Der Us-steu­er­streit wird für Ban­ken auf 11er-lis­te teu­rer

SCHWEIZ Nach dem Stän­de­rat be­fasst sich kom­men­de Wo­che der Na­tio­nal­rat mit dem The­ma

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS WYSS

DB­rei­te­re Ba­sis

er Us-steu­er­streit er­fährt auf schwei­ze­ri­scher Sei­te in der kom­men­den Wo­che ei­ne ge­wis­se Klä­rung. Der Na­tio­nal­rat soll in Form ei­nes Bun­des­be­schlus­ses ei­ne Er­gän­zung zum be­ste­hen­den Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men (DBA) ge­neh­mi­gen. Ob da­mit das En­de des Steu­er­strei­tes nä­her rückt, ist al­ler­dings of­fen. Die Ge­fahr be­steht, dass der Streit mit die­sem Vor­ge­hen im End­ef­fekt teu­rer wird als be­fürch­tet.

Im Prin­zip ist der Us-steu­er­streit in we­ni­gen Wor­ten er­klärt: Die USA wol­len wis­sen, wo ih­re steue­run­ehr­li­chen Bür­ger Geld ver­ste­cken. Ins­be­son­de­re geht es um die­je­ni­gen Gel­der, von de­nen sich die UBS un­ter dem Druck der Us-be­hör­den ge­trennt hat und die dann – statt dass sie in den USA de­kla­riert wur­den – wei­ter­hin hin­ter­zo­gen wur­den und bei an­de­ren Schwei­zer Ban­ken ge­lan­det sind. Die Schweiz ist wil­lens, bei der Auf­klä­rung zu hel­fen, so­fern das Recht ein­ge­hal­ten wird. Al­ler­dings wird der recht­li­che Rah­men et­was brei­ter ge­steckt, in­dem mit ei­nem Zu­satz­pro­to­koll zum Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men (in Form ei­nes Bun­des­be­schlus­ses) Grup­pen­an­fra­gen er­mög­licht wer­den sol­len. Zu Be­ginn der Früh­jahrs­ses­si­on soll der Na­tio­nal­rat die­sem Bun­des­be­schluss zu­stim­men, nach­dem der Stän­de­rat dies be­reits in der Win­ter­ses­si­on 2011 ge­tan hat.

Das al­les liest sich ver­gleichs­wei­se schlank. Doch das täuscht. Es gibt ge­fähr­li­che Fall­stri­cke. So hat der An­satz mit dem Bun­des­be­schluss zum Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men ei­nen we­sent­li­chen Nach­teil: Es kön­nen nur Kun­den­in­for­ma­tio­nen für Steu­er­hin­ter­zie­hung ab Un­ter­zeich­nung des Än­de­rungs­pro­to­kolls zum Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit den USA aus dem Jahr 1996, das heisst ab 23. Sep­tem­ber 2009, ge­lie­fert wer­den.

Die­se zeit­li­che Be­schrän­kung wird wohl Aus­wir­kun­gen auf die Hö­he der Bus­se ha­ben, die die Ban­ken zu be­zah­len ha­ben. Im Fall UBS er­fass­ten die 4450 Kun­den­dos­siers den Zei­t­raum ab 2001. Um ne­ben den Straf­zah­lun­gen auch die Steu­er­be­trä­ge ein­for­dern zu kön­nen, füh­ren die ame­ri­ka­ni­schen Be­hör­den nun ge­gen die­se Steu­er­pflich­ti­gen Ver­fah­ren.

Hö­he­re Kos­ten

Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die ame­ri­ka­ni­schen Be­hör­den die Ban­ken für die Steu­ern der Steu­er­hin­ter­zie­her, die nicht mehr ins Recht ge­fasst wer­den kön­nen, zah­len las­sen wer­den. Das könn­te sehr teu­er wer­den. Bis­lang gel­ten die von UBS be­zahl­ten 780 Mio. $ (inkl. Kri­sen­ra­batt) als Bench­mark.

Auch in ei­nem an­de­ren Be­reich gibt es ge­wich­ti­ge Un­ter­schie­de zum UBS-FALL. Im Ubs-ver­trag wa­ren Kun­den, die nur Steu­er­hin­ter­zie­hung, aber kei­nen Steu­er­be­trug be­gan­gen ha­ben, nur dann be­trof­fen, wenn sie ein Kon­to­ver­mö­gen von über 1 Mio. Fr. hat­ten und Ka­pi­tal­ein­künf­te von min­des­tens 100 000 Fr. wäh­rend drei­er Jah­re hin­ter­zo­gen.

Mit dem vor­ge­schla­ge­nen Weg soll die Schwel­le für das Kon­to­ver­mö­gen je­doch auf 50 000 Fr. lie­gen. Die Hö­he der hin­ter­zo­ge­nen Ka­pi­tal­ein­künf­te spielt kei­ne Rol­le. Be­trof­fen ist da­mit qua­si je­der un­ehr­li­che Us-kun­de ei­ner Schwei­zer Bank, der am 23. Sep­tem­ber 2009 dort noch ei­ne Kon­to­be­zie­hung hat­te.

Trotz al­ler Vor­be­hal­te (vgl. auch die bei­den Text­käs­ten auf die­ser Sei­te) wird dem Par­la­ment wohl nichts an­de­res üb­rig blei­ben, als den Bun­des­be­schluss zu ge­neh­mi­gen. Al­ler­dings, und das muss den Ban­ken auf der El­fer­lis­te Sor­gen be­rei­ten, will der Bun­des­rat das «neue» DBA nur dann ra­ti­fi­zie­ren las­sen, wenn die USA zu ei­ner Glo­bal­lö­sung Hand bie­ten wer­den: Ge­gen die Be­zah­lung ei­ner Ablass­zah­lung sol­len die ver­gan­ge­nen Sün­den al­ler Schwei­zer Ban­ken ver­ge­ben sein.

Ganz ab­ge­se­hen da­von, dass die ame­ri­ka­ni­sche Sei­te bis­lang dem Ver­neh­men nach we­nig In­ter­es­se an ei­ner sol­chen Lö­sung si­gna­li­siert hat – ins­be­son­de­re das De­par­te­ment of Justi­ce will die Us-steu­er­sün­der ver­fol­gen und nicht Geld ein­kas­sie­ren –, be­ste­hen recht­li­che Be­den­ken.

Mit Blick auf die kri­mi­nel­len Ma­chen­schaf­ten der ame­ri­ka­ni­schen Kun­den und of­fen­bar auch der Kun­den­be­ra­ter ge­wis­ser Ban­ken ist es sehr pro­ble­ma­tisch, wenn die Schweiz den USA nun vor­wirft, sie wür­den das Schwei­zer Recht miss­ach­ten – und gleich­zei­tig von den USA ver­langt, dass sie in ei­ner sol­chen Glo­bal­lö­sung dar­auf ver­zich­ten, ihr ei­ge­nes Recht an­zu­wen­den, und statt­des­sen al­len Ban­ken, Mit­ar­bei­tern und Kun­den, die noch nicht auf der El­fer­lis­te ste­hen, ei­nen Frei­pass aus­stel­len.

Kei­ne Gleich­be­hand­lung

Da­zu kommt, dass Ab­satz 5 von Ar­ti­kel 47 des Ban­ken­ge­set­zes schwei­ze­ri­sche ge­setz­li­che Vor­schrif­ten vor­be­hält. Der Schwei­zer Ge­setz­ge­ber kann das Bank­ge­heim­nis dann auf­he­ben, wenn dies in sei­nem In­ter­es­se ist. Aus­län­di­sche Staa­ten wer­den be­wusst schlech­ter ge­stellt.

Das kann von aus­län­di­scher Sei­te eben­falls kri­ti­siert und als Le­gi­ti­ma­ti­on für uni­la­te­ra­les Han­deln be­nutzt wer­den. Ar­ti­kel 26 des Oecd-mus­ter­ab­kom­mens will im Üb­ri­gen ge­nau die­se Si­tua­ti­on be­sei­ti­gen, in­dem in- und aus­län­di­sche Be­hör­den grund­sätz­lich gleich be­han­delt wer­den. Dies ent­spricht auch dem mo­der­nen in­ter­na­tio­na­len Ver­ständ­nis von in­ter­na­tio­na­ler Ko­ope­ra­ti­on in Steu­er­fra­gen.

Fa­zit: Das Vor­ge­hen des Bun­des­rats scheint zwar sub­op­ti­mal zu sein. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve scheint es aber nicht zu ge­ben.

Im Na­men der Ge­rech­tig­keit: Das De­par­te­ment of Justi­ce will die Us-steu­er­sün­der ver­fol­gen und nicht Geld ein­kas­sie­ren.

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