Tel­co-ak­ti­en blei­ben Ge­dulds­spiel

EU­RO­PA Wei­te­re Kos­ten­sen­kun­gen zur Sta­bi­li­sie­rung des Ge­schäfts – Schul­den­ab­bau und Di­vi­den­den­kür­zun­gen schaf­fen Ver­trau­en

Finanz und Wirtschaft - - IMMOBILIEN/TELECOM - DIETEGEN MÜL­LER,

EKei­ne schö­nen Zah­len

ur­opäi­sche Tele­com­ak­ti­en sind ei­ne Ver­su­chung für Va­lue-in­ves­to­ren. Sie lau­fen seit Jah­ren schlecht, ih­re Be­wer­tung ist im his­to­ri­schen Ver­gleich tief, und sie bie­ten dar­über hin­aus für das Nied­rig­zins­um­feld traum­haf­te Di­vi­den­den­ren­di­ten von bis zu 10% oder mehr. Nur: Schon vor zwei Jah­ren wä­re ei­ne sol­che Ein­schät­zung pas­send ge­we­sen. Seit­her ha­ben die Kur­se aber teils noch ein­mal deut­lich Ter­rain preis­ge­ge­ben.

Was sich im Tele­com­sek­tor ab­spielt, ist ei­ne struk­tu­rel­le Um­wäl­zung. Durch die Aus­brei­tung so­zia­ler Netz­wer­ke und die ex­po­nen­ti­ell stei­gen­de Da­ten­nut­zung – von Mensch zu Mensch oder Ma­schi­ne zu Ma­schi­ne – ver­rin­gert sich der An­teil der Ex-mo­no­po­lis­ten an der Wert­schöp­fung im Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­schäft. Die­ser Pro­zess läuft seit zehn Jah­ren und ist be­glei­tet von ei­nem schar­fen Wett­be­werb und Preis­druck. Über­la­gert wird er von tie­fen re­gu­la­to­ri­schen Ein­schnit­ten in die Ta­rif­struk­tur so­wie von der Schul­den­kri­se.

Für die ka­pi­tal­in­ten­si­ve Bran­che, die ho­he Vor­leis­tun­gen im Auf­bau von In­fra­struk­tur ein­ge­hen muss, be­deu­tet dies Un­si­cher­heit – ein Fakt, der in­zwi­schen auch vie­le In­ves­to­ren zer­mürbt. Dies birgt auf der­zei­ti­gen Kurs­ni­veaus Chan­cen. Die Ex-mo­no­po­lis­ten er­zie­len im­mer noch be­acht­li­che Cash­flows und ope­ra­ti­ve Mar­gen – selbst im von der Bran­che als ex­trem schwie­rig be­zeich­ne­ten Jahr 2011. Doch der Wett­lauf von Kos­ten­sen­kungs­mass­nah­men und Um­satz- und Mar­ge­ne­ro­si­on wird auch 2012 an­hal­ten. Des­halb ist das Kur­s­po­ten­zi­al vo­r­erst wei­ter li­mi­tiert. Gut se­hen die Jah­res­ab­schlüs­se 2011 nicht aus, die Deut­sche Te­le­kom, Fran­ce Tele­com, Tele­com Ita­lia, Te­le­fó­ni­ca und Te­le­kom Aus­tria in die­ser Wo­che vor­ge­legt ha­ben. Te­le­fó­ni­ca büss­te im Hei­mat­markt 7,6% Um­satz ein. Deut­sche Te­le­kom rutsch­te im vier­ten Quar­tal we­gen 3,3 Mrd. € Wert­be­rich­ti­gun­gen auf T-mo­bi­le USA und auf süd­eu­ro­päi­sche Be­tei­li­gun­gen in die ro­ten Zah­len. Te­le­kom Aus­tria schrieb 2011 ei­nen Ver­lust – auch we­gen der Hy­per­in­fla­ti­on in Weiss­russ­land. Ri­si­ko­frei ist die Bran­che kei­nes­wegs. Dies spie­geln tie­fe Kurs-ge­winn-ver­hält­nis­se, wo­bei Ex-mo­no­po­lis­ten aus hoch ver­schul­de­ten Län­dern wie Tele­com Ita­lia (7, ge­schätzt für 2012) oder Te­le­fó­ni­ca und Fran­ce Tele­com (8) mit ei­nem Ab­schlag auf Deut­sche Te­le­kom (12) oder Te­le­kom Aus­tria (15) ge­han­delt wer­den.

An der Bör­se wur­den die Ab­schlüs­se mehr­heit­lich gnä­dig auf­ge­nom­men (vgl. Sei­te 33). Spür­bar wur­de in den Prä­sen­ta­tio­nen, dass der Mar­gen­er­halt vor­dring­lich und or­ga­ni­sches Wachs­tum zu er­zie­len ein lang­wie­ri­ges Un­ter­fan­gen ist. ExMo­no­po­lis­ten aus Staa­ten mit un­günsti- ger Schul­den­si­tua­ti­on tun zu­dem al­les, um für Even­tua­li­tä­ten ge­wapp­net zu sein. Sie hal­ten ho­he Li­qui­di­täts­puf­fer, die über ein bis zwei Jah­re hin­weg ei­ne Fi­nan­zie­rungs­klem­me über­brü­cken sol­len. Der Ver­schul­dungs­grad – Net­to­ver­schul­dung im Ver­hält­nis zum Er­geb­nis vor Zin­sen, Steu­ern, Ab­schrei­bun­gen und Wert­be­rich­ti­gun­gen (Ebitda) – soll über­all sin­ken.

Te­le­fó­ni­ca konn­te 2011 die Ver­schul­dung nicht ab­bau­en, 2012 soll der Ver­schul­dungs­grad aber un­ter 2,35 (2011: 2,5) sin­ken. Die Bar­di­vi­den­de für das Fi­nanz­jahr 2012 wird dar­um – wie schon frü­her an­ge­kün­digt – auf 1.30 € je Ak­tie (2010: 1.75 €, 2011: 1.60 €) ge­kürzt. Hin­zu kommt ein Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm im Wert von 0.20 € je Ak­tie. Die Kür­zung ist an­ge­sichts der Ver­schul­dung und des schwie­ri­gen

Deut­sche Te­le­kom Um­felds aber noch zu we­nig am­bi­tio­niert – wei­te­re Schrit­te könn­ten fol­gen. Bes­ser macht es Tele­com Ita­lia. Sie will 2012 auf Ba­sis ei­nes pro­gnos­ti­zier­ten sta­bi­len Ebitda den Ver­schul­dungs­grad von 2,5 auf rund 2,2 und ab 2014 un­ter 2 drü­cken. Die Aus­schüt­tungs­sum­me für das Jahr 2011 wird da­für auf 0,9 (1,1) Mrd. € ge­stutzt. Erst wenn das Schul­den­ab­bau­ziel er­reicht sei, wer­de die Di­vi­den­de wach­sen, sagt die Grup­pe. Die­se Hal­tung schafft Ver­trau­en.

Te­le­kom lei­det in den USA

Fran­ce Tele­com will 2012 den Ver­schul­dungs­grad von 2,1 auf 2 sen­ken. Die Di­vi­den­de wird für 2011 auf Vor­jah­res­ni­veau (1.40 €) be­las­sen, dürf­te aber dem Ma­nage­ment zu­fol­ge 2012 auf 1.21 bis 1.35 €

Um­satz­ent­wick­lung 2011 sin­ken. Die Deut­sche Te­le­kom ih­rer­seits zahlt ei­ne un­ver­än­der­te Di­vi­den­de (0.70 €). Die­se Hö­he sei gut ge­deckt, sag­te der Fi­nanz­vor­stand und er­gänz­te, dies gel­te auch, ob­wohl nach dem ge­platz­ten Ver­kauf der Us-mo­bil­funk­toch­ter nun mehr Geld in den Auf­bau ei­nes Lte-net­zes in den USA in­ves­tiert wird. Da die Te­le­kom in den USA das ipho­ne nicht ver­mark­ten kann, lei­det das Ge­schäft der­zeit mas­siv.

Kaum vor­an kommt der Kon­zern auch in Deutsch­land. Das Ip-tv-an­ge­bot nut­zen nur 1,6 Mio. Kun­den. Um mit Swiss­com mit­hal­ten zu kön­nen, müss­te er im Ver­gleich auf rund 6 Mio. Kun­den kom­men. Dies zeigt das an­hal­ten­de Pro­blem der Te­le­kom, In­no­va­tio­nen er­folg­reich zu ver­mark­ten. Als Tur­naround-wet­te sind Tele­com Ita­lia der­zeit reiz­vol­ler.

Ebitda-mar­ge 2011

Die Ex-mo­no­po­lis­ten hof­fen, sich 2012 mit netz­über­grei­fen­den An­ge­bo­ten (et­wa Live-vi­deo-an­wen­dun­gen via Rich Com­mu­ni­ca­ti­on Sui­te, RCS) neue Er­trags­quel­len zu er­schlies­sen.

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