Swiss Re hält Ei­gen­ka­pi­tal der Bran­che für über­höht

EU­RO­PA Fa­den­schei­ni­ge An­lei­hen­auf­wer­tung we­gen Zins­baisse – Je­der­zeit Ge­gen­be­we­gung

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS HENGARTNER

Selbst nach der aus­ge­präg­ten Hausse des As­se­ku­ranz­sek­tors in den zu­rück­lie­gen­den Wo­chen no­tie­ren die Ver­si­che­rer­ak­ti­en noch teil­wei­se deut­lich un­ter dem Buch­wert. «Die Bi­lan­zie­rungs­re­geln pro­vo­zie­ren für un­se­re Bran­che der­zeit al­ler­dings den Aus­weis von rech­ne­risch über­höh­tem Ei­gen­ka­pi­tal», warn­te Ge­or­ge Quinn, Fi­nanz­chef von Swiss Re, an der Jah­res­kon­fe­renz.

Die im ver­gan­ge­nen Jahr scharf rück­läu­fi­gen Markt­zin­sen ha­ben den Wert von An­lei­hen gut be­ur­teil­ter Staa­ten und Un­ter­neh­men in die Hö­he ge­hievt. Die­ser Buch­ge­winn hat das Ei­gen­ka­pi­tal der Ver­si­che­rer auf­ge­bläht. Im Fal­le von Swiss Re gleich um net­to gut 3 Mrd. auf über 31 Mrd. $. Der Schwei­zer Mul­ti führt ein rund 150 Mrd. $ um­fas­sen­des Ver­si­che­rungs­ver­mö­gen, das schwer­ge­wich­tig in Ob­li­ga­tio­nen Deutsch­lands, Gross­bri­tan­ni­ens und der USA an­ge­legt ist.

Mit Recht un­ter Buch­wert

Der Buch­wert in Fran­ken je Swiss-reAk­tie sprang von 69 auf fast 81. Das Kur­sBuch­wert-ver­hält­nis fällt da­mit auf 0,7. Der Dis­count, den die An­le­ger folg­lich ein­prei­sen, ist aus dem Vor­ge­sag­ten je­doch zu­min­dest ein Stück weit ge­recht­fer­tigt. «Nach öko­no­mi­scher Be­trach­tung ist die Ka­pi­ta­li­sie­rung der Bran­che 2011 gar et­was ge­schwun­den», stellt der Lei­ter des Fi­nanz­res­sorts von Swiss Re klar.

Die Di­ver­genz rührt da­von, dass der Bar­wert der zeit­lich oft fer­nen Ver­si­che­rungs­ver­pflich­tun­gen in ei­nem Nied­rig­zins­um­feld nach öko­no­misch kor­rek­ter Be­rech­nung stei­gen wür­de. Nach den in­ter­na­tio­nal gel­ten­den Bi­lanz­re­geln wird die Än­de­rung der Be­wer­tung der Ver­si­che­rungs­pas­si­ven al­ler­dings nicht er­fasst. «So­bald der Markt­zins zu stei­gen be­ginnt, ver­flüch­tigt sich der im Ei­gen­ka­pi­tal er­fass­te An­lei­hen­buch­ge­winn wie­der», mahn­te der Fi­nanz­chef.

Den vor­der­hand be­güns­ti­gen­den Ei­gen­ka­pi­tal­ef­fekt mel­den auch an­de­re As­se­ku­ranz­un­ter­neh­men. Al­li­anz (vgl. ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel) und Mün­che­ner Rück sind als Eu­ro­bi­lan­zie­rer in­des um­fäng­lich in An­lei­hen Grie­chen­lands und an­de­rer sü­d­eu­ro­päi­scher Staa­ten in­ves­tiert. Die auf sol­chen Pa­pie­ren mas­si­ven Buch­ver­lus­te be­ein­träch­tig­ten die Net­to­ver­än­de­rung.

Mün­che­ner Rück, die im Kern­ge­schäft die ein­ein­halb­fa­che Grös­se von Swiss Re hat, bi­lan­zier­te im zu­rück­lie­gen­den Jahr ein um le­dig­lich 0,3 Mrd. € ge­stärk­tes Ei­gen­ka­pi­tal von 23,3 Mrd. Die Ak­ti­en no­tie­ren zu knapp 90% des Buch­werts. Die ver­gleichs­wei­se hö­he­re No­tie­rung hängt ein Stück weit da­mit zu­sam­men, dass die Mün­che­ner mit den Ein­hei­ten Er­go und Mu­nich He­alth er­gän­zend im Erst­ver­si­che­rungs­ge­schäft ver­an­kert sind.

Hier holt sich der deut­sche Kon­zern noch­mals ähn­lich viel Ge­schäfts­vo­lu­men wie auf der tra­di­tio­nel­len Rück­ver­si­che­rungs­ak­ti­vi­tät. Zur Wir­kung kommt zu­sätz­lich die Di­ver­si­fi­ka­ti­on von Er­trags­wie auch Ge­fah­ren­quel­len, die im güns­ti­gen Fall den Ge­winn­aus­weis über die Jah­re glät­tet und das auf­sichts­recht­lich ver­lang­te Mi­ni­mal­ka­pi­tal op­ti­miert.

Von sol­chen Vor­tei­len will Swiss Re auch pro­fi­tie­ren. Auf Jah­res­be­ginn wur­de die Struk­tur um­ge­baut. Um den Kern der Le­bens- und Sach­rück­ver­si­che­rung, der

Swiss Re N ge­gen­wär­tig rund 85% des Kon­zern­vo­lu­mens ein­bringt, grup­pie­ren sich als nun­mehr ei­gen­stän­di­ge Ge­schäfts­spar­ten das Erst­ver­si­che­rungs­ge­schäft (Cor­po­ra­te So­lu­ti­ons) und die Ab­wick­lung er­wor­be­ner Le­bens­ver­si­che­rungsport­fo­li­os (Ad­min Re). «Bei­de Er­gän­zungs­be­rei­che ha­ben enor­mes Aus­bau­po­ten­zi­al, und dank der neu­en Teil­au­to­no­mie kön­nen sie es nun viel bes­ser er­schlies­sen», gibt sich Kon­zern­chef Mi­chel Liès über­zeugt.

Ri­si­ko­ka­pi­tal steht ihm zur Ver­fü­gung. Swiss Re hat nach ei­ge­ner Be­rech­nung rund 7 Mrd. $ mehr Ei­gen­mit­tel, als die Ra­ting­agen­tu­ren üb­li­cher­wei­se für ei­ne Aa-no­te ver­lang­ten. Liès wird die Zu­tei­lung auf die Spar­ten «op­por­tu­nis­tisch» vor­neh­men, und nur, wenn da­mit das Kon­zern­er­trags­ziel von im Mehr­jah­res­schnitt rund 10% Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te mit gros­ser Wahr­schein­lich­keit er­reicht wird. Al­ter­na­tiv wird Swiss Re ge­mäss Liès ei­ne Aus­schüt­tung an die Ak­tio­nä­re durch Son­der­di­vi­den­den in Be­tracht zie­hen.

Ren­di­te­ziel her­aus­for­dernd

Das Ren­di­te­ziel bleibt her­aus­for­dernd. Die Scha­den­häu­fung im zu­rück­lie­gen­den Jahr und der als Fol­ge der Tief­zin­sen ab­neh­men­de lau­fen­de Er­trag des An­lei­hen­be­stands be­las­ten. Der Be­triebs­ge­winn von Swiss Re ver­bes­ser­te sich 2011 den­noch von 2,7 auf 2,9 Mrd. $. Dass der Über­schuss mit 2,6 Mrd. $ bzw. um­ge­rech­net 6.63 Fr. je Ak­tie gleich auf das Drei­fa­che des Vor­jah­res­werts sprang, hat mit Ein­mal­be­las­tun­gen 2010 und eben­falls nicht wie­der­keh­ren­den steu­er­li­chen Be­güns­ti­gun­gen 2011 zu tun.

Die Ge­winn­schät­zung für 2012 muss we­gen der vie­len Un­wäg­bar­kei­ten vor­sich­ti­ger­wei­se et­was un­ter­halb des auf­ge­bläh­ten Er­geb­nis­ses für 2011 ge­fasst wer­den. Swiss Re sind ge­mes­sen am Kurs­Ge­winn-ver­hält­nis von 9 leicht teu­rer als Mu­nich Re. In der Di­vi­den­den­ren­di­te von 5,5% lie­gen die Kon­tra­hen­ten gleich­auf.

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