Gold als Emer­ging Mar­ket

EDEL­ME­TAL­LE Wo­her die Nach­fra­ge nach Gold in den letz­ten fünf Jah­ren kam

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CHRIS­TOPH BUCH­MANN

Die Ent­wick­lung der Prei­se der mo­ne­tä­ren Edel­me­tal­le Gold und Sil­ber ist seit Jah­ren ge­prägt durch drei Haupt­fak­to­ren: die glo­bal schlep­pen­de Pri­mär­pro­duk­ti­on, die schwa­che Nach­fra­ge aus der al­ten Welt und schliess­lich die stark wach­sen­de und sehr do­mi­nan­te Nach­fra­ge aus den Schwel­len­län­dern. Am Bei­spiel der ku­mu­lier­ten Gold­nach­fra­ge der letz­ten fünf Jah­re ge­mäss World Gold Coun­cil lässt sich dies deut­lich zei­gen. Der An­teil der Nach­fra­ge aus Schwel­len­län­dern sum­miert sich auf 69%. Die ent­wi­ckel­te Welt – Eu­ro­pa, Ja­pan, Nord­ame­ri­ka – ab­sor­bier­te im sel­ben Zei­t­raum 29% (Schmuck und Bar­ren 18% so­wie ETF 11%). Die Käu­fe der Zen­tral­ban­ken wa­ren mit 2% noch un­be­deu­tend.

Da­mit lässt sich ei­ne ers­te Schluss­fol­ge­rung zie­hen. Der star­ke An­stieg der Prei­se von Gold und Sil­ber über die letz­ten fünf Jah­re ist der Nach­fra­ge aus Schwel­len­län­dern zu­zu­schrei­ben. Oh­ne zwei Drit­tel der Ge­samt­nach­fra­ge – bei sta­gnie­ren­dem An­ge­bot – wä­re die­se Preis­ent­wick­lung nicht mög­lich ge­we­sen. Wie­so in­ves­tie­ren die Schwel­len­län­der, al­len vor­an In­di­en (27%) und Chi­na (18%), in Gold und Edel­me­tal­le? Die Pau­scha­l­ant­wort der «kul­tu­rel­len Af­fi­ni­tät» die­ser Län­der zu

Ag­gr. Gold­nach­fra­ge: 2007-11 dem gel­ben Me­tall um­fasst ei­ne wei­te Pa­let­te von Grün­den. Zen­tral dürf­te sein, dass in bei­den Län­dern aus der lang­fris­ti­gen Er­fah­rung mit der In­sta­bi­li­tät des Geld­we­sens und dem da­mit ein­her­ge­hen­den Kauf­kraft­ver­lust ei­ne deut­li­che Leh­re ge­zo­gen wur­de. Auch ge­gen­wär­tig ist die In­fla­ti­ons­ent­wick­lung in bei­den Län­dern für no­mi­nel­le Ka­pi­tal­an­la­gen un­be­kömm­lich. Die Hor­tung von Gold wird da­mit ne­ben der kul­tu­rel­len Nei­gung vor al­lem öko­no­misch sehr ra­tio­nal.

Was be­deu­tet die Ent­wick­lung der letz­ten fünf Jah­re am Gold­markt für die zu­künf­ti­gen Gold­prei­se? Die fun­da­men­ta­len Trends dürf­ten sich fort­set­zen. Das An­ge­bot wird wei­ter­hin sta­gnie­ren, weil die Geo­lo­gie un­ver­än­dert schwie­rig ist und die Her­stel­lungs­kos­ten stei­gen wer­den. Die Nach­fra­ge aus den Emer­ging Mar­kets wird nicht nach­las­sen. Bei stei­gen­dem Ein­kom­men nimmt der­zeit in Chi­na das An­la­ge­vo­lu­men über­pro­por­tio­nal zu. Wenn die­se Län­der je­doch in ei­ne Kri­se ge­ra­ten, wer­den sie über Gold­ver­käu­fe den Preis drü­cken. Die­se Pha­sen dürf­ten dank des lang­fris­tig ho­hen wirt­schaft­li­chen Wachs­tums tem­po­rä­rer Na­tur sein.

Der Bul­len­markt in Ak­ti­en von 1982 bis 2000 war un­ter­bro­chen durch meh­re­re Preis­ein­brü­che. Sie wa­ren je­weils stra­te­gi­sche Ein­stiegs­punk­te. Der Gold-bul­len­markt wird sich ähn­lich ver­hal­ten. Zwei Jo­ker blei­ben, die den Preis von Gold und Sil­ber an­trei­ben kön­nen. Ers­tens ist dies der neue Trend der Zen­tral­ban­ken – meist aus Schwel­len­län­dern – zur Re­ser­ve­bil­dung in Gold. Zwei­tens sind dies die Spa­rer der ent­wi­ckel­ten Märk­te. Soll­ten sie, zum Bei­spiel auf­grund der Geld­men­gen­ent­wick­lung, ei­ne In­fla­ti­ons­ge­fahr wit­tern, so wer­den sie sich wie In­der und Chi­ne­sen ver­hal­ten. Erst dann droht dem Gold­markt ei­ne Bla­se – aber dann zu deut­lich hö­he­ren Prei­sen.

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