Ein Sport­cou­pé fürs klei­ne Bud­get

FAHR­BE­RICHT Mit dem Ge­ne­sis Cou­pé bie­tet Hy­un­dai ei­nen preis­wer­ten 2+2-Sit­zer mit Heck­an­trieb an – Kos­ten­druck ist spür­bar – Test der Ver­si­on mit V6-mo­tor

Finanz und Wirtschaft - - AUTOMOBIL - DS

Sport­cou­pés sind be­liebt. Sport­cou­pés sind se­xy. Sport­cou­pés sind Image­trä­ger für die Au­to­her­stel­ler und Aus­druck ei­nes Le­bens­ge­fühls für die stol­zen Be­sit­zer. Lan­ge Zeit wa­ren ver­schie­de­ne güns­ti­ge Flit­zer im An­ge­bot, vor­wie­gend aus Asi­en, aber auch aus Eu­ro­pa; sport­lich ge­stal­te­te Zwei­tü­rer mit lan­gen Hau­ben und Heck­an­trieb, kei­ne rich­ti­gen Sport­wa­gen zwar, aber na­he dran und des­halb enorm cool.

Dann wech­sel­te der Zeit­geist – vor­wie­gend bei den Her­stel­lern, we­ni­ger bei den Kun­den. Die Mo­del­le müs­sen heu­te mo­du­lar ge­baut wer­den, um Sy­ner­gi­en zu nut­zen und Kos­ten zu spa­ren; da ha­ben heck­ge­trie­be­ne Cou­pés kaum mehr Platz im An­ge­bot. Zu­dem steht heu­te im Au­to­bau der Co2-aus­stoss an obers­ter Stel­le der Prio­ri­tä­ten­lis­te, so­mit sind Emo­tio­na­li­tät und der Spass am Au­to­mo­bil in den Hin­ter­grund ge­rückt. Ent­spre­chend ist es ei­ne Wohl­tat, dass ver­schie­de­ne Her­stel­ler wie­der den Mut ha­ben, sol­che Fahr­zeu­ge auf den Markt zu brin­gen. To­yo­ta und Su­ba­ru lan­cie­ren in Zu­sam­men­ar­beit je ei­nen heck­ge­trie­be­nen Zwei­tü­rer, und Hy­un­dai, der seit 1996 zwar ein güns­ti­ges, aber front­ge­trie­be­nes Cou­pé mit halb­her­zi­gen Mo­to­ren an­bie­tet, hat nun eben­falls ei­nen rein­ras­si­gen Play­er in die­sem Seg­ment: das Ge­ne­sis Cou­pé mit Front­mo­tor, Heck­an­trieb so­wie Tur­bo- oder V6-mo­tor. Wir ha­ben das Top­mo­dell 3.8 V6 ge­tes­tet.

Wie­so so um­ständ­lich?

Das De­sign des Ge­ne­sis ist klar auf Sport­lich­keit ge­trimmt. Klas­si­sche Cou­pé-pro­por­tio­nen – kur­ze Über­hän­ge, ei­ne ge­schwun­ge­ne Dach­li­nie, brei­te Spur, lan­ger Rad­stand – so­wie ein auf­fal­len­der Flü­gel am Heck, ein bö­ser Blick und zwei in die Heck­schür­ze in­te­grier­te, tra­pez­för­mi­ge En­d­roh­re ver­lei­hen dem Ko­rea­ner äus­ser­lich ei­ne gu­te Por­ti­on Dy­na­mik.

Der In­nen­raum wirkt a pri­ma vis­ta ge­fäl­lig: Le­der­sit­ze, teil­au­to­ma­tisch ver­stell­bar und gu­ten Sei­ten­halt bie­tend, sport­li- che Rund­in­stru­men­te und ei­ne über­sicht­li­che Mit­tel­kon­so­le prä­gen das Bild. Auch die Qua­li­tät scheint zu stim­men – na­tür­lich kann der Hy­un­dai Ge­ne­sis dies­be­züg­lich nicht mit Pro­duk­ten deut­scher Her­stel­ler ver­g­li­chen wer­den. Scha­de ist je­doch, dass die Ko­rea­ner bei der Be­die­nung der In­stru­men­te schein­bar kei­nen ge­stei­ger­ten Wert auf Ge­fäl­lig­keit ge­legt ha­ben: Die viel zu klei­nen, fum­me­li­gen Tas­ten am In­fo­tain­ment­sys­tem (von Pioneer) sind schlicht ei­ne Zu­mu­tung, ge­nau­so die teil­wei­se klei­nen Be­di­en­fel­der auf dem Touch­screen; die ver­schach­tel­te Me­nü­füh­rung ist eben­falls al­les an­de­re als be­nut­zer­freund­lich.

Auch an­dern­orts macht sich der Kos­ten­druck im ko­rea­ni­schen Au­to­mo­bil­bau be­merk­bar: So gibt es bei­spiels­wei­se kei­nen Tipp­b­lin­ker, die Sitz­hei­zung hat nur ei­ne Stu­fe – heiss –, und auf ei­ne di­gi­ta­le Ta­cho­an­zei­ge wur­de ver­zich­tet, ob­wohl die un­über­sicht­li­che Ska­lie­rung des Ta­chos ei­ne sol­che wün­schens­wert macht. Dort, wo Pre­mi­um­her­stel­ler ein gut sicht­ba­res In­fodis­play po­si­tio­nie­ren – näm­lich pro­mi­nent zwi­schen den Rund­in­stru­men­ten –, hat der Hy­un­dai eben­falls ein gros­ses An­zei­ge­feld; die­ses ist je­doch aus­schliess­lich für Warn­leuch­ten re­ser­viert, die man ja mög­lichst sel­ten se­hen will. Ein wei­te­res In­diz für die kos­ten­spa­ren­de Bau­wei­se, falls man denn noch ei­nes sucht, ist die grob­schläch­ti­ge (und platz­rau­ben­de) Au­to­ma­tik­ku­lis­se.

Doch ge­nug ge­nör­gelt – und ab auf die Stras­se. So­fort fällt der ker­ni­ge Klang des V6-ben­zi­ners auf, dem al­les an­de­re als Zu­rück­hal­tung ge­lehrt wur­de; un­ter Voll­last im ho­hen Dreh­zahl­be­reich kann er in­des auch mal et­was auf­dring­lich wir­ken. Auch das straff ab­ge­stimm­te Fahr­werk macht schon auf den ers­ten Me­tern klar, dass hier ein Sport­cou­pé ge­fah­ren wird: Fast schon kom­pro­miss­los hart rum­pelt der Ko­rea­ner über Une­ben­hei­ten im Stras­sen­be­lag, gibt man­che Schlä­ge schein­bar un­ge­fil­tert an die Pas­sa­gie­re wei­ter. Da­für liegt er in schnel­ler Kur­ven­fahrt auch ent­spre­chend satt auf dem As­phalt und ver­mit­telt stets ein sport­li­ches Fahr­ge­fühl.

Sport­lich sind auch die Schalt­wip­pen am Lenk­rad, mit de­nen das op­tio­na­le Sechs­gang­au­to­ma­tik­ge­trie­be (2500 Fr.) ma­nu­ell be­dient wer­den kann. Lei­der gibt es auch hier ei­nen Man­gel: Um da­mit schal­ten zu kön­nen, muss zu­erst der Au­to­ma­tik­wähl­he­bel in die ma­nu­el­le Gas­se ge­drückt wer­den – ein spon­ta­nes Ein­grei­fen über die Wip­pen wird so­mit ver­un­mög­licht. Oh­ne­hin passt die et­was trä­ge agie­ren­de Au­to­ma­tik nicht so recht zum pu­ris­tisch-sport­li­chen Cha­rak­ter des Ko­rea­ners; ich wür­de auf je­den Fall das ma­nu­el­le Sechs­gang­ge­trie­be vor­zie­hen.

Gut ge­rüs­tet

Das Fah­ren im Hy­un­dai Ge­ne­sis Cou­pé macht hin­ge­gen rich­tig Spass. Der kom­pak­te Heck­trieb­ler stürmt gie­rig von Kur­ve zu Kur­ve, die Len­kung ist an­ge­nehm di­rekt, ihr Feed­back könn­te prä­zi­ser sein. Der 3,8-l-v6-ben­zi­ner mit ei­ner Leis­tung von 223 kw/303 PS bei 6000 U/min und ei­nem ma­xi­ma­len Dreh­mo­ment von 361 Nm bei 4700 U/min hängt wil­lig am Gas und be­schleu­nigt den Ge­ne­sis in 6,4 s von 0 auf 100 km/h so­wie zu ei­ner elek­tro­nisch be­grenz­ten Höchst­ge­schwin­dig­keit von 240 km/h ( Werks­an­ga­ben). Ge­mes­sen an die­sen Leis­tungs­da­ten ist der von uns er­mit­tel­te Durch­schnitts­ver­brauch von 13,5 l/100 km ak­zep­ta­bel; vor­bild­lich ist er in­des nicht.

Der Hy­un­dai Ge­ne­sis Cou­pé ist ein spas­si­ges Sport­cou­pé für das klei­ne Bud­get. Ob­wohl hier und da der Kos­ten­druck spür­bar ist und das Fahr­ver­hal­ten we­nig har­mo­nisch wirkt, wird die­se sym­pa­thi­sche Mi­schung aus Heck­an­trieb, leis­tungs­star­kem Sechs­zy­lin­der­mo­tor und sport­li­chem De­sign vie­le An­hän­ger fin­den. Ab 40 890 Fr. ist die von uns ge­fah­re­ne V6-ver­si­on er­hält­lich – da­mit ist Hy­un­dai gut ge­rüs­tet ge­gen die kom­men­de Kon­kur­renz aus Ja­pan.

Der Hy­un­dai Ge­ne­sis Cou­pé fährt sich so sport­lich, wie er aus­sieht. Der güns­ti­ge Kauf­preis for­dert leich­te Ab­stri­che bei Kom­fort, Be­nut­zer­freund­lich­keit und Ver­brauch.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.