Art­ver­wand­tes (Flu­id Hand­ling) spe­zia­li­siert.

Sul­zer hat Kri­sen­re­sis­tenz be­wie­sen und ist bes­tens ge­rüs­tet für die nächs­ten Jah­re. Mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis von 14 sind die Ti­tel an­ge­sichts des an­ge­peil­ten Wachs­tums wei­ter­hin ein Kauf.

Der neue Sul­zer-ceo Klaus Stahl­mann (vor­ne) bringt viel Er­fah­rung im Le­an-ma­nage­ment mit.

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