CS und UBS vor schwe­rer Ope­ra­ti­on

Noch klam­mern sich die Schwei­zer Gross­ban­ken ans In­vest­ment Ban­king – Nut­zen frag­lich

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - JAN BAU­MANN

UBS und Cre­dit Suis­se (CS) hän­gen zwar nicht am Li­qui­di­täts­tropf der EZB (vgl. Bei­trag links). Doch den bei­den Schwei­zer Gross­ban­ken geht es al­les an­de­re als gut. Schwer auf dem Ma­gen lie­gen dem Ma­nage­ment – ne­ben dem Us-steu­er­streit – vor al­lem die dra­ko­ni­schen Ei­gen­ka­pi­tal­vor­schrif­ten. Sie er­for­dern es, das In­vest­ment Ban­king mit mas­siv mehr Ka­pi­tal zu un­ter­le­gen als bis­lang. Um die­sen Druck zu lin­dern, bau­en UBS und CS zum ei­nen zu­sätz­li­che Ka­pi­tal­puf­fer auf, zum an­dern tren­nen sie sich von ein­zel­nen be­son­ders ka­pi­tal­in­ten­si­ven Ak­ti­vi­tä­ten wie dem Han­del mit be­stimm­ten Zins­de­ri­va­ten und Hy­po­the­kar­kre­dit­ver­brie­fun­gen. Bei­de In­sti­tu­te ha­ben da­zu am­bi­tio­nier­te Zie­le de­fi­niert.

Die Schlank­heits­kur ist nö­tig, aber nicht hin­rei­chend. Um wirk­lich zu pro­spe­rie­ren, wer­den sich die zwei Kon­zer­ne noch viel kon­se­quen­ter auf ih­re Stär­ken kon­zen­trie­ren müs­sen: ein Pri­va­te Ban­king auf Spit­zen­ni­veau (wenn der­zeit auch zu im Fall CS eher ho­hen Ge­ste­hungs­kos­ten), aus­ser­dem ein An­ge­bot in­ter­na­tio­nal erst­klas­si­ger Di­enst­leis­tun­gen wie et­wa kom­ple­xe Fremd­wäh­rungs­trans­ak­tio­nen, ge­ra­de auch für pro­fes­sio­nel­le In­ves­to­ren und kom­mer­zi­el­le Gross­kun­den.

Ver­steift auf die al­te Stra­te­gie

Bis da­to ha­ben UBS und CS je­doch mit der vom Ma­nage­ment seit Jah­ren pro­pa­gier­ten Ver­zah­nung der Ver­mö­gens­ver­wal­tung mit dem In­vest­ment Ban­king – be­kannt als Stra­te­gie der in­te­grier­ten Bank – nicht über­zeugt. Das be­legt nur schon das lang­fris­ti­ge Kurs­bild (vgl. Chart): Wäh­rend der Swiss Mar­ket In­dex nach zehn Jah­ren im­mer­hin das An­fangs­ni­veau zu­rücker­langt hat, ha­ben UBS per sal­do 65% ein­ge­büsst, CS Group 57% ein. Be­son­ders bit­ter ist die Bi­lanz der UBS. Sie hat im In­vest­ment Ban­king von 2001 bis 2011 un­ter dem Strich na­he­zu 29 Mrd. Fr. Ver­lust ge­schrie­ben. Das UBS Wealth Ma­nage­ment hat der­weil 62 Mrd. Fr. Vor­steu­er­ge­winn ein­ge­spielt.

«Als As­set-ma­na­ger in­ves­tie­re ich erst di­rekt in die Ak­ti­en von UBS und CS, wenn die zwei Ban­ken das in­te­grier­te Ge­schäfts­mo­dell auf­ge­ge­ben ha­ben und der Kon­zern­chef kein In­vest­ment­ban­ker mehr ist», sagt Beat Witt­mann im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Der Grün­der und Chef der Zürcher In­vest­ment­bou­tique Dy­na­part­ners war frü­her An­la­ge­chef der Cs-toch­ter Cla­ri­den Leu und war da- vor für das As­set Ma­nage­ment der UBS tä­tig. Witt­mann weiss aus ei­ge­ner An­schau­ung, wo­von er spricht. Sei­ner Meinung nach müs­sen sich die Gross­ban­ken – hier­zu­lan­de wie in ganz Eu­ro­pa – «nicht nur re­ka­pi­ta­li­sie­ren, son­dern dar­über hin­aus re­di­men­sio­nie­ren und re­po­si­tio­nie­ren».

Be­reits in Gang ist Schritt eins, die Be­schaf­fung zu­sätz­li­cher Ei­gen­mit­tel. Da­bei ist vor Jah­res­frist die CS mit der Aus­ga­be neu­ar­ti­ger, be­ding­ter Zwangs­wan­del­an­lei­hen vor­aus­ge­gan­gen. Die­se so­ge­nann­ten Co­co Bonds der CS mu­tie­ren im Fall von Ka­pi­tal­knapp­heit zu har­tem Kern­ka­pi­tal. Die­ser Ta­ge ist auch Ri­va­lin UBS zur Emis­si­on ver­lust­ab­sor­bie­ren­der Schuld­ver­schrei­bun­gen ge­schrit­ten, um auf die­sem Weg die ri­go­ro­sen Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen von Ba­sel III bes­ser er­fül­len zu kön­nen (vgl. In­ter­view und Ar­ti­kel auf Sei­te 23).

Ka­pi­tal falsch ein­ge­setzt

Ei­gen­ka­pi­tal ist für al­le eu­ro­päi­schen Ban­ken knapp. Doch so be­deut­sam die rund 115 Mrd. € um­fas­sen­de Stär­kung der Ka­pi­tal­kraft ist (sie­he Ku­chen­gra­fik), das Ge­sche­hen – ein­schliess­lich der gross an­ge­leg­ten Li­qui­di­täts­pro­gram­me der EZB – lenkt von der weit grös­se­ren Her­aus­for­de­rung ab, dem Um­bau des Ge­schäfts­mo­dells. «Das In­vest­ment Ban­king der Gross­ban­ken ist nach wie vor klar über­di­men­sio­niert», sagt Witt­mann. Das zu än­dern, wä­re ein zwei­ter wich­ti­ger Schritt.

Mit die­ser Kri­tik ist er nicht al­lein. So be­män­gel­te un­längst Bar­clays-ana­lyst Je­re­my Si­gee in ei­ner Stu­die, in­ner­halb der Ubs-grup­pe wer­de das Ka­pi­tal nicht op­ti­mal auf die Kon­zern­spar­ten ver­teilt, so­dass das In­vest­ment Ban­king de fac­to un­ren­ta­ble Ge­schäf­te wei­ter­füh­re. Durch die Fehlallokation der Mit­tel wer­den teu­er ent­lohn­te In­vest­ment­ban­ker mit dem Er­trag aus bes­ser ar­bei­ten­den Kon­zern­ak­ti­vi­tä­ten quer­sub­ven­tio­niert. Was das in der Pra­xis heisst, hat die UBS im vier­ten Quar­tal 2011 gleich selbst vor­ex­er­ziert: Die 17 256 Mit­ar­bei­ter des In­vest­ment Ban­king (27% des Per­so­nals per En­de De­zem­ber) «pro­du­zier­ten» 256 Mio. Fr. Vor­steu­er­ver­lust. Kein Wun­der, kün­dig­te der neue CEO Ser­gio Er­mot­ti zu­sätz­li­che Kos­ten­kür­zun­gen an. Er­mot­ti will die Bank zwar kla­rer auf das Wealth Ma­nage­ment aus­rich­ten, hält aber am An­spruch fest, auch auf dem Par­ket des In­vest­ment Ban­king – wo er selbst sei­ne Kar­rie­re ge­macht hat – wei­ter­hin vorn mit da­bei zu sein. Das Pos­tu­lat ei­ner kon­se­quen­ten Neu­po­si­tio­nie­rung bleibt so­mit un­er­füllt.

Zehn­jah­res­ver­gleich

Für den eben­falls im In­vest­ment Ban­king gross ge­wor­de­nen Ame­ri­ka­ner Bra­dy Dou­gan, seit bald fünf Jah­ren an der Spit­ze von CS, steht ein Ab­schied des Kon­zerns von Ak­ti­vi­tä­ten wie der Be­ra­tung bei Fu­sio­nen und Über­na­men, der Ak­ti­en­und Ob­li­ga­tio­nen­emis­si­on und den meis­ten Teil­spar­ten des Wert­schrif­ten­han­dels nicht zur Dis­kus­si­on. Da­für taucht in den Me­di­en in letz­ter Zeit häu­fi­ger die Spe­ku­la­ti­on auf, Dou­gan wer­de sich als CEO der CS nicht mehr all­zu lang hal­ten. Wenn ein Gross­bank­chef im In­ter­view mit dem Bou­le­vard­blatt «Sonn­tags­blick» den Ge­dan­ken an ei­nen Rück­tritt ex­pli­zit von sich wei­sen muss, ist das kein son­der­lich ver­trau­ens­er­we­cken­des Si­gnal.

Bank­ak­ti­en rü­cken vor

Un­ab­hän­gig von stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen und per­so­nel­len Fra­gen auf der Chef­eta­ge von UBS und CS hat­ten Fi­nanz­va­lo­ren eu­ro­pa­weit seit der ers­ten Son­der­li­qui­di­täts­in­jek­ti­on der EZB im De­zem­ber ei­nen gu­ten Lauf. Die Er­ho­lung der Bank­ak­ti­en wird wei­ter­ge­hen, ist Dy­na­part­ners-chef Witt­mann über­zeugt. «Im Ver­hält­nis zum Buch­wert sind die Bank­va­lo­ren in den USA und in Eu­ro­pa der­zeit ex­trem güns­tig be­wer­tet», er­klärt er.

Dar­aus er­gibt sich ei­ne Kauf­ge­le­gen­heit. «Der­zeit hebt die Flut al­le Boo­te», meint Witt­mann. Er emp­fiehlt, bei­spiels­wei­se in ei­nen Ban­ken-etf zu in­ves­tie­ren, nicht aber in Ein­zel­wer­te. Al­ler Vor­aus­sicht nach sind die Er­folgs­chan­cen für In­ves­to­ren mit die­sem Re­zept tat­säch­lich be­deu­tend grös­ser als mit dem Kauf der Ak­ti­en von UBS und CS.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.