BASF ge­denkt nicht vom Re­kord­kurs ab­zu­wei­chen

DEUTSCH­LAND Che­mie­kon­zern pro­gnos­ti­ziert wei­te­res Wachs­tum für Um­satz und Be­triebs­ge­winn – Durch­weg Best­wer­te für 2011 – Kurs­chan­cen blei­ben in­takt

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

BASF Nicht um­sonst wirbt die BASF mit dem Slo­gan The Che­mi­cal Com­pa­ny. In Um­satz und Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung braucht das Che­mie­un­ter­neh­men kei­nen Wett­be­wer­ber zu fürch­ten, und auch in der Ren­ta­bi­li­tät zählt es zur Spit­ze. Die am Frei­tag pu­bli­zier­ten Zah­len zum Ge­schäfts­jahr 2011 be­le­gen ein­mal mehr die Po­tenz des Kon­zerns: Trotz nach­las­sen­der Dy­na­mik im Schluss­quar­tal mel­de­te BASF Best­wer­te für den Um­satz und al­le Er­geb­nis­ag­gre­ga­te bis hin­un­ter zum Ge­winn.

Doch nicht nur Grös­se und Er­trags­kraft ver­lei­hen der als Ba­di­sche Ani­lin- & So­da­F­a­brik ge­grün­de­ten BASF Ge­wicht. We­gen der vie­len Bran­chen, die sie mit ih­ren Pro­duk­ten be­dient, fin­den auch ih­re Pro­gno- sen weit­her­um Ge­hör als fun­dier­te Ein­schät­zung der Ent­wick­lung von Bran­chen und der Wirt­schaft. Wich­ti­ge Kun­den­bran­chen sind Trans­port (Au­to­mo­bil), Ener­gie­und Roh­stof­fe, Bau, Kon­sum­gü­ter, Elek­tro­nik, Ge­sund­heit und Er­näh­rung so­wie Land­wirt­schaft; das Port­fo­lio reicht von Che­mi­ka­li­en, Kunst­stof­fen, Ve­red­lungs­pro­duk­ten über Ka­ta­ly­sa­to­ren und Pflan­zen­schutz­mit­teln bis zu Öl und Gas.

Roh­stoff­kos­ten be­las­ten

Die Pro­gno­se für 2012 ist er­mu­ti­gend. Wer Un­ver­bind­li­ches er­war­tet hat, sieht sich ei­nes Bes­se­ren be­lehrt: «Wir stre­ben an, bei Um­satz und Er­geb­nis der Be­triebs­tä­tig­keit die Spit­zen­wer­te des Jah­res 2011 zu über­tref­fen», heisst es im Jah­res­be­richt

Un­ter­neh­mens­zah­len mit der Er­gän­zung, die Er­geb­nis­ent­wick­lung wer­de durch die Wie­der­auf­nah­me der Erd­öl­pro­duk­ti­on in Li­by­en und durch stei­gen­de Men­gen im Che­mie­ge­schäft ge­stützt. Die Pro­gno­se ba­siert un­ter an­de­rem auf der Er­war­tung ei­nes Wachs­tums der Welt­wirt­schaft von 2,7%.

Dar­aus lei­tet sich ab, dass die BASF auch im lau­fen­den Jahr ei­ne ho­he Prä­mie auf die Ka­pi­tal­kos­ten er­zie­len will. 2011 be­trug der Über­schuss über den Ver­zin­sungs­an­spruch der Fremd- und Ei­gen­ka­pi­tal­ge­ber 2,55 (i. V. 3,5) Mrd. €.

Der Rück­gang im Vor­jah­res­ver­gleich zeigt, dass 2011 trotz Re­kord­zah­len nicht leicht war. Der Blick in die Er­folgs­rech­nung und auf die Ent­wick­lung der Seg­men­te (vgl. Gra­fik) be­stä­tigt das: Der be­rei­nig­te Be­triebs­ge­winn (Ebit) von 8,45 Mrd. € ist mit 4% viel we­ni­ger ge­wach­sen als der Um­satz. Zum Um­satz­plus von 15% tru­gen Preis­ef­fek­te 12, Port­fo­li­o­ef­fek­te 5 und Wäh­rungs­ef­fek­te –2 Pro­zent­punk­te bei; Men­gen­ef­fek­te wa­ren ver­nach­läs­sig­bar.

Be­las­tet hat vor al­lem die Ver­teue­rung der Roh­stof­fe. Sie ha­be zwar gröss­ten­teils an den Markt wei­ter­ge­ge­ben wer­den kön­nen, in­for­miert BASF, aber eben nicht in al­len Pro­duk­ten voll­stän­dig. Die Fol­ge da­von wa­ren ein zum Um­satz über­pro­por­tio­na­ler An­stieg der Um­satz­kos­ten (+19%) so­wie Druck auf die Mar­gen. Die­se sind in­des nach wie vor be­acht­lich. Auf Stu­fe Ebitda (Be­triebs­ge­winn vor Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­ti­on) be­trägt die Mar­ge 16,3% (i. V. 17,4). Die Us-che­mie­rie­sen Dow Che­mi­cal und Dupont ka­men – mit je­weils an­de­ren Port­fo­li­os – auf 13% (13,4) und 17,7% (17,8), wäh­rend ei­ne Cla­ri­ant 10,7% (9,1) er­reich­te. Für die be­rei­nig­te Ebit-mar­ge mel­de­te BASF 11,5%, nach 12,7% im Vor­jahr; für die Us-kon­kur­renz lie­gen kei­ne ent­spre­chen­den Da­ten vor.

At­trak­ti­ve Di­vi­den­de

Der im Ver­gleich zum Ebit- deut­lich hö­he­re Ge­winn­zu­wachs er­klärt sich mit dem Ab­gang von Be­tei­li­gun­gen, der sich mit ei­nem Er­trag von 890 Mio. € im Fi­nanz­er­geb­nis nie­der­schlug. Da­her ist die Kon­zern­pro­gno­se ei­nes hö­he­ren Er­geb­nis­ses der Be­triebs­tä­tig­keit (Ebit) auch nicht mit ei­nem hö­he­ren Ge­winn gleich­zu­set­zen. Im Ge­gen­teil, un­ter der An­nah­me ei­ner nur ver­hal­te­nen Er­geb­nis­stei­ge­rung ist für 2012 von ei­nem rück­läu­fi­gen Über­schuss aus­zu­ge­hen (vgl. Ta­bel­le links).

Den­noch schlägt der Vor­stand ei­ne Er­hö­hung der Di­vi­den­de für 2011 auf 2.50 € vor. Auch das zeugt von Zu­ver­sicht und un­ter­mau­ert die Be­deu­tung, die der Di­vi­den­de im Hau­se BASF bei­ge­mes­sen wird (vgl. Gra­fik). Zu­sam­men mit den gu­ten Zah­len wur­de das auch an der Bör­se ge­wür­digt: Bis Frei­tag­mit­tag zo­gen BASF über­durch­schnitt­li­che 1,6% an. Das heu­ti­ge Kurs­ni­veau trägt der Er­trags­kraft des Kon­zerns nur un­zu­rei­chend Rech­nung, un­ter Be­rück­sich­ti­gung ei­nes aus­rei­chend ho­hen Ri­si­ko­ab­schlag ist die Be­wer­tung je­doch an­ge­mes­sen. Auf die­ser Ba­sis lie­gen wei­te­re Kurs­a­van­cen durch­aus drin. Das Um­feld bleibt al­ler­dings la­bil.

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