Ku­dels­kis Plä­ne blei­ben am­bi­ti­ös

SCHWEIZ Tech­no­lo­gie­kon­zern mit Um­satz­rück­gang und Ver­lust – Ak­ti­en sind nicht kau­fens­wert

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - CLAU­DIA CARL

Der Ver­schlüs­se­lungs­spe­zia­list Ku­del­ski hat die Wei­chen 2011 stra­te­gisch neu ge­stellt, ern­tet da­für aber noch kei­ne Früch­te. Viel­mehr muss­te das West­schwei­zer Un­ter­neh­men ei­nen Ver­lust bei rück­läu­fi­gem Um­satz hin­neh­men. Grün­de sind un­vor­teil­haf­te Wäh­rungs­ef­fek­te, De­ves­ti­tio­nen, ein Aus­lau­fen wich­ti­ger Auf­trä­ge – un­ter an­de­rem mit Vir­gin Me­dia – und die Wirt­schafts­kri­se in Sü­d­eu­ro­pa.

Al­lein die Dol­lar- und die Eu­ro­schwä­che be­las­te­ten den Um­satz mit 121,7 Mio. Fr. und das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis mit 46,5 Mio. Fr. Um den Wäh­rungs­ef­fek­ten künf­tig we­ni­ger stark aus­ge­setzt zu sein, hat Ku­del­ski be­reits hun­dert Voll­zeit­stel­len in In­di­en ge­schaf­fen, ei­ne Zahl, die sich im lau­fen­den Jahr ver­dop­peln wird. Das Re­struk­tu­rie­rungs­pro­gramm läuft nach An­ga­ben des Un­ter­neh­mens wie ge­plant, Ein­spa­run­gen von 90 Mio. Fr. sol­len sich 2012 voll ent­fal­ten. Im Be­richts­jahr san­ken die

Ku­del­ski I Kos­ten be­reits um 15,8 Mio. Fr., bei Auf­wen­dun­gen für das Pro­gramm von 9,9 Mio.

Wachs­tum ver­spricht sich das Un­ter­neh­men vor al­lem von auf­stre­ben­den Märk­ten in Asi­en und Latein­ame­ri­ka. An der Di­gi­ta­li­sie­rung der Fern­seh­welt von In­di­en, Ban­gla­desch und Tai­wan möch­te Ku­del­ski mit­ver­die­nen. Noch stammt aber rund die Hälf­te des Um­sat­zes aus dem ge­sät­tig­ten eu­ro­päi­schen Markt. Re­la­tiv spät setzt die Ge­sell­schaft auf die zu­neh­men­de

Un­ter­neh­mens­zah­len Kon­ver­genz von In­ter­net und Fern­se­hen und kann da­mit Auf­trä­ge be­ste­hen­der Kun­den ver­mel­den, die nun auch In­ter­net-tv-pro­jek­te ha­ben, so et­wa Dish/ Echostar und Pri­sa TV. Zu neu­en Ge­schäfts­in­itia­ti­ven zäh­len Cy­ber­se­cu­ri­ty und der Schutz geis­ti­gen Ei­gen­tums.

Auch or­ga­ni­sa­to­risch stellt der Tech­no­lo­gie­kon­zern ei­ni­ges um: Die Spar­ten Di­gi­tal-tv und Midd­le­wa­re & Ad­ver­ti­sing wer­den zu­sam­men­ge­legt, ab 2012 hat das Un­ter­neh­men ne­ben Pu­b­lic Ac­cess da­mit nur noch ein Seg­ment. Neu­er CEO der Ku­del­ski-toch­ter Ski­da­ta wird per 1. Ju­li Hu­go Rohner, der der­zeit noch die fi­nan­zi­el­len Ge­schi­cke der Grup­pe in den USA lenkt. Sein Vor­gän­ger Charles Egli über­nimmt das Vr-prä­si­di­um von Ski­da­ta.

Das Jahr 2012 wird für Ku­del­ski ein wei­te­res Über­gangs­jahr: Das Un­ter­neh­men stellt ei­nen Um­satz von 830 bis 850 Mio. Fr. so­wie ei­nen Be­triebs­ge­winn von 35 bis 50 Mio. Fr. in Aus­sicht, vor Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten. Wir rech­nen mit ei­nem schma­len Ge­winn von 0.05 Fr. je Ak­tie. Der­zeit ist schwer ab­zu­schät­zen, wie er­folg­reich Ku­del­ski künf­tig sein wird. Der Markt für Zu­gangs- und Ver­schlüs­se­lungs­lö­sun­gen rund um das In­ter­net-fern­se­hen wird be­reits von vie­len Sei­ten be­ackert. Da­zu zäh­len Her­stel­ler von Si­cher­heits­soft­ware, Con­tent-pro­vi­der und Netz­werk­be­trei­ber (vgl. FUW Nr. 3 vom 11. Ja­nu­ar).

Die Di­vi­den­de soll 0.10 Fr. je In­ha­ber­ak­tie be­tra­gen, nach 0.30 Fr. im Vor­jahr. Der Ak­ti­en­kurs macht schon seit län­ge­rem kei­ne Sprün­ge mehr. Die Ti­tel no­tie­ren knapp un­ter Buch­wert, das Kurs-ge­winn-ver­hält­nis liegt für 2012 bei ex­or­bi­tan­ten 150. We­gen der un­kla­ren Per­spek­ti­ven sind die Va­lo­ren nicht kau­fens­wert.

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