Sa­ra­sin-kos­ten stei­gen

SCHWEIZ Er­trag hält nicht mit – Ab­fluss von Kun­den­gel­dern – Über­nah­me durch Saf­ra Mitte Jahr

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - AR­NO SCHMOCKER

Dass Sa­ra­sin zum ers­ten Mal mehr als 100 Mrd. Fr. Kun­den­ver­mö­gen ver­wal­te­te, war CEO Joa­chim Sträh­le vor Jah­res­frist An­lass, mit ei­nem Glas Cham­pa­gner dar­auf an­zu­stos­sen. Am Don­ners­tag die­ser Wo­che half ihm nur der Sieg des FC Ba­sel über den gros­sen FC Bayern am Vor­abend, et­was gu­te Stim­mung zu ver­brei­ten. Die Zah­len 2011 der Bank er­füll­ten die Er­war­tun­gen nicht.

Dass der Neu­geld­zu­fluss im zwei­ten Halb­jahr spür­bar ab­neh­men wür­de, da­mit war zu rech­nen. Mo­na­te­lang wur­de über die Zu­kunft der Bank bzw. ei­nen neu­en Mehr­heits­ak­tio­när spe­ku­liert. Kaum ein Fi­nanz­ana­lyst aber hat­te ei­nen Ab­fluss von Kun­den­ver­mö­gen in sei­ner Pro­gno­se. So­wohl im Pri­va­te Ban­king, vor al­lem in der Schweiz, wie auch im Ge­schäft mit in­sti­tu­tio­nel­len An­le­gern (As­set Ma­nage­ment) flos­sen im Se­mes­ter net­to Gel­der ab – ein No­vum, seit Sträh­le das Zep­ter von Sa­ra­sin führt (vgl. Bal­ken­gra­fik).

«Neh­men Tem­po auf»

Aus­ser der Un­si­cher­heit we­gen der Be­sitz­ver­hält­nis­se wirk­ten sich die Mitte 2010 be­schlos­se­ne Weiss­geld­stra­te­gie so­wie Vor­be­zü­ge von Kun­den aus Furcht vor ei­ner Erb­schafts­steu­er un­güns­tig aus. Am Ziel, per­for­man­ce­ber­ei­nigt bis 2015 ver­wal­te­te Kun­den­ver­mö­gen von 150 Mrd. Fr. zu er­rei­chen, hält Sa­ra­sin je­doch fest. «Wir neh­men jetzt wie­der Tem­po auf», sag­te Sträh­le. Die Über­nah­me durch die bra­si­lia­ni­sche Saf­ra Bank ha­be «sehr viel neu­en Schwung» in die Bank zu­rück­ge-

Sa­ra­sin N bracht. Um die Vor­ga­be zu er­rei­chen, müss­te die Bank die ver­wal­te­ten As­sets al­ler­dings jähr­lich mehr als 8% stei­gern. Nach­dem im Ak­tio­närs­brief 2011 noch die Aus­sa­ge ent­hal­ten war, «in den nächs­ten Jah­ren» wer­de stei­gen­de Pro­fi­ta­bi­li­tät «höchs­te Prio­ri­tät» ha­ben, scheint die Kon­zern­lei­tung wie­der aufs Gas­pe­dal zu drü­cken. Im Jah­res­ver­lauf sol­len net­to 75 Kun­den­be­ra­ter an­ge­stellt wer­den, ein Wachs­tum von 17%.

Ob sich da­mit die Er­folgs­rech­nung 2012 ver­bes­sern lässt? Tat­sa­che ist, dass sich das Kos­ten-er­trags-ver­hält­nis un­ter Sträh­le ste­tig ver­schlech­tert hat und mitt­ler­wei­le na­he­zu ein Ni­veau er­reicht, das man sich von den Gross­ban­ken ge­wohnt ist. Wie bei der CS ha­ben In­ves­ti­tio­nen bloss den Auf­wand, nicht aber den Er­trag er­höht. Ope­ra­tiv fiel das Er­geb­nis 2011 ent­täu­schend aus (vgl. Kenn­zah­len). Selbst wenn meh­re­re «Son­der­pos­ten» her­aus­ge­nom­men wer­den, wur­den die Markt­er­war­tun­gen ver­fehlt. Es war im Üb­ri­gen zum vier­ten Mal in fünf Jah­ren, dass Sa­ra­sin ein «be­rei­nig­tes» Er­geb­nis vor­leg­te – «ein­ma­li­ge Kos­ten» als Dau­er­zu­stand.

Wohl we­ni­ger Di­vi­den­de

Un­ter dem Strich ging der Ge­winn 22% bzw. «be­rei­nigt» 8% zu­rück. Mit Blick auf den Trend der Schlüs­sel­zah­len gibt ein re­du­zier­tes Ra­ting für Wachs­tum (B statt B+) die Rea­li­tät bes­ser wie­der.

Weil die Über­nah­me der Kon­troll­mehr­heit durch Saf­ra noch nicht ab­ge­schlos­sen ist, wird der ge­sam­te Über­schuss von Sa­ra­sin den Re­ser­ven zu­ge­wie­sen. Ei­ne aus­ser­or­dent­li­che Ge­ne­ral­ver­samm­lung nach der Jah­res­hälf­te wird über die Ver­wen­dung be­stim­men. Laut Fi­nanz­chef Tho­mas Mül­ler soll die bis­he­ri­ge Aus­schüt­tungs­pra­xis von 50% des Jah­res­ge­winns un­ter dem neu­en Ak­tio­när bei­be­hal­ten wer­den. «Fi­nanz und Wirt­schaft» rech­net dem­zu­fol­ge mit ei­ner auf 70 (90) Rp. je Ak­tie re­du­zier­ten Di­vi­den­de für 2011. Selbst wenn sie un­ver­än­dert bleibt, zäh­len Sa­ra­sin nicht zu den aus­ge­spro­che­nen Di­vi­den­den­pa­pie­ren.

Der Marktausblick 2012 sei ge­dämpft, sag­te Sträh­le. Um­so skep­ti­scher stim­men die Ex­pan­si­ons­be­mü­hun­gen. Ein Kauf sind die Sa­ra­sin-ti­tel nicht, so­lan­ge nicht an­satz­wei­se zu er­ken­nen ist, dass die In­ves­ti­tio­nen auch mal ei­ne Ern­te brin­gen. In den nächs­ten Mo­na­ten wird sich der Bör­sen­kurs we­gen des Kauf­an­ge­bots durch Saf­ra oh­ne­hin kaum be­we­gen.

CEO Joa­chim Sträh­le glaubt, dass Sa­ra­sin 2012 «viel neu­en Schwung» er­hal­ten wird.

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