Schwei­zer Mo­bil­funk-ku­chen neu auf­ge­teilt

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Das gros­se Ge­heim­nis ist ge­lüf­tet: Die Auk­ti­on sämt­li­cher be­ste­hen­der und zu­sätz­li­cher Mo­bil­funk­fre­quen­zen in der Schweiz fand von 6. bis 22. Fe­bru­ar statt. Ein neu­er Play­er trat da­bei nicht zu­ta­ge, es be­tei­lig­ten sich mit Ex-mo­no­po­lis­tin Swiss­com (rund 62% Markt­an­teil) so­wie den Ri­va­len Sun­ri­se und Oran­ge die drei eta­blier­ten An­bie­ter. In&pho­ne aus der West­schweiz er­füll­te die Zu­las­sungs­be­din­gun­gen nicht.

Die Mo­bil­funk­an­bie­ter leg­ten fast 1 Mrd. Fr. für das Spek­trum auf den Tisch, knapp 360 Mio. Fr. mehr, als der Min­dest­preis für das Ge­samt­pa­ket be­trug. Die Fre­quen­zen wer­den schritt­wei­se frei und kön­nen bis 2028 ge­nutzt wer­den. Nicht das ge­sam­te Spek­trum stiess auf In­ter­es­se: Ei­ni­ge Blö­cke im klas­si­schen UMTS-BAND (2100 Me­ga­hertz, MHZ), im Band von 2600 MHZ – für die neue, schnel­le­re Lte-tech­no­lo­gie (Long Term Evo­lu­ti­on) ge­eig­net – und dar­über wur­den nicht ver­ge­ben.

Swiss­com si­cher­te sich für rund 360 Mio. Fr. ei­nen An­teil von 42% an den ver­füg­ba­ren Fre­quenz­bän­dern. Das ent­spricht we­ni­ger als ei­nem Zwölf­tel des ope­ra­ti­ven Er­geb­nis­ses vor Zin­sen, Steu­ern und Ab­schrei­bun­gen (Ebitda) im Jahr 2011. In Sa­chen Mar­ge (40%) lässt das Un­ter­neh­men an­de­re eta­blier­te An­bie­ter in Eu­ro­pa weit hin­ter sich (vgl. Gra­fik oben). Die Kom­bi­na­ti­on aus Auk­ti­ons­tak­tik und kom­for­ta­bler Fi­nanz­la­ge nutzt den Ak­tio­nä­ren: Die Auf­wen­dun­gen ha­ben ge­mäss Swiss­com kei­nen Ein­fluss auf die Di­vi­den­den­po­li­tik. Der Markt­füh­rer er­klär­te, in al­len be­vor­zug­ten Fre­quenz­be­rei­chen zum Zug ge­kom­men zu sein. Da­mit hat Swiss­com gu­te Kar­ten, die star­ke Po­si­ti­on am Markt zu hal­ten.

Ge­mes­sen an der Ge­winn­kraft muss­te Num­mer zwei, Sun­ri­se, deut­lich tie­fer in die Ta­sche grei­fen und zahl­te rund 482 Mio. Fr. für gut ein Vier­tel des Ge­samt­s­pek­trums. Das ist et­was mehr, als das Un­ter­neh­men in den ers­ten neun Mo­na­ten 2011 an Ebitda er­wirt­schaf­te­te (466 Mio. Fr.). Sun­ri­se leg­te nach ei­ge­nem Be­kun­den ei­nen Schwer­punkt auf die tie­fen Fre­quenz­bän­der von 800 und 900 MHZ. Ers­te­re sind für LTE in­ter­es­sant, weil sich da­mit länd­li­che Re­gio- nen gut mit den schnel­len Da­ten­ver­bin­dun­gen ver­sor­gen las­sen. Auch das 900 MHZBand mit dem Gsm-stan­dard – Mo­bil­funk der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on – hat sehr gu­te Ver­brei­tungs­ei­gen­schaf­ten. Deut­lich we­ni­ger gab Oran­ge mit 155 Mio. Fr. für die Fre­quen­zen aus. Der An­bie­ter setz­te bei der Auk­ti­on vor al­lem auf den hö­he­ren 1800MHZ- und 2100-Mhz-be­reich. Der Aus­bau der Ver­bin­dungs­ge­schwin­dig­kei­ten er­folgt mit un­ter­schied­li­chen Ak­zen­ten, vo­r­erst ist Swiss­com bei LTE am fort­ge­schrit­tens­ten.

Für die Ei­gen­tü­mer der bei­den Wett­be­wer­ber, die Fi­nanz­in­ves­to­ren CVC Ca­pi­tal Part­ners und Apax Part­ners, war der Aus­gang der Auk­ti­on mit Blick auf ei­nen spä­te­ren Aus­stieg von Be­deu­tung. Die Hal­te­dau­er liegt in der Pri­va­te-equi­ty-bran­che bei drei bis fünf Jah­ren. Die Stei­ge­rung des Un­ter­neh­mens­werts durch Zu­käu­fe von klei­ne­ren Wett­be­wer­bern oder As­sets ist ei­ne häu­fi­ge Stra­te­gie. Sun­ri­se wech­sel­te be­reits En­de 2010 den Be­sit­zer, der Oran­geVer­kauf wur­de erst in der Vor­wo­che von der Wett­be­werbs­be­hör­de ab­ge­seg­net. Wenn Sun­ri­se die Aus­ga­ben für die Fre­quen­zen ge­winn­brin­gend um­mün­zen kann, dürf­te sich das auch für CVC loh­nen.

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