Afri­kas Hel­din will In­ves­ti­tio­nen aus Chi­na

Ni­ge­ri­as Fi­nanz­mi­nis­te­rin Okon­jo-iwea­la möch­te in In­dus­trie und Agrar Ar­beits­plät­ze schaf­fen – Wirt­schafts­ent­wick­lung als Mit­tel ge­gen Ter­ro­ris­mus

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ALEX­AN­DER TRENTIN UND PE­TER ROHNER

Sie wur­de schon als «Hel­din Afri­kas» be­zeich­net: Ngo­zi Okon­jo-iwea­la ist die Fi­nanz­mi­nis­te­rin Ni­ge­ri­as. Die ehe­ma­li­ge Welt­bank-ma­na­ge­rin kämpft ge­gen die weit­ver­brei­te­te Kor­rup­ti­on in Ni­ge­ria und plant die zü­gi­ge Ent­wick­lung der Wirt­schaft. Ver­gan­ge­ne Wo­che be­such­te sie Zü­rich, um In­ves­to­ren zu be­ru­hi­gen. Das ist nö­tig: Die in­ne­re Si­cher­heit des Lan­des wird an­ge­zwei­felt. Mitte Ja­nu­ar kam die Re­gie­rung durch ge­walt­tä­ti­ge Auf­stän­de ge­gen die Ab­schaf­fung von Ben­zinsub­ven­tio­nen un­ter Druck. Da­zu häu­fen sich is­la­mis­ti­sche Ter­ror­an­schlä­ge wie am Mon­tag in der nord­nige­ria­ni­schen Stadt Mai­du­gi­ri, wo dreis­sig Pas­san­ten durch Bom­ben der Bo­koHa­ram-mi­liz ge­tö­tet wur­den.

Im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» be­tont Okon­jo-iwea­la, dass die Re­gie­rung den Ter­ro­ris­mus auch wirt­schaft­lich be­kämp­fen will: «Wir zie­len auf die ärms­ten Re­gio­nen, wo die­se Leu­te her­kom­men, mit Schaf­fung von Ar­beits­plät­zen, land­wirt­schaft­li­cher Ent­wick­lung und Ver­bes­se­rung des Ge­sund­heits- und des Bil­dungs­an­ge­bots.» Die Har­vard-ab­sol­ven­tin strei­tet ab, dass die Span­nun­gen zwi­schen den Stäm­men Ni­ge­ri­as und zwi­schen Chris­ten­tum und Is­lam die Ein­heit des Lan­des ge­fähr­den. «Die­se The­men wer­den von skru­pel­lo­sen Po­li­ti­kern aus­ge­beu­tet. Das Pro­blem ist gröss­ten­teils wirt­schaft­lich. Wir müs­sen Wohl­stand schaf­fen und Men­schen aus­bil­den. So­lan­ge dies fehlt, ha­ben die Leu­te ei­ne Ent­schul­di­gung für ih­re Ta­ten.»

Jobs in der Land­wirt­schaft

Um we­ni­ger vom Öl ab­hän­gig zu sein, setzt die Mi­nis­te­rin auf die Land­wirt­schaft – die­se kön­ne «Mil­lio­nen von Jobs» schaf-

Die Chi­ne­sen sind an ei­ner stra­te­gi­schen Be­zie­hung mit Ni­ge­ria in­ter­es­siert.

op­ti­mier­te Sor­ten zu ver­ar­bei­ten. Auch Palm­öl müs­se Ni­ge­ria in Zu­kunft nicht ein­füh­ren: «Wir im­por­tie­ren das Öl aus Ma­lay­sia – da­bei hat die­ses Land die ers­ten Pal­men­sa­men aus Ni­ge­ria be­kom­men. Ge­win­nen wir Markt­an­tei­le bei Palm­öl, könn­ten wir ei­nen Ex­port­er­lös in Hö­he von Mil­li­ar­den von Dol­lar er­zie­len.» Die Rich­tung ist klar: «Wir ge­ben 10 Mrd. $ jähr­lich für Le­bens­mit­tel­im­por­te aus – das möch­ten wir be­en­den.»

Eben­so soll die In­dus­trie aus­ge­baut wer­den: «Die Mit­tel­klas­se wächst. Wir er­war­ten, dass wir bald ei­nen Markt ha­ben, der die Pro­duk­ti­on vie­ler Gü­ter un­ter­stützt. Vie­le Fa­b­ri­ken für Le­der­wa­ren, Kon­sum­gü­ter und Au­to­tei­le wur­den ge­schlos­sen, aber wir wol­len sie wie­der er­öff­nen.» Ni­ge­ria ar­bei­te auch hier mit den Chi­ne­sen zu­sam­men: «Ei­ni­ge chi­ne­si­sche Pro­du­zen­ten pla­nen, elek­tro­ni­sche Gü­ter in Ni­ge­ria her­zu­stel­len.»

Stra­te­gi­scher Part­ner Chi­na

Was wol­len die Chi­ne­sen in Afri­ka? Geht es nur dar­um, Roh­stof­fe aus­zu­beu­ten? Okon­jo-iwea­la wi­der­spricht: «Na­tür­lich ist Chi­na an Res­sour­cen in­ter­es­siert. Aber die Chi­ne­sen wol­len auch stra­te­gi­sche Be­zie­hun­gen mit vie­len afri­ka­ni­schen Län­dern auf­bau­en.» Ni­ge­ria wol­le ein Ver­hält­nis auf Au­gen­hö­he: «Chi­na soll in Ni­ge­ria in­ves­tie­ren – das macht es auch. Die chi­ne­si­schen Ar­beits­kos­ten stei­gen mit der Zeit, sie müs­sen in der Wert­schöp­fungs­ket­te nach oben wan­dern. Wir wer­den pro­fi­tie­ren, wenn In­dus­trie nach Ni­ge­ria ver­la­gert wird.» Be­son­ders die Strom­er­zeu­gung kön­ne chi­ne­si­sche Hil­fe ge­brau­chen: «Un­se­re gröss­te Hür­de ist der Man­gel an Elek­tri­zi­tät. Der Sek­tor wird kom­plett um­ge­baut, in­dem wir ihn für den Wett­be­werb öff­nen – wir wol­len, dass Chi­na dar­in in­ves­tiert.»

Ein ge­sun­der Staats­haus­halt sei für die wirt­schaft­li­che Sta­bi­li­tät ent­schei­dend. Der Etat pro­fi­tiert von den ho­hen Ölein­nah­men. «Wir sind nicht von aus­län­di­schen Mit­teln ab­hän­gig. Un­se­re Schul­den be­tra­gen nur 20% des Brut­to­in­land­pro­dukts», er­klärt die Mi­nis­te­rin. Die Zei­ten, als die Staats­aus­ga­ben mit dem Öl­preis schwank­ten, sei­en vor­bei: «Jetzt wird mit ei­nem lang­fris­ti­gen Durch­schnitts­preis bud­ge­tiert – im Mo­ment 70 $ pro Fass.» Sei der Öl­preis hö­her, wür­den die zu­sätz­li­chen Ein­nah­men ge­spart. Ein staat­li­cher In­vest­ment­fonds mit 1 Mrd. $ wur­de da­mit schon fi­nan­ziert.

Ngo­zi Okon­jo-iwea­la ist Fi­nanz­mi­nis­te­rin und ko­or­di­niert die Wirt­schafts­po­li­tik Ni­ge­ri­as.

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