Ga­le­ni­ca ziert sich

SCHWEIZ In­te­gra­ti­on des Phar­ma­han­dels­ge­schäfts in den Us-rie­sen Wal­greens noch kein The­ma

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT - DO­MI­NIK FELDGES

Deutsch und Fran­zö­sisch ja, aber Eng­lisch wur­de in den Gän­gen und Bü­ros der Ber­ner Kon­zern­zen­tra­le von Ga­le­ni­ca bis­her kaum ge­spro­chen. Das hat sich ge­än­dert, seit die ers­ten Mit­ar­bei­ter ei­nes neu­en Jo­int Ven­ture zwi­schen dem Ga­le­ni­ca-Gross­ak­tio­när Al­li­an­ce Boots und dem US-Dro­ge­rie- und Apo­the­ken­rie­sen Wal­greens im sel­ben Ge­bäu­de ein­ge­zo­gen sind.

Das En­de Ok­to­ber ge­grün­de­te Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men Wal­greens Boots Al­li­an­ce De­ve­lop­ment ist ein Kind der ge­plan­ten Fu­si­on von Al­li­an­ce Boots und Wal­greens zur ers­ten trans­at­lan­ti­schen so­wie welt­gröss­ten Apo­the­ken­ket­te mit ei­nem Pro-for­ma-Um­satz von mehr als 100 Mrd. $. Die rund dreis­sig Mit­ar­bei­ter sol­len sich um fi­nanz­tech­ni­sche Fra­gen und The­men wie den zen­tra­len Ein­kauf küm­mern – mit dem Ziel, mög­lichst vie­le Sy­ner­gi­en für die bei­den Jo­int-Ven­ture-Part­ner aus­zu­schöp­fen.

Die vor al­lem auf den bri­ti­schen Apo­the­ken- und Dro­ge­rie­markt aus­ge­rich­te­te Al­li­an­ce Boots fi­gu­riert seit Jah­ren mit ei­nem An­teil von 25,5% als gröss­ter Ga­le­ni­ca-Ak­tio­när. Den­noch ist der di­ver­si­fi­zier­te Ge­sund­heits­kon­zern Ga­le­ni­ca we­der am Jo­int Ven­ture be­tei­ligt noch Teil der ver­gan­ge­nen Ju­ni ab­ge­schlos­se­nen Fu­si­ons­ver­ein­ba­rung zwi­schen Wal­greens und Al­li­an­ce Boots. Die­se sieht vor, dass Wal­greens zu­nächst für 6,7 Mrd. $ 45% des Ka­pi­tals von Al­li­an­ce Boots über­nimmt – mit der Op­ti­on, in­ner­halb von drei Jah­ren auch den Rest zu er­wer­ben.

Wi­der­stand pro­gram­miert

Ge­mäss Ga­le­ni­ca stan­den in der Kon­zern­zen­tra­le seit län­ge­rem Bü­ros leer, auf die die Jo­int-Ven­ture-Part­ner nun ger­ne zu­rück­grei­fen wür­den. Auf die Fra­ge, ob nicht mehr hin­ter dem Ein­zug von Wal­greens ste­cke und der Ber­ner Kon­zern sein um­fang­rei­ches Phar­ma­han­dels­ge­schäft in den künf­ti­gen Bran­chen­rie­sen ein­brin­gen könn­te, winkt Spre­che­rin Chris­ti­na Her­tig ab. Die Apo­the­ken von Ga­le­ni­ca sei­en gut ein­ge­führt, was ei­ne Um­wand­lung in neue For­ma­te auf­wän­dig ma­chen wür­de. Zu­dem ha­be der klei­ne Schwei­zer Markt für ei­ne welt­weit ak­ti­ve Un­ter­neh­mens­grup­pe kei­ne Prio­ri­tät.

In Ana­lys­ten­krei­sen wer­den die­se Ein­wän­de in Zwei­fel ge­zo­gen. «Den Mann auf der Stras­se in­ter­es­siert es nicht, wel­cher Be­sit­zer sich hin­ter ei­ner Apo­the­ke ver­birgt, so­lan­ge der Ser­vice stimmt», sagt ein Bran­chen­ex­per­te.

Als hür­den­rei­cher wird ei­ne In­te­gra­ti­on des Gross­han­dels- bzw. Lo­gis­tik­ge­schäfts be­wer­tet. Hier könn­ten vor al­lem Schwei­zer Apo­the­ker op­po­nie­ren, die oft auch Ak­ti­en von Ga­le­ni­ca be­sit­zen. Un­ter den rund 9000 An­teils­eig­nern gibt es vie­le Kun­den. Ga­le­ni­ca wur­de 1927 von ei­ner Grup­pe West­schwei­zer Apo­the­ken als ge­mein­sa­me Ein­kaufs­zen­tra­le ge­grün­det, und noch heu­te kom­me ihm die jähr­li­che Ge­ne­ral­ver­samm­lung wie ein Apo­the­ker­tref­fen vor, scherzt ein In­ves­tor.

Es sei schwer vor­stell­bar, wie der exe­ku­ti­ve Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Eti­en­ne Jor­nod vor die Ak­tio­nä­re ste­hen und ih­nen den Ver­kauf ei­nes gros­sen Teils sei­nes und oft auch ih­res Le­bens­werks schmack­haft ma­chen wür­de. Der 59-jäh­ri­ge Jor­nod, der von 1996 bis 2011 Prä­si­dent und De­le­gier­ter des Ver­wal­tungs­rats war, gilt trotz der Be­för­de­rung des Phar­ma­chefs Da­vid Ebs­worth zum Grup­pen-CEO per An­fang die­ses Jah­res wei­ter­hin als star­ker Mann des Un­ter­neh­mens Ga­le­ni­ca.

«Kein Kon­glo­me­rat»

Jor­nod be­ton­te an der jüngs­ten Ge­ne­ral­ver­samm­lung im ver­gan­ge­nen Mai, dass Ga­le­ni­ca kein Kon­glo­me­rat sei, son­dern ei­ne fo­kus­sier­te, seit sech­zehn Jah­ren gel­ten­de Kon­zern­stra­te­gie ver­fol­ge. Die drei Ge­schäfts­be­rei­che Re­tail, Lo­gis­tik und Pharma hät­ten da­bei ei­ne aus­glei­chen­de Wir­kung. Kaum auf ei­nen ra­schen Ver­kauf des Han­dels­ge­schäfts dürf­te auch Ste­fa­no Pes­si­na drän­gen, der sich bis­her die Kon­trol­le über Al­li­an­ce Boots mit dem ame­ri­ka­ni­schen Pri­va­te-Equi­ty-Haus Kohl­berg Kra­vis Ro­berts (KKR) ge­teilt hat. Pes­si­na ver­tritt seit 2000 Al­li­an­ce Boots im Ver­wal- tungs­rat von Ga­le­ni­ca und hat sich im Mai für ei­ne wei­te­re drei­jäh­ri­ge Amt­s­pe­ri­ode wäh­len las­sen. Der 71-Jäh­ri­ge, der in In­ter­views Fra­gen über Pen­sio­nie­rungs­plä­ne je­weils ent­schie­den von sich weist, ist ein lang­jäh­ri­ger Freund Eti­en­ne Jor­nods.

Am ehes­ten ist von KKR Druck zu er­war­ten. Die Pri­va­te-Equi­ty-Spe­zia­lis­ten dräng­ten im Fall der 2007 mit Pes­si­na er­wor­be­nen Al­li­an­ce Boots auf ei­nen ra­schen Aus­stieg und dürf­ten auch an der Be­tei­li­gung an Ga­le­ni­ca nur noch be­schränk­te Zeit in­ter­es­siert sein. Aus ih­rer Sicht wür­de das Phar­ma­han­dels­ge­schäft wohl gut zu Wal­greens und den Ak­ti­vi­tä­ten von Al­li­an­ce Boots pas­sen. Die Zer­schla­gung von Un­ter­neh­men in ih­re

Ga­le­ni­ca N Ein­zel­tei­le ge­hört zu­dem zum Kern­ge­schäft die­ser Grup­pe von ame­ri­ka­ni­schen Fi­nan­ciers.

Ob­wohl ei­ni­ge Bran­chen­be­ob­ach­ter hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand ei­ne Auf­tei­lung des Ga­le­ni­ca-Kon­zerns vor­aus­sa­gen, woll­te sich kei­ner auf ei­nen Zeit­punkt fest­le­gen. Das ver­stärkt den Ein­druck, dass vor­läu­fig wohl nichts ge­schieht. Doch mehr als fünf Jah­re wer­de Ga­le­ni­ca in der ge­gen­wär­ti­gen Zu­sam­men­set­zung nicht mehr exis­tie­ren, pro­gnos­ti­zier­te ein von FuW be­frag­ter Ana­lyst gleich­wohl. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Ga­le­ni­ca im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/GALN

Ak­ti­en­sta­tis­tik

Die US-Dro­ge­rie­ket­te Wal­greens tas­tet sich an Ga­le­ni­ca her­an: vor­erst aber nur räum­lich.

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