«Er­trags­qua­li­tät bes­sert sich»

BRU­NO PFIS­TER CEO Swiss Li­fe über die im Bran­chen­ver­gleich ge­rin­ge Aus­schüt­tungs­quo­te und die Ge­fahr wei­te­rer Ab­schrei­ber

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - IN­TER­VIEW: AR­NO SCHMOCKER UND THO­MAS HENGARTNER

Die­se Wo­che hat der Le­bens­ver­si­che­rer Swiss Li­fe den seit lan­gem er­war­te­ten Ab­schrei­ber auf dem AWD-Good­will be­kannt­ge­ge­ben. «Das Res­t­ri­si­ko ei­nes wei­te­ren Ab­schrei­bers ist sehr, sehr klein», be­tont CEO Bru­no Pfis­ter. Für die nächs­ten drei Jah­re ist ein Ge­winn­wachs­tum ge­plant. War­um schüt­tet Swiss Li­fe nur ein Vier­tel des Ge­winns aus? Herr Pfis­ter, Swiss Li­fe peilt 2012 rund 850 Mio. Fr. Be­triebs­ge­winn an. Wel­ches sind die wei­te­ren Ge­winn­per­spek­ti­ven? Wir stre­ben an, die Er­trags­kraft zu fes­ti­gen und die Schwan­kun­gen wei­ter zu re­du­zie­ren. 60 bis 70% des Ge­winns sol­len aus Ri­si­ko­prä­mi­en, Ge­büh­ren und Kom­mis­sio­nen stam­men. Das spie­gelt sich in ei­ner Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te von 8 bis 10%, wo­bei die Ei­gen­mit­tel viel hö­her sind als vor drei Jah­ren. Für die nächs­ten drei Jah­re ist ein Ge­winn­wachs­tum ge­plant. Was 2013 be­trifft, so wird die Rech­nung durch 45 bis 50 Mio. Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten be­las­tet. Auch in den nächs­ten drei Jah­ren ist vor­ge­se­hen, 20 bis 40% des Ge­winns an die Ak­tio­nä­re aus­zu­schüt­ten. Das ist im Kon­kur­renz­ver­gleich be­schei­den. Ich tei­le Ih­re Mei­nung nicht. Ei­ni­ge Kon­kur­ren­ten sind All­bran­chen­ver­si­che­rer mit ei­nem Sach- und Haft­pflicht­ge­schäft und sind in Be­zug auf die Sol­venz­vor­schrif­ten vor­teil­haf­ter po­si­tio­niert. Wir wer­den ei­ni­ges vom Ge­winn für die Stär­kung der Ei­gen­mit­tel zu­rück­be­hal­ten. Der kom­men­de Drei­jah­res­plan sieht wie­der­um vor, die Ein­nah­me- und Ge­winn­quel­len wei­ter zu di­ver­si­fi­zie­ren. Da wä­re doch das An­schnal­len ei­nes Sach- oder Kran­ken­ver­si­che­rers will­kom­men. Mit Blick auf die künf­ti­gen Sol­venz­vor­schrif­ten in Eu­ro­pa wä­re das Hin­zu­fü­gen ei­nes Scha­den­ver­si­che­rers durch­aus sinn­voll. Das wür­de den Ka­pi­tal­be­darf dros­seln. Aber es gibt kein ent­spre­chen­des An­ge­bot auf dem Markt. Zu­dem wä­re ei­ne sol­che Über­nah­me für un­se­re Ak­tio­nä­re aus Be­wer­tungs­über­le­gun­gen, sprich we- gen der Ge­fahr ei­ner Ver­wäs­se­rung des Ge­winns, nicht at­trak­tiv. Die nied­ri­ge Be­wer­tung der Swiss-Li­feAk­ti­en zeigt, dass die In­ves­to­ren dem Un­ter­neh­men skep­tisch ge­gen­über­ste­hen. In­wie­fern bes­sert sich denn das Pro­fil von Swiss Li­fe mit den neu­en Mass­nah­men? Das Wei­ter­stos­sen Rich­tung hö­he­re Er­trags­qua­li­tät ist ein ers­ter wich­ti­ger Punkt. Zwei­tens ist die noch­ma­li­ge Stei­ge­rung der Ef­fi­zi­enz aus Ak­tio­närs­sicht will­kom­men. Hel­fen soll­ten auch die noch kon­se­quen­te­re Aus­rich­tung auf pro­fi­ta­bles Neu­ge­schäft und das Ge­winn­wachs­tum. Im neu­en Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rungs­pro­gramm ist die Kos­ten­sen­kung ein Drit­tel so gross wie im Drei­jah­res­plan Mi­les­to­ne zu­vor. Das sieht nicht sehr am­bi­tio­niert aus. Es ist durch­aus am­bi­tio­niert. In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren ha­ben wir im Rah­men von Mi­les­to­ne die Kos­ten­ba­sis mehr als 400 Mio. Fr. ge­senkt. Nun wol­len wir wei­te­re 130 bis 160 Mio. Fr. ein­spa­ren, da­von 90 bis 110 Mio. Ver­wal­tungs­kos­ten – das ent­spricht rund 7% der Kos­ten­ba­sis. Von den va­ria­blen Ver­triebs­kos­ten kommt ein Bei­trag von 40 bis 50 Mio. Fr. Zum The­ma Good­will. Die im­ma­te­ri­el­len Ver­mö­gens­wer­te auf dem Ver­si­che­rungs­ver­trieb AWD wer­den um 576 auf 765 Mio. Fr. ab­ge­schrie­ben. Ist der Rest wert­hal­tig? Ja, wenn wir die Plä­ne er­fül­len. Das Res­t­ri­si­ko ei­nes zu­sätz­li­chen Ab­schrei­bers auf dem AWD-Good­will ist sehr, sehr klein. In der An­pas­sung des AWD-Buch­werts sind Um­set­zungs­ri­si­ken der neu­en Plä­ne ent­hal­ten. Um wel­che Ri­si­ken han­delt es sich da kon­kret? Wie wir an­ge­kün­digt ha­ben, wol­len wir künf­tig je Land al­le Pro­duk­ti­ons- und Ver­triebs­or­ga­ni­sa­tio­nen aus ei­ner Hand füh­ren, um die Markt­be­ar­bei­tung zu ver­bes­sern und Sy­ner­gi­en aus­zu­schöp­fen. Die In­te­gra­ti­on ist mit Um­set­zungs­ri­si­ken ver­bun­den. Um dem Rech­nung zu tra­gen, ha­ben wir die Sy­ner­gie­ef­fek­te aus dem Schul­ter­schluss im Good­will­test nicht be­rück­sich­tigt. Das zeigt, dass wir bei der Pla­nung kon­ser­va­tiv vor­ge­gan­gen sind. Sie wa­ren zum Zeit­punkt des AWD-Kaufs als Chef Swiss Li­fe In­ter­na­tio­nal be­reits in der Kon­zern­lei­tung, VR-Prä­si­dent Rolf Dö­rig war Kon­zern­lei­ter. Stan­den im Zu­sam­men­hang mit dem Ab­schrei­ber von über 500 Mio. Fr. nie per­so­nel­le Kon­se­quen­zen zur De­bat­te? Nein. Stra­te­gisch ge­se­hen war und ist die Er­wei­te­rung um ei­nen kom­ple­men­tä­ren Fi­nanz­ver­trieb wie AWD ei­ne wich­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lung der Grup­pe. Da­von sind wir nach wie vor über­zeugt. Der Ab­schrei­ber hängt vor al­lem da­mit zu­sam­men, dass sich das Um­feld seit 2008 sehr ver­än­dert hat. Ei­ne Kri­se lös­te die an­de­re ab, die Zin­sen ten­dier­ten nach un­ten. Der Ap­pe­tit der Kun­den auf lang­fris­ti­ge fi­nan­zi­el­le Bin­dung hat nach­ge­las­sen. Zu­dem wur­den die Vor­schrif­ten für Pro­duk­te und Ver­trieb ver­schärft. Was in der AWD-Dis­kus­si­on ver­ges­sen geht: Wir ha­ben mit dem Ver­kauf der Ban­ca del Got­tar­do und der Ver­si­che­rungs­ak­ti­vi­tä­ten in den Nie­der­lan­den und in Bel­gi­en fast zur sel­ben Zeit ei­nen sehr gu­ten Preis her­aus­ge­holt.

Kon­zern­chef Bru­no Pfis­ter wür­de gern ei­nen Sach­ver­si­che­rer kau­fen, kann aber nicht.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.