Res­t­ri­si­ken des Schwarz­gel­des be­sei­ti­gen

SCHWEIZ Weiss­geld­stra­te­gie soll für den Fi­nanz­platz Leit­plan­ken set­zen und prak­ti­sche Fra­gen zum Um­gang mit un­ver­steu­er­ten Gel­dern be­ant­wor­ten

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - MO­NI­CA HEGG­LIN

Die Fin­ma soll den Um­gang der Schwei­zer Ban­ken mit dem Ge­schäft mit un­ver­steu­er­ten Ver­mö­gen über­wa­chen. Da­durch soll ver­hin­dert wer­den, dass künf­tig Schwarz­geld von ei­ner Schwei­zer Bank zur an­de­ren ver­scho­ben wird. Die Weiss­geld­stra­te­gie, die der Bun­des­rat spä­tes­tens Mit­te De­zem­ber prä­sen­tie­ren wird, um­fasst aus­ser­dem auf den Steu­er­be­reich er­wei­ter­te, ri­si­ko­ba­sier­te Sorg­falts­pflich­ten der Ban­ken.

Das Steu­er­ab­kom­men zwi­schen der Schweiz und Deutsch­land geht in die nächs­te Run­de. Die deut­sche Re­gie­rung hat die­se Wo­che be­schlos­sen, den Ver­mitt­lungs­aus­schuss von Bun­des­tag und Bun­des­rat an­zu­ru­fen, um den Ver­trag zu ret­ten. Noch ist das letz­te Wort zur Ab­gel­tungs­steu­er nicht ge­spro­chen, da zei­gen sich eu­ro­päi­sche Ab­setz­be­we­gun­gen. In Ita­li­en scheint ein Ab­schluss der Ver­hand­lun­gen nun doch nicht be­vor­zu­ste­hen, und die ein­fluss­rei­che «Fi­nan­ci­al Ti­mes» hat ei­nen schar­fen Kom­men­tar ge­gen das Ab­kom­men zwi­schen der Schweiz und Gross­bri­tan­ni­en ver­öf­fent­licht, ob­wohl es 2013 plan­ge­mäss in Kraft tritt.

So­wohl das of­fi­zi­el­le Bern wie auch die Ban­kier­ver­ei­ni­gung hal­ten un­be­irrt an der Ab­gel­tungs­steu­er fest. Da­bei spielt an­schei­nend auch der Druck West­schwei­zer In­sti­tu­te ei­ne Rol­le. Sie hof­fen wei­ter­hin dar­auf, die Schwarz­geld­pro­ble­ma­tik mit Frank­reich durch ei­ne Ab­gel­tungs­steu­er lö­sen zu kön­nen.

Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung

Den­noch muss man sich auf dem Fi­nanz­platz mit der Wahr­schein­lich­keit be­fas­sen, dass der Be­stand an un­ver­steu­er­ten aus­län­di­schen Kun­den­ver­mö­gen aus den Nach­bar­län­dern – die Ver­gan­gen­heit – nicht auf ele­gan­te Wei­se le­ga­li­siert wer­den kann. Wenn das Ab­kom­men nicht kommt, gilt mit Deutsch­land – wie mit al­len Län­dern aus­ser Gross­bri­tan­ni­en und Ös­ter­reich – zwar ein­fach der OECD-Stan­dard 26, bei dem nicht mehr zwi­schen Steu­er­be­trug und -hin­ter­zie­hung un­ter­schie­den wird und bei dem auch Grup­pen­an­fra­gen aus­län­di­scher Steu­er­be­hör­den mög­lich wer­den. Und im Grun­de bräuch­te die Schweiz wei­ter nichts zu bie­ten.

Et­li­che Schwei­zer In­sti­tu­te ha­ben ihr Ge­schäfts­mo­dell aber schon viel wei­ter ent­wi­ckelt. Die be­schleu­nig­te Ber­ei­ni­gung der Ver­gan­gen­heit in steu­er­sen­si­ti­ven Län­dern ist für sie zum stra­te­gi­schen Ziel ge­wor­den. Die Res­t­ri­si­ken des Schwarz­gel­des sol­len ak­tiv be­sei­tigt wer­den. Ei­ne Ge­schäfts­po­li­tik auf der Ba­sis von OECD 26 wür­de für sie ei­nen Rück­schritt be­deu­ten. Die Ge­fahr der Kri­mi­na­li­sie­rung blie­be für Schwei­zer Ban­ken und ih­re Mit­ar­bei­ten­den zu hoch.

Vor­sich­tig vor­ge­hen

Die Cre­dit Suis­se hat des­halb an­ge­kün­digt, Schwarz­geld­kon­ti zu kün­di­gen, da sie kein Ge­schäft mit un­ver­steu­er­ten Ver­mö­gen be­trei­be. Die UBS dis­ku­tiert im Stil­len eben­falls ein «Exit-Sze­na­rio». Die Zürcher Kan­to­nal­bank will «mit­tel­fris­tig nur noch steu­er­kon­for­me Ver­mö­gen ver­wal­ten» und be­zeich­net «die Tren­nung von nicht steu­er­kon­for­men Kun­den als Ul­ti­ma Ra­tio», falls die Ab­gel­tungs­steu­er nicht kommt.

Die Zu­ger Kan­to­nal­bank ist da schon ei­nen Schritt wei­ter: «Kun­den mit Do­mi­zil Aus­land wur­den schrift­lich auf­ge­for­dert, uns mit­tels rechts­gül­ti­ger Un­ter­zeich­nung ei­nes For­mu­lars zu be­stä­ti­gen, dass die bei uns ge­hal­te­nen Ver­mö­gen in ih­rem Do­mi­zil­land kor­rekt ver­steu­ert wur­den und wer­den. So­fern wir die Be­stä­ti­gung nicht er­hal­ten, wird die Be­zie­hung auf­ge­löst.» Wäh­rend die Zu­ger Kan­to­nal­bank hier forsch auf­tre­ten kann, da sie nur über ein ge­rin­ges grenz­über­schrei­ten­des Ge­schäft ver­fügt, wä­re der Exit für die grös­se­ren In­sti­tu­te viel heik­ler. Es ist des­halb nicht ver­wun­der­lich, dass bei­spiels­wei­se die Cre­dit Suis­se ih­re ent­spre­chen­de An­kün­di­gung seit­her et­was ab­ge­schwächt hat. Ge­ra­de auch mit Blick auf die Be­zie­hun­gen zu aus­ser­eu­ro­päi­schen Kun­den will kei­ne Bank als die­je­ni­ge da­ste­hen, die ih­ren Kun­den aus Steu­er­grün­den ein­fach so das Mes­ser an die Keh­le setzt. Das wä­re ge­schäfts­schä­di­gend. Auf je­den Fall kön­nen sich deut­sche Steu­er­äm­ter nicht un­mit­tel­bar auf Hor­den von aus der Schweiz ver­trie­be­nen Steu­er­sün­dern freu­en.

Fi­nanz­platz im Ri­si­ko

Den­noch wis­sen die Ban­ken mitt­ler­wei­le sehr ge­nau über ih­re Kun­den Be­scheid. Ih­ren Kun­den­stamm über­prüft die Zürcher Kan­to­nal­bank sys­te­ma­tisch ent­lang so­ge­nann­ter «Un­ge­wöhn­lich­keits­kri­te­ri­en», die auf nicht steu­er­kon­for­me Ver­mö­gens­wer­te hin­deu­ten (z. B. Post muss zu­rück­be­hal­ten wer­den). In ei­nem sol­chen Fall geht die Bank auf den Kun­den zu, klärt den Sach­ver­halt ab und mo­ti­viert ihn da­zu, so rasch wie mög­lich Steu­er­kon­for­mi­tät her­zu­stel­len. Von hier bis zur Kün­di­gung der Kun­den­be­zie­hun­gen ist es, zu­min­dest theo­re­tisch, nur noch ein klei­ner Schritt.

Hei­kel am Kon­zept der Ber­ei­ni­gung des Kun­den­stamms ist, dass das Geld oft von ei­ner Schwei­zer Bank zur an­de­ren ver­scho­ben wird. Das Ri­si­ko für den Fi­nanz­platz ver­min­dert sich al­so nicht. Es be­steht, ge­ra­de in Be­zug auf steu­er­ag­gres­si­ve Län­der wie Deutsch­land, die Ge­fahr dass sich der US-Steu­er­streit wie­der­holt. Und im Kon­trast zum da­ma­li­gen Ablauf, als die Fin­ma nicht in­ter­ve­nier­te, als USKun­den von der UBS zu an­de­ren Ban­ken flüch­te­ten, soll dies­mal die Fin­ma die re­gu­la­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung wahr­neh­men. Der Fi­nanz­platz soll nicht auf dem fal­schen Fuss er­wischt wer­den, falls sich der Steu­er­streit mit Deutsch­land er­neut zu­spit­zen soll­te. Es ist des­halb ganz wich­tig, dem Fi­nanz­platz Leit­plan­ken zu ge­ben.

Was ein Nein zur Ab­gel­tungs­steu­er für die Ver­mö­gen be­deu­ten wür­de, kann nur ver­mu­tet wer­den. Wahr­schein­lich dürf­te ein Teil der Kun­den, der auf die Ab­gel­tungs­steu­er war­te­te, nun Selbst­an­zei­ge ma­chen und sich des­halb frei­er füh­len, das Geld von der Schwei­zer Bank ab­zu­zie­hen. Gleich­zei­tig wer­den die ver­wal­te­ten Ver­mö­gen bei Schwei­zer Ban­ken in­so­fern ge­schont wer­den, als der au­to­ma­ti­sche Steu­er­ab­zug weg­fällt.

Für die Zu­kunft steht un­ab­hän­gig von der Ab­gel­tungs­steu­er die Weiss­geld­stra­te­gie im Mit­tel­punkt. Da­mit soll ver­hin­dert wer­den, dass neu­es un­ver­steu­er­tes Schwarz­geld in die Schweiz ge­langt. Bis­her wen­det je­de Bank ihr ei­ge­nes Kon­zept an. Im Vor­der­grund ste­hen da­bei Va­ri­an­ten der Selbst­de­kla­ra­ti­on. In­sti­tu­te wie die Lu­zer­ner Kan­to­nal­bank, die Bas­ler KB, aber auch die Gross­ban­ken ver­lan­gen seit ei­ni­ger Zeit von aus­län­di­schen Neu­kun­den ei­ne De­kla­ra­ti­on, dass die an­zu­le­gen­den Gel­der steu­er­kon­form sind. Geht es nach der Ban­kier­ver­ei­ni­gung, wird die­ses Kon­zept nicht wei­ter­ge­führt, da es ei­ne un­lös­ba­re Auf­ga­be für die Ban­ken dar­stellt, die Steu­er­kon­for­mi­tät ef­fek­tiv ab­zu­klä­ren.

Ri­si­ko­ba­sier­ter An­satz

Im Zen­trum ste­hen des­halb nun er­wei­ter­te Sorg­falts­pflich­ten der Fi­nanz­in­sti­tu­te. Sie um­fas­sen die Er­ken­nung un­ver­steu­er­ter Ver­mö­gens­wer­te mit In­di­zi­en­kri­te­ri­en in ei­nem (drei­stu­fi­gen) ri­si­ko­ba­sier­ten Mo­dell. Ana­log den Vor­schrif­ten zur Be­kämp­fung der Geld­wä­sche­rei sol­len sich im Rah­men der Selbst­re­gu­lie­rung al­le Schwei­zer Ban­ken ver­pflich­ten, Sorg­falts­pflich­ten im Kampf ge­gen un­ver­steu­er­te Ver­mö­gen ein­zu­hal­ten. Wie al­le Selbst­re­gu­lie­rungs­richt­li­ni­en sol­len sie von der Fin­ma ab­ge­seg­net und auch über­wacht wer­den.

An­hand von Kri­te­ri­en und Ver­hal­tens­mus­tern sol­len die Kun­den – wie im Kampf ge­gen die Geld­wä­sche­rei – in ver­schie­de­ne Ri­si­ko­grup­pen ein­ge­teilt wer­den. Ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um für die Ein­tei­lung in die Ri­si­ko­grup­pe soll die Her­kunft des Kun­den sein. Kun­den aus Län­dern wie Russ­land oder Bra­si­li­en sind aus steu­er­recht­li­cher Op­tik we­ni­ger hei­kel als deut­sche. Wei­te­re Kri­te­ri­en sind bei­spiels­wei­se die Ver­wen­dung von Trusts oder an­de­ren Struk­tu­ren zur ag­gres­si­ven Steu­er­op­ti­mie­rung so­wie et­wa der Um­stand, dass je­mand sei­ne Post bankla­gernd er­hält.

Das of­fi­zi­el­le Bern – im Bild Bun­des­rä­tin Eve­li­ne Wid­mer-Schlumpf mit Ita­li­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­rio Mon­ti – hält an der Ab­gel­tungs­steu­er fest. Die Ban­ken hal­ten sich zu­rück.

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