Gu­te Chan­cen für Nest­lé-ak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - AL­FONS COR­TES

Die Zeit für Con­tra­ri­an-käu­fe ist gros­so mo­do ab­ge­lau­fen. Die Chan­ce da­zu wur­de im Spät­som­mer und im Herbst 2011 ge­währt. Sehr vie­le ha­ben sie wei­test­ge­hend ver­passt. Sie ha­ben die Bör­se mit an­de­ren so­zia­len Sys­te­men wie der Wirt­schaft oder der Po­li­tik ver­mengt und wie üb­lich in ty­pi­schen Con­tra­ri­an-si­tua­tio­nen ein­fach dar­auf ver­zich­tet, das Rich­ti­ge zu tun, weil sie nicht ver­ste­hen konn­ten, war­um Kau­fen trotz der ne­ga­ti­ven Nachrichten das Rich­ti­ge war.

Con­tra­ri­an-chan­cen für Ge­dul­di­ge er­ge­ben sich nur noch bei Rück­schlä­gen in Bank­ak­ti­en. Zwei an­de­re re­la­tiv schwa­che Sek­to­ren – Tele­com und Ver­sor­ger – sind kei­ne Con­tra­ri­an-si­tua­tio­nen. Ih­rem Lei­den hat kein stark emo­tio­na­li­sier­ter Ak­ti­vis­mus ein En­de ge­setzt. Bei­de Sek­to­ren dürf­ten ih­re re­la­ti­ve Schwä­che nicht in Bäl­de be­en­den.

Jetzt soll­te man nicht in der un­ge­müt­li­chen La­ge sein, die Ak­ti­en­quo­te er­hö­hen zu müs­sen. Nach den Avan­cen seit Sep­tem­ber 2011 gibt es zu vie­le Chan­cen zur Rea­li­sie­rung von Ge­win­nen, die er­grif­fen wer­den dürf­ten, wenn sich die Un­ge­wiss­heit über die wei­te­re Ent­wick­lung die­ser oder je­ner Pest­beu­le in der Welt ver­stärkt. Es gibt aber ein paar Ak­ti­en, die sich trotz­dem als chan­cen­reich prä­sen­tie­ren. Es sind re­la­tiv star­ke Ti­tel, die über län­ge­re Zeit kon­so­li­diert ha­ben und gu­te Aus­sich­ten zu ha­ben schei­nen, die­ses Ge­sche­hen hin­ter sich zu las­sen und sich auf den Weg zu neu­en Höchst­kur­sen zu be­ge­ben.

Nach­fra­ge­qua­li­tät

In ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on be­fin­den sich heu­te die Nest­lé-ak­ti­en. Ab­ge­se­hen vom po­si­ti­ven Trend der re­la­ti­ven Stär­ke und von der bald zwei­jäh­ri­gen Seit­wärts­be­we­gung in­ner­halb ei­ner en­gen Band­brei­te sind aus mei­ner Sicht Kurs- und Um­satz­re­ak­tio­nen auf den Nach­rich­ten­fluss po­si­tiv. Sehr zu be­grüs­sen ist das leich­te Ab­brö­ckeln der Prei­se seit dem Kurs­sprung vom 16. Fe­bru­ar als Re­ak­ti­on auf die gu­ten Nachrichten aus der Un­ter­neh­mens­zen­tra­le. Las­sen Sie es mich noch ein­mal deutsch und deut­lich sa- gen: Auf gu­te Nachrichten kau­fen so­fort nur Lai­en. Wer ein we­nig Er­fah­rung hat, weiss, dass das Ge­sche­hen an den fol­gen­den Ta­gen kri­tisch ist. Ga­lop­pie­ren die Kur­se da­von, ver­lie­ren po­ten­zi­el­le Käu­fer das In­ter­es­se. Sie wen­den sich an­de­ren Ti­teln zu. Es ent­steht ein Nach­fra­ge­va­ku­um, und die Kur­se pur­zeln, selbst wenn der Markt nur das üb­li­che An­ge­bot ab­sor­bie­ren soll­te. Kom­men die Kur­se hin­ge­gen mit we­nig Mo­men­tum und Um­satz zu­rück, ver­rät der Markt die Prä­senz von nicht mo­men­t­umge­trie­be­ner Nach­fra­ge. So wie bei Nest­lé seit dem 16. Fe­bru­ar.

Po­si­tiv ge­la­de­ner Ruck­sack

Seit 2007 hat es meh­re­re An­läu­fe ge­ge­ben, die Mar­ke von 56 Fr. ent­schei­dend zu über­win­den. Sie sind al­le ge­schei­tert. Trotz­dem sind Nest­lé ei­ner von nur 41 Kon­sti­tu­en­ten des DJ Sto­xx Eu­ro 600, die we­ni­ger als 2% un­ter ih­rem je­mals er­reich­ten Höchst­kurs no­tie­ren. Der DJ Sto­xx Eu­ro 600 steht 35% un­ter der im März 2000 er­reich­ten Höchst­mar­ke. Das schafft ex­akt die um­ge­kehr­te Be­trof­fen­heit von der, die ich in der Ko­lum­ne vom 16. No­vem­ber 2011 für die No­var­tis-ak­tie be­schrie­ben ha­be: Es liegt ein po­si­ti­ver so­ge­nann­ter Pri­ming-ef­fekt vor.

Nest­lé N Die Meinung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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