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Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Wür­den Sie für ein In­vest­ment ein Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis von 250 be­zah­len? Wer bei die­sem Wert an die längst ver­gan­ge­ne Tech­no­lo­giebla­se denkt, irrt. Das ist der ak­tu­el­le Preis für ei­ne zehn­jäh­ri­ge An­lei­he der Eid­ge­nos­sen­schaft. Für an­de­re «si­che­re» An­la­gen wie deut­sche, ja­pa­ni­sche oder US-Staats­an­lei­hen wer­den eben­falls ab­surd ho­he KGV zwi­schen 60 und 140 be­zahlt. Und das für ein As­set oh­ne In­fla­ti­ons­schutz.

Das si­che­re Seg­ment des Bond­markts steckt in ei­ner ko­los­sa­len Be­wer­tungs­bla­se. Trotz­dem strö­men gros­se In­ves­to­ren – Ver­si­che­run­gen, Ban­ken, Pen­si­ons­kas­sen – wei­ter­hin in den Markt. Sie tun dies teils aus recht­li­chem Zwang, teils aus re­gu­la­to­ri­schen An­rei­zen und teils – so die Be­fürch­tung im Fall der Pen­si­ons­kas­sen – aus pu­rem Kar­rie­re­ri­si­ko: Es ist bes­ser, kon­ven­tio­nell zu schei­tern als un­kon­ven­tio­nel­le Ri­si­ken ein­zu­ge­hen. Um am Bond­markt über­haupt Ren­di­te zu fin­den, muss man sich auf der Ri­si­ko­kur­ve im­mer wei­ter nach aus­sen be­we­gen. Längst wer­den hoch­ver­zins­li­che An­lei­hen – pro me­mo­ria: sie hies­sen einst Junk Bonds – reih­um pro­pa­giert und sind ent­spre­chend üp­pig be­wer­tet.

Was ist si­che­rer: Ein Ei­gen­tums­an­teil an Nest­lé, der 3,5% Di­vi­den­de ab­wirft, oder ein Junk Bond ei­nes hoch ver­schul­de­ten In­dus­trie­kon­zerns? Wer sich von sim­plen Wahr­hei­ten («Bonds sind si­che­rer als Ak­ti­en») ver­ab­schie­den und mit Preis­schwan­kun­gen le­ben kann – al­so nicht den Feh­ler be­geht, Vo­la­ti­li­tät mit Ri­si­ko gleich­zu­set­zen – fin­det am Ak­ti­en­markt der­zeit die at­trak­ti­ve­ren An­la­ge­chan­cen als im Feld der Fest­ver­zins­li­chen (vgl. Sei­te 21).

Das soll nicht heis­sen, dass Ak­ti­en heu­te spott­bil­lig sind. Sie sind es nur im Ver­gleich mit Bonds. Aber mit ei­nem Port­fo­lio mit qua­li­ta­tiv hoch­ste­hen­den Ak­ti­en so­wie ei­ner gros­sen Cash-Po­si­ti­on – sie gibt die Op­ti­on, zu­schla­gen zu kön­nen, wenn sich Kauf­chan­cen bie­ten – lässt es sich deut­lich bes­ser schla­fen als mit der ver­meint­li­chen Si­cher­heit des Bond­markts.

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