Künf­ti­ger Eu­ro­wert hängt von der LTRO ab

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - JR

Gio­van­ni Staunovo von UBS be­grün­det die Pro­gno­sen für das meist­ge­han­del­te Wäh­rungs­paar – in drei Mo­na­ten 1.25, in sechs Mo­na­ten 1.34, in ei­nem Jahr 1.45 $/€ (vgl. Gra­fik) – mit zwei wei­te­ren Zins­sen­kun­gen der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank EZB. Eben­so auf dem Eu­ro las­ten wür­den die fran­zö­si­schen Wah­len, wo der Aus­gang un­ge­wiss sei. «Mass­ge­bend ist je­doch, wie die Long Term Re­fi­nan­cing Ope­ra­ti­on LTRO der EBZ nächs­te Wo­che über die Büh­ne geht. Soll­te sie im Rah­men der Er­war­tun­gen lie­gen, kann es sein, dass die EZB kei­ne wei­te­ren Zins­sen­kun­gen vor­nimmt», er­läu­tert der De­vi­sen­ex­per­te. Dann wer­de kei­ne Ab­wer­tung auf die pro­gnos­ti­zier­ten 1.25 $/€ statt­fin­den.

Für Fran­ken-eu­ro wer­de die Un­ter­gren­ze auf 1.20 Fr./€ wei­ter gel­ten, ist Staunovo über­zeugt. In­ter­es­sant sei, dass – ob­schon der Eu­ro zum Dol­lar fes­ter no­tie­re – sich das nicht im Ver­hält­nis zum Fran­ken nie­der­schla­ge. Grund sei wohl die Mel­dung der Schwei­ze­ri­schen Na­tio­nal­bank SNB von ver­gan­ge­ner Wo­che, der neue Prä­si­dent wer­de erst im April be­kannt­ge­ge­ben. Dies sei pro­ble­ma­tisch.

Fran­ken äh­nelt Yen

Ul­rich Leucht­mann von Com­merz­bank hält den Eu­ro der­zeit für gut un­ter­stützt – das Hilfs­pa­ket für Grie­chen­land sei durch, der glo­ba­le Ri­si­ko­ap­pe­tit neh­me wie­der zu, die Ren­di­ten der Eu­ro­zo­ne-pe­ri­phe­rie­staa­ten hät­ten sich er­holt. «Wir be- fürch­ten aber, dass nach der zwei­ten Dreijah­res-ltro der EZB der Ef­fekt wie­der nach­lässt.» Der Ex­per­te be­grün­det dies mit schwie­ri­gen Schrit­ten auf dem Weg zum hel­le­ni­schen Bailout: Es dro­he ein Aus­fall­ra­ting von S&P. Und wenn die Zwangs­voll­zugs­klau­seln ge­zo­gen wür­den, gel­te dies auch für den De­ri­vat­händ­ler­ver­band Isda als De­fault. Das be­las­te in den nächs­ten Ta­gen und Wo­chen den Eu­ro. Von den USA er­war­tet Leucht­mann noch­mals ei­ne quan­ti­ta­ti­ve Lo­cke­rung, was der Ge­mein­schafts­wäh­rung Auf­trieb ver­schaf­fen kön­ne. Letzt­lich über­wö­gen aber die Eu­ro-be­las­tungs­fak­to­ren.

Für den Eu­ro zum Fran­ken be­deu­te dies, dass die No­tie­rung na­he der Un­ter­gren­ze blei­be. Leucht­mann pro­gnos­ti­ziert erst spät im lau­fen­den Jahr ei­nen Kurs­an­stieg der Ein­heits­wäh­rung. Er ver­gleicht die Si­tua­ti­on mit Dol­lar-yen – auch hier sei mit Ein­grif­fen zur Schwä­chung der ja­pa­ni­schen Va­lu­ta ge­droht wor­den, es ha­be eben­falls ei­ne Un­ter­gren­ze exis­tiert. Aber ei­ne Be­we­gung nach oben ha­be erst zu dem Zeit­punkt statt­ge­fun­den, in dem der Ri­si­ko­ap­pe­tit in hin­rei­chen­dem Mas­se zu­rück­ge­kom­men sei. Das gel­te auch für Fran­ken-eu­ro. Aber die Eu­ro­zo­n­en­kri­se wer­de noch ei­ne Wei­le be­schäf­ti­gen.

Die Ex­per­ten von Cre­dit Suis­se be­grün­den die Nä­he des Eu­ros zur Un­ter­gren­ze mit der sin­ken­den Zins­dif­fe­renz. Der Dreimo­nats-eu­ri­bor ha­be sich von 1,3% En­de 2011 auf un­ter 1% re­du­ziert. Eben­so spie­le die Wi­der­stands­fä­hig­keit der Schwei­zer Zin­sen ei­ne Rol­le: Der an­ge­streb­te Dreimo­nats-li­bor der SNB sei von 0,055% auf 0,085% ge­stie­gen. Dies er­schei­ne zwar ver­nach­läs­sig­bar, sei aber ei­ne un­güns­ti­ge Ent­wick­lung an­ge­sichts der feh­len­den ak­kom­mo­da­ti­ven Hal­tung der SNB hin­sicht­lich ei­ner Eu­ro­ab­schwä­chung. An­de­rer­seits, vor dem Hin­ter­grund der LTRO der EZB, könn­ten die Be­stre­bun­gen der SNB um ei­nen schwä­che­ren Fran­ken deut­li­che­re Si­gna­le in Be­zug auf die Li­qui­di­tät er­for­dern. An­sons­ten blei­be das Auf­wärts­po­ten­zi­al Fran­ken-eu­ro be­grenzt.

Pe­so und Loo­nie mit Fran­ken

Im No­vem­ber 2011 hat Gold­man Sachs als Top Tra­de 2012 den Kauf von Eu­ro ge­gen Fran­ken emp­foh­len. Da­mals han­del­te das Paar auf 1.23 Fr./€, der­zeit auf 1.21 Fr./€. Da­mit trägt die­se Po­si­ti­on ei­nen Ver­lust von 2%. Doch das könn­te sich – be­son­ders nach­dem das Pro­blem Grie­chen­land ge­löst zu sein scheint – schnell in ei­nen Ge­winn ver­wan­deln. Gold­man Sachs emp­fiehlt des­halb wei­ter­hin Lon­gEu­ro-fran­ken mit ei­nem Ziel von 1.35 Fr./€. Zu­dem wird ei­ne hö­he­re Un­ter­gren­ze von 1.30 Fr./€ pro­gnos­ti­ziert.

Bar­clays emp­fiehlt über die kom­men­den drei Mo­na­ten den Ver­kauf von Fran­ken ge­gen me­xi­ka­ni­sche Pe­so oder ka­na­di­sche Dol­lar. Die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta sei über­be­wer­tet, die an­de­ren bei­den Va­lu­ten hin­ge­gen wür­den vom ame­ri­ka­ni­schen Wachs­tum pro­fi­tie­ren.

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