Fehl­de­kla­ra­ti­on aus Bern

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ -

Um sich die Zu­stim­mung der Lin­ken zum «neu­en» Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu er­kau­fen (vgl. Text auf die­ser Sei­te), hat sich die Fi­nanz­mi­nis­te­rin der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft be­reit er­klärt, dem Druck der So­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei nach­zu­ge­ben. Künf­tig sol­len Ban­ken ver­pflich­tet wer­den, von ih­ren Kun­den ei­ne Selbst­de­kla­ra­ti­on in Sa­chen Steu­er­ehr­lich­keit zu erlangen.

Die Fi­nanz­mi­nis­te­rin hät­te die­sen Krei­sen im In­ter­es­se und zum Schut­ze des Fi­nanz­plat­zes nicht nach­ge­ben dür­fen. Denn mit Blick auf die par­la­men­ta­ri­sche Be­hand­lung des Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens ist ein in­nen­po­li­ti­scher Kuh­han­del nicht not­wen­dig. Nach­dem sich die Schweiz die Mög­lich­keit ver­baut hat, den USS­teu­er­streit auf Ba­sis der Er­klä­rung zum Ubs-ver­trag – wie dies «Fi­nanz und Wirt­schaft» wie­der­holt an­ge­regt hat – zu lö­sen, ha­ben Par­la­men­ta­ri­er (auch die der SP) gar kei­ne an­de­re Mög­lich­keit, als die nun vor­ge­schla­ge­ne Va­ri­an­te zu wäh­len, ob­wohl das Vor­ge­hen Fall­stri­cke und Ri­si­ken birgt und die Ge­fahr von Prä­ju­di­zi­en be­steht. Aber die­se Krö­te muss das Par­la­ment schlu­cken. Denn die bis­lang elf Ban­ken im Vi­sier der Us-be­hör­den sind dar­auf an­ge­wie­sen, dass sie die ge­for­der­ten An­ga­ben lie­fern dür­fen und die Sa­che zu ei­nem Ab­schluss ge­bracht wer­den kann – auch wenn, so wie die Lö­sung nun auf­ge­gleist ist, die Ban­ken noch viel tie­fer in die Ta­sche grei­fen müs­sen, als bis­lang er­war­tet wur­de.

Aus tak­ti­schen Grün­den ist das Ein­kni­cken ge­gen­über der SP al­so nicht not­wen­dig. In der Sa­che ist die­se Selbst­de­kla­ra­ti­on, wie an die­ser Stel­le be­reits dar­ge­legt, aus ei­ner gan­zen Rei­he von Grün­den ein Fehl­kon­strukt. Die Kun­den wer­den ei­nem Ge­ne­ral­ver­dacht aus­ge­setzt. Die Selbst­de­kla­ra­ti­on passt über­haupt nicht zur Idee der Ab­gel­tungs­steu­er. Sie hilft nicht wei­ter, wenn es um Alt­ver­mö­gen geht. Sie ist mit zu viel Auf­wand ver­bun­den. Und die Ban­ken wer­den zu Ge­hil­fen der Steu­er­be­hör­den. Wenn es dar­um geht, für den Fi­nanz­platz Schweiz so et­was wie ei­ne Weiss­geld­stra­te­gie zu ent­wi­ckeln, dann gibt es da­für nur ei­nen Weg: Die Schweiz soll die in­ter­na­tio­na­len Stan­dards ein­hal­ten und bei de­ren Ent­wick­lung ak­tiv und, so weit wie mög­lich, die ei­ge­nen In­ter­es­sen wah­rend mit­wir­ken. Auf kei­nen Fall aber darf sie über die­se Stan­dards hin­aus­ge­hen, sonst ver­liert sie Ter­rain im hart um­kämpf­ten in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb um mo­bi­les Ka­pi­tal, was nicht oh­ne Aus­wir­kun­gen auf den Wohl­stand und die so­zia­le Wohl­fahrt blie­be. Das soll­te auch der SP klar sein.

Re­dak­tor zur Weiss­geld­stra­te­gie

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