Mi­cro­nas auf Kurs

SCHWEIZ Der Chip­her­stel­ler hält Mar­gen sta­bil – Neue Ge­schäfts­fel­der brau­chen Zeit

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - FRANK HEINIGER

Die tra­gi­schen Er­eig­nis­se in Ja­pan ha­ben Mi­cro­nas zwar in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen, aber nicht aus der Spur ge­wor­fen. Das be­le­gen die Jah­res­zah­len 2011 des Chip­kon­zerns deut­lich. An der Bi­lanz­pres­se­kon­fe­renz fiel das Wort «stolz» denn auch meh­re­re Ma­le. Stolz sei man et­wa, die Ebit-mar­ge trotz al­ler Wid­rig­kei­ten auf 13% ge­hal­ten zu ha­ben. Die­ser so­li­den Ent­wick­lung zum Trotz: Ei­ne Ak­ti­en­in­ves­ti­ti­on in Mi­cro­nas drängt sich zur­zeit nicht auf.

Dass der Um­satz ge­gen­über dem Vor­jahr um rund 17% sank (vgl. Ta­bel­le), ist auf die be­wuss­te De­ves­ti­ti­on im Con­su­mer-ge­schäft so­wie auf den star­ken Fran­ken zu­rück­zu­füh­ren. Im Kern­seg­ment Au­to­mo­ti­ve konn­te der Um­satz hin­ge­gen um 3% er­höht wer­den, so­fern man den Wäh­rungs­ein­fluss her­aus­rech­net.

Nicht nur Hall und Rauch

Die zen­tra­le Pro­dukt­fa­mi­lie von Mi­cro­nas blei­ben die Hall-sen­so­ren, die den nach Ed­win Hall be­nann­ten Ef­fekt zur Mes­sung von Ma­gnet­fel­dern nut­zen. In Au­to­mo­bi­len wer­den sie in di­ver­sen Va­ri­an­ten ein­ge­setzt und kön­nen Pa­ra­me­ter wie Win­kel, Dis­tanz, Druck oder Be­we­gung be­stim­men. Ih­re Stär­ke liegt vor­nehm­lich dar­in, durch die be­rüh­rungs­lo­se Mes­sung we­ni­ger an­fäl­lig auf Ver­schleiss zu sein.

Mi­cro­nas muss zu­gu­te ge­hal­ten wer­den, in wei­te­re at­trak­ti­ve Ge­schäfts­be­rei­che vor­zu­drin­gen – auch wenn da­für 2011 die For­schungs- und Ent­wick­lungs­aus­ga­ben auf rund 18% des Um­sat­zes aus­ge­wei­tet wur­den. Bis die Saat auf­geht,

Mi­cro­nas N braucht es al­ler­dings Zeit. Der viel­ver­spre­chen­de Schritt in die Gas­sen­so­rik – et­wa für Feu­er­mel­der oder zur Lo­ka­li­sie­rung von Gas­lecks – wird vo­r­erst kei­nen be­deu­ten­den Um­satz­bei­trag leis­ten. Im­mer­hin dürf­ten ge­mäss CEO Mat­thi­as Bopp noch im lau­fen­den Jahr ers­te End­pro­duk­te im Markt er­schei­nen, die mit der My­sen­sLö­sung von Mi­cro­nas aus­ge­rüs­tet sind.

Vo­r­erst bleibt der Ge­schäfts­er­folg des­halb aus­schliess­lich von der Ent­wick­lung im Au­to­markt ab­hän­gig. Hier herr­sche zwar kei­ne Eu­pho­rie wie noch 2010, aber auch kei­ne Angst, er­klär­te Bopp. Man rech­ne für die nächs­ten Jah­re mit ei­nem Stück­wachs­tum von rund 6% (per an­num). Gleich­zei­tig pro­fi­tie­re man wei­ter­hin da­von, dass der Elek­tro­nik- und Sen­sor­ge­halt pro Fahr­zeug ste­tig zu­nimmt.

Bal­di­ges En­de der Kurz­ar­beit

Für das ers­te Halb­jahr 2012 stellt Mi­cro­nas ei­nen Um­satz von 80 bis 82 Mio. Fr. bei ei­ner sta­bi­len Ebit-mar­ge von rund 13% in Aus­sicht. Das sei bes­ser, als es auf den ers­ten Blick er­schei­nen mö­ge, er­klär­te das Ma­nage­ment, da man im Con­su­mer-

Un­ter­neh­mens­zah­len Ge­schäft wei­ter de­ves­tie­re. Auf ei­ne gu­te Ent­wick­lung hofft auch die Be­leg­schaft: Noch im­mer wird in ein­zel­nen Be­rei­chen Kurz­ar­beit ge­leis­tet. Bopp schätzt, im zwei­ten Quar­tal zur Voll­be­schäf­ti­gung zu­rück­zu­keh­ren – vor al­lem wenn man die Aus­las­tung der Fer­ti­gungs­wer­ke von zur­zeit 80% wei­ter er­hö­hen kön­ne.

Ei­ne fi­nan­zi­el­le Be­las­tung hat Mi­cro­nas der­weil end­lich ab­ge­streift: Die Be­tei­li­gung an Tri­dent Mi­cro­sys­tems, die man we­gen ei­ner Sperr­frist län­ger als ge­wollt hal­ten muss­te, konn­te man im vier­ten Quar­tal 2011 voll­stän­dig ver­äus­sern. Kei­ne Wo­che zu früh, ging die Us-ge­sell­schaft doch An­fang Ja­nu­ar in den Bank­rott.

Auf Ba­sis un­se­rer Ge­winn­schät­zung von 0.45 Fr. pro Ak­tie wer­den Mi­cro­nas für 2012 mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) von 21 ge­han­delt. An­ge­sichts des schwer ein­schätz­ba­ren Er­folgs der neu­en Ge­schäfts­fel­der drängt sich ein Kauf zur­zeit nicht auf. Als Al­ter­na­ti­ve kommt In­fi­ne­on Tech­no­lo­gies in Fra­ge (vgl. FUW Nr. 100 vom 17. De­zem­ber), die ei­ne Neu­aus­rich­tung er­folg­reich ab­ge­schlos­sen hat. Mit ei­nem KGV 2012 von 18 sind die Ti­tel al­ler­dings auch nicht mehr güns­tig.

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