Spa­ren auf Ame­ri­ka­nisch

FAHR­BE­RICHT Der Ca­dil­lac Es­ca­la­de wird dank Par­al­lel­hy­brid­an­trieb auch für Eu­ro­pa in­ter­es­sant – Lu­xus in Hül­le und Fül­le – In­ner­orts er­staun­lich tie­fer Ver­brauch

Finanz und Wirtschaft - - AUTOMOBIL - DA­VE SCHNEI­DER

AGut ge­löst

ls wir im Früh­ling 2008 den Ca­dil­lac Es­ca­la­de 6.2 Sport Lu­xu­ry tes­te­ten, war das Fa­zit zwei­ge­teilt: Der rie­si­ge Lu­xus-suv hat un­be­strit­ten sei­ne Qua­li­tä­ten und ist hier­zu­lan­de ge­ra­de­zu ei­ne Ex­klu­si­vi­tät, an­de­rer­seits passt er mit sei­nen gi­gan­ti­schen Ab­mes­sun­gen und ei­nem Durch­schnitts­ver­brauch von na­he­zu 20 l/ 100 km nicht in die heu­ti­ge Zeit. Dies be­kam ich auch wäh­rend der Test­fahr­ten zu spü­ren, wa­ren doch ne­ben po­si­ti­ven Re­ak­tio­nen auch im­mer wie­der of­fe­ne An­fein­dun­gen von Pas­san­ten zu er­le­ben.

Es wur­de Zeit für Ca­dil­lac, zu re­agie­ren. Ei­ner­seits ist das Eu­ro­pa­ge­schäft mas­siv un­ter Druck, ha­ben die Ame­ri­ka­ner doch we­der Klein­wa­gen noch Die­sel­mo­to­ren im An­ge­bot; auch sie müs­sen sich den ri­go­ro­sen Co2-grenz­wer­ten beu­gen. An­de­rer­seits sind auch im Heim­markt USA spar­sa­me Ge­fähr­te im­mer mehr en vogue – folg­lich ent­stand der Es­ca­la­de Hy­brid, der ge­mäss Her­stel­ler mit nur mehr 11,1 l/100 km resp. 264 g Co2/km aus­kom­men soll. Ob die­se Wer­te rea­lis­tisch sind, muss­te der Hü­ne in un­se­rem Fahr­test be­wei­sen. Ich ge­be zu, ich war äus­serst skep­tisch. Ein Hy­brid­an­trieb ist nur dann sinn­voll, wenn das Fahr­zeug mehr­heit­lich in­ner­orts ge­fah­ren wird, und mit ei­ner Län­ge von 5,14 m, ei­ner Brei­te von 2,01 m so­wie ei­ner Hö­he von 1,89 m ist der Es­ca­la­de al­les an­de­re als ein Stadt­wa­gen. Auch hat die Hy­bridver­si­on we­gen der (un­ter der zwei­ten Sitz­rei­he an­ge­brach­ten) Bat­te­ri­en und der zu­sätz­li­chen Elek­tro­nik mar­kant an Ge­wicht zu­ge­legt: Das Leer­ge­wicht nahm im Ver­gleich zur Ver­si­on mit rei­nem Ver­bren­nungs­mo­tor um 200 auf 2780 kg zu. Macht die­se An­triebs­art al­so Sinn, oder ist der Es­ca­la­de Hy­brid ein rei­nes Pr-werk­zeug?

Schon das ers­te Los­fah­ren hat mich er­staunt. Das laut­lo­se Star­ten und elek­tri­sche «Da­von­sur­ren» bin ich mir von an­de­ren Hy­bridfahr­zeu­gen ge­wohnt, doch der Es­ca­la­de bleibt auf­fal­lend lan­ge im rei­nen Elek­tro­mo­dus, selbst wenn das Gas­pe­dal mal et­was kräf­ti­ger ge­tre­ten wird. Auch scheint die Ni­ckel-me­tall­hy­drid-bat­te­rie über deut­lich grös­se­re Res­sour­cen als die meis­ten an­de­ren Hy­brid-suv zu ver­fü­gen: Trotz sehr um­fang­rei­cher Lu­xus­aus­stat­tung schal­tet der Sie­ben­plät­zer im Still­stand zu­ver­läs­sig den Ver­bren­nungs­mo­tor ab und fährt im re­gel­mäs­si­gen Da­hin­rol­len eben­falls sehr oft rein elek­trisch – das hat Ca­dil­lac gut ge­löst.

Na­tür­lich wer­kelt auch in der Hy­bridver­si­on ein gross­vo­lu­mi­ger Acht­zy­lin­der un­ter der aus­la­den­den Es­ca­la­de-hau­be: Ein 6-l-v8-ben­zi­ner mit ei­ner Leis­tung von 248 kw/337 PS und ei­nem ma­xi­ma­len Dreh­mo­ment von 495 Nm. Der Clou da­bei: Im mo­de­ra­ten Fahr­be­trieb läuft der Vor­tec-v8 nur auf vier Zy­lin­dern, was den Ver­brauch er­heb­lich re­du­ziert. An­stel­le der her­kömm­li­chen Wand­ler­au­to­ma­tik sind zwei Elek­tro­mo­to­ren mit je 60 kw Leis­tung und 320 Nm Dreh­mo­ment plat­ziert, die je nach Fahr­si­tua­ti­on un­ter­stüt­zend oder al­lein an­trei­bend zum Ein­satz kom­men. Die Kraft­ver­tei­lung re­gelt ein stu­fen­lo­ses Ge­trie­be, der Kraft­fluss kann auf dem gros­sen Mo­ni­tor in der Mit­tel­kon­so­le be­ob­ach­tet wer­den. Über ei­nen Dreh­reg­ler kann ma­nu­ell von rei­nem Heck­an­trieb auf au­to­ma­ti­sche An­triebs­ver­tei­lung oder per­ma­nen­ten All­rad­an­trieb um­ge­schal­tet wer­den. Für den Of­f­road-ein­satz steht ein Mo­dus mit Ge­trie­be­un­ter­set­zung zur Ver­fü­gung.

Ei­ne Über­le­gung wert

Die Fra­ge, ob sich die­se auf­wen­di­ge Hy­brid­tech­nik nun in ei­nem rie­si­gen, schwe­ren Lu­xus-suv lohnt, kann nach aus­gie­bi­gen Test­fahr­ten klar be­ant­wor­tet wer­den: Jein! Ei­ner­seits sind die Ver­brauch­sein- spa­run­gen enorm: Wir ver­brauch­ten im Schnitt 13 l/100 km, was im Ver­gleich zur her­kömm­li­chen Ver­si­on ein be­acht­li­cher Fort­schritt ist. An­de­rer­seits wird die­ser Wert nur er­reicht, wenn der Es­ca­la­de viel in der Stadt oder im Stop-and-go-ver­kehr ein­ge­setzt wird, aus­ser­orts wirkt sich das Mehr­ge­wicht nach­tei­lig auf den Ver­brauch aus. Letzt­lich ent­schei­det al­so die in­di­vi­du­el­le Ein­satz­art, ob sich die Hy­bridver­si­on lohnt – der Es­ca­la­de-käu­fer soll­te sie aber auf je­den Fall in Be­tracht zie­hen.

Der sehr um­fang­reich aus­ge­stat­te­te Ca­dil­lac Es­ca­la­de Hy­brid ist ab 130 982 Fr. er­hält­lich und kos­tet so­mit rund 22 000 Fr. mehr als das Ba­sis­mo­dell.

Der Ca­dil­lac Es­ca­la­de ist hier­zu­lan­de we­gen sei­ner Grös­se ein Exot. Dank Un­ter­stüt­zung zwei­er E-mo­to­ren

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