Der Sprint ist vor­bei

ÜBER­SICHT Für die Märk­te geht es wei­ter auf­wärts, aber ei­nen Gang nied­ri­ger

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - ALEX­AN­DER TRENTIN

Ver­gleicht man die gros­sen Ak­ti­en­in­di­zes, er­stau­nen die be­trächt­li­chen Ge­win­ne seit Jah­res­an­fang von Nik­kei (9647, +14,1%), Hang Seng (21 407, +16,1%) und Nas­daq (2967, +13,9%). Auch die Schwel­len­län­der konn­ten stark pro­fi­tie­ren (MSCI Emer­ging Mar­kets: +15,6%). Es wird be­fürch­tet, dass sich die Ral­ly als Stroh­feu­er er­wei­sen wird und die Kur­se schnell wie­der zu­sam­men­sa­cken. Da hat­te es ver­gan­ge­ne Wo­che fast et­was Be­ru­hi­gen­des, dass die Märk­te ih­ren Sprint nicht mehr so un­ge­bro­chen fort­setz­ten: Im Wo­chen­ver­gleich stieg der S&P 500 (1368, +0,72%) nur leicht, der Dax blieb fast kon­stant (6858, +0,15%).

Das Par­la­ment Grie­chen­lands hat der Ver­ein­ba­rung mit den Gläu­bi­gern zu­ge­stimmt, die ei­nen Hair­cut von 53% auf An­lei­hen be­stimmt. Das war kei­ne Über­ra­schung für die Märk­te, und vie­le Fra­gen blei­ben un­be­ant­wor­tet. Hilf­rei­cher für das Er­star­ken des Eu­ros auf 1,3469 $/€ (+1,4% seit Di­ens­tag) – der höchs­te Stand seit No­vem­ber – war die gu­te Haus­halts­la­ge in Deutsch­land. Das De­fi­zit der Bun­des­re­pu­blik lag 2011 mit nur 1% des BIP deut­lich tie­fer als die 4,3% im Jahr 2010. Das Aus­ein­an­der­drif­ten zwi­schen den Pe­ri­phe­rie­län­dern und «Ker­n­eu­ro­pa» setzt sich fort. Für die Eu­ro­zo­ne ins­ge­samt er­war­tet die EUKom­mis­si­on im lau­fen­den Jahr ei­ne mil­de Re­zes­si­on mit ei­ner Schrump­fung des BIP von 0,3%.

Die­ses Wo­che­n­en­de fin­det das G-20-tref­fen in Me­xi­ko statt. Wer­den dem In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds dort mehr Mit­tel zu­ge­spro­chen, könn­te dies der Ral­ly – und da­mit den eu­ro­päi­schen Märk­ten – wei­ter Auf­trieb ge­ben.

Die Ri­si­ko­freu­de brach­te kei­ne Ab­schwä­chung des Fran­kens. Er wer­te­te sich auf und no­tier­te 1,2047 Fr./€ ( Vor­wo­che: 1,2087).

Eu­ro­päi­sche Fi­nanz­ak­ti­en

Im ver­gan­ge­nen Quar­tal ha­ben die schlech­te Stim­mung an den Fi­nanz­märk­ten und die im­mer noch schwe­len­den Pro­ble­me in der Eu­ro­zo­ne den Ge­schäfts­gang der Ban­ken be­las­tet. Cré­dit Ag­ri­co­le, RBS und De­xia mel­de­ten hef­ti­ge Ver­lus­te. Auch die pro­fi­ta­blen Fi­nanz­in­sti­tu­te wie die Deut­sche Bank muss­ten in den letz­ten drei Mo­na­ten 2011 Fe­dern las­sen. Doch die Ltro-re­fi­nan­zie­rungs­sprit­ze der EZB wischt fun­da­men­ta­le Be­den­ken weg – denn zu­min­dest scheint kei­ne Li­qui­di­täts­kri­se mehr an­zu­ste­hen (vgl. Sei­ten 10 und 11). Seit Jah­res­be­ginn konn­te der Eu­ros­to­xx Fi­nan­ci­al Ser­vices mit 14% Kurs­ge­winn ge­gen­über dem Eu­ros­to­xx 50, der nur 10% ge­wann, out­per­for­men. Vom Ri­si­ko­wil­len konn­te die UBS pro­fi­tie­ren. Sie konn­te ih­re zehn­jäh- ri­ge Pflicht­wan­del­an­lei­he (Co­co) in Hö­he von 2 Mrd. $ zur Stär­kung des Ei­gen­ka­pi­tals mit ei­ner Ren­di­te von 71⁄ 4% ab­set­zen.

Die Ma­kro­da­ten in den USA be­stä­ti­gen den Ein­druck ei­ner lang­sa­men, aber so­li­den Er­ho­lung. Die Erst­an­trä­ge auf Ar­beits­lo­sen­un­ter­stüt­zung san­ken in der Be­richts­wo­che auf 351 000. Ana­lys­ten ge­hen da­von aus, dass ei­ne Zahl der Neu­an­trä­ge un­ter 400 000 ei­nen Rück­gang der Ar­beits­lo­sig­keit be­deu­tet. Der Kon­su­min­di­ka­tor der Uni­ver­si­tät Mi­chi­gan konn­te sich leicht ver­bes­sern, und die USHäu­ser­prei­se sta­bi­li­sier­ten sich ge­mäss FHFA-IN­DEX.

Die Roh­stoff­prei­se stei­gen wei­ter. Der Kon­flikt mit dem Iran ver­schärft sich, die geo­po­li­ti­schen Ri­si­ken stei­gen, und der Öl­preis klet­tert. Das eu­ro­päi­sche Brent no­tier­te am Frei­tag auf dem Neun­mo­nats­hoch von 124.28 $ pro Fass, 3,6% mehr als vor Wo­chen­frist. In Eu­ro ge­rech­net er­reich­te Brent am Don­ners­tag den All­zeit­re­kord von 93.50 €, 5 Cent mehr als am 3. Ju­li 2008. Die Us-sor­te WTI kos­te­te 108.98 $, 5,5% mehr als vor ei­ner Wo­che. Seit An­fang Jahr lau­fen Eu­ro und Öl wie­der par­al­lel, wäh­rend im Herbst 2010 we­gen des schwa­chen Eu­ros die­se Ver­bin­dung ge­kappt wur­de. Gold avan­cier­te eben­so deut­lich. Es pro­fi­tier­te vom schwä­che­ren Dol­lar und von der wei­ter­hin un­si­che­ren Kon­junk­tur, die In­ves­to­ren nach ei­nem ver­meint­lich si­che­ren Ha­fen su­chen liess. Die Ei­ni­gung zur Grie­chen­lan­dret­tung hat nicht über­zeugt. Die Un­ze Gold kos­te­te am Frei­tag­nach­mit­tag 1778 $, 3% mehr als vor ei­ner Wo­che.

Der Sprint an den Märk­ten könn­te nächs­te Wo­che wie­der auf­ge­nom­men wer­den, wenn die Ban­ken mit noch mehr Li­qui­di­tät in der zwei­ten Auf­la­ge der LTRO über­schüt­tet wer­den. Die Nach­fra­ge der Ban­ken nach er­neu­ter drei­jäh­ri­ger Re­fi­nan­zie­rung wird auf bis zu 500 Mrd. € ge­schätzt.

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