Ed­wards Li­fe­sci­en­ces lockt mit In­no­va­tio­nen

USA Zwei­stel­li­ges Wachs­tum mit Trans­ka­the­ter-herz­klap­pen – Über­durch­schnitt­li­che For­schungs­aus­ga­ben be­le­ben Pi­pe­line – Kurs­rück­schlä­ge aus­nut­zen

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT/KONSUM - CAR­LA PALM,

Die Wahr­schein­lich­keit, dass Pa­ti­en­ten mit ei­ner künst­li­chen Herz­klap­pe klei­ne Ge­we­be­stü­cke ame­ri­ka­ni­scher Schwei­ne oder Rin­der mit sich her­um­tra­gen, ist auch in Eu­ro­pa re­la­tiv hoch. Die füh­ren­de Herz­klap­pen­her­stel­le­rin Ed­wards Li­fe­sci­en­ces schwört auf die Qua­li­tät ih­rer Zu­lie­fe­rer in den USA. Je­de ein­zel­ne künst­li­che Klap­pe wird am Pro­duk­ti­ons­stand­ort in Ir­vi­ne, Ka­li­for­ni­en, in Hand­ar­beit ge­fer­tigt. Die Mit­ar­bei­ter ver­nä­hen hier­bei Tei­le von Schwei­ne- und Rin­der­her­zen, die zu­vor durch ei­ne spe­zi­el­le che­mi­sche Be­hand­lung be­son­ders halt- und be­last­bar ge­macht wor­den sind.

In­ner­halb des Kar­dio­lo­gie­mark­tes gilt der Be­reich künst­li­che Herz­klap­pen als in­no­va­ti­ver Hots­pot. Das noch jun­ge Seg­ment wächst zwei­stel­lig und soll ge­mäss Ana­lys­ten­be­rech­nun­gen bis 2015 ein Vo­lu­men im mitt­le­ren ein­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­reich er­rei­chen. Die gros­sen Med­tech-Kon­zer­ne Med­t­ro­nic und Bos­ton Sci­en­ti­fic ha­ben sich über Ak­qui­si­tio­nen den Zu­gang ge­si­chert. Doch markt­be- herr­schend ist Ed­wards Li­fe­sci­en­ces. Die Klap­pen Ma­gna Ea­se und Mi­tral Ea­se gel­ten als Klas­sen­bes­te in ih­rem Be­reich.

Der Durch­bruch ge­lang Ed­wards 2007 mit der Zu­las­sung der ers­ten mi­ni­mal­in­va­si­ven Trans­ka­the­ter-Herz­klap­pe Sa­pi­en. Die Be­wil­li­gung für den Ein­griff, der die auf­wen­di­ge Ope­ra­ti­on am of­fe­nen Her­zen lang­fris­tig ganz er­set­zen könn­te, wur­de zu­erst in Eu­ro­pa er­teilt. 2011 schlos­sen sich auch die ame­ri­ka­ni­schen Ge­sund­heits­be­hör­den an. Mit den neu­en Herz­klap­pen, die mit ei­nem Ka­the­ter über die Ve­nen zum Her­zen ge­führt wer­den, er­ziel­te Ed­wards 2011 ein Wachs­tum von über 50%.

«Wachs­tums­un­ter­neh­men»

CEO Micha­el Mus­sal­lem geht da­von aus, dass der Um­satz hoch bleibt. Das Wachs­tum wer­de sich je­doch bis 2013 um 15% pro Jahr ein­pen­deln. Dar­über hin­aus möch­te er tra­di­tio­nell kei­ne Pro­gno­sen ge­ben. «Ed­wards wird aber wei­ter ein Wachs­tums­un­ter­neh­men sein», fügt er im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» am Haupt­sitz in Ir­vi­ne hin­zu.

Zu­ver­sicht­lich stimmen Mus­sal­lem die neu­en Sa­pi­en-Pro­dukt­sys­te­me in der Pi­pe­line, die es den Chir­ur­gen er­mög­li­chen, ei­ne Herz­klap­pe über die Brust am schla­gen­den Her­zen ein­zu­set­zen. Zu- dem wer­den Form und Ma­te­ria­li­en der Klap­pen stän­dig op­ti­miert. Ed­wards in­ves­tiert 15% des Um­sat­zes in For­schung und Ent­wick­lung, was klar über dem Med­tech-Durch­schnitt liegt und auch künf­tig in die­ser Hö­he lie­gen soll, wie Mus­sal­lem be­stä­tigt.

Wich­tig für Ed­wards ist, mit den neu­en Pro­duk­ten nicht nur al­te Ope­ra­ti­ons­tech­ni­ken zu er­set­zen. «Der Zu­gang neu­er Pa­ti­en­ten­grup­pen ist ent­schei­dend», wie der CEO aus­führt. Ge­ra­de erst hat das Un­ter­neh­men die FDA-Be­wil­li­gung für den Ein­satz von Sa­pi­en für Hoch­ri­si­ko­pa­ti­en­ten so­wie für Pa­ti­en­ten, die we­gen an­de­rer Er­kran­kun­gen als nicht mehr ope­ra­ti­ons­fä­hig gel­ten, er­hal­ten. Die FDA liess sich mit ih­rer Zu­las­sung al­ler­dings un­ge­wöhn­lich lan­ge Zeit, was den Ak­ti­en­kurs von Ed­wards in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten un­ter Druck brach­te. Von dem Ent­scheid hing es ab, ob Ed­wards die Um­satz­vor­ga­be von 1,9 Mrd. $ für 2012 er­rei­chen wird.

Ho­he Wett­be­werbs­hür­den

In Eu­ro­pa wie­der­um, das Mus­sal­lem als Weg­be­rei­ter für al­le wei­te­ren Pro­dukt­ein­füh­run­gen be­zeich­net, hat sich das Wachs­tum ab­ge­schwächt. Ed­wards spürt die kri­seln­den Staats­haus­hal­te im Sü­den. In Grie­chen­land, Ita­li­en und Spa­ni­en wer­den ge­mäss Mus­sal­lem ins­ge­samt we­ni­ger Herz­klap­pen­ope­ra­tio­nen durch­ge­führt. Der CEO hat aber nicht vor, sei­ne Stra­te­gie in die­sen Märk­ten zu än­dern.

Sein Selbst­be­wusst­sein ent­spricht der ho­hen Be­wer­tung der Ak­ti­en. Ed­wards wer­den mit ei­nem KGV von 37 für 2012 ge­han­delt. Das soll­te je­doch nicht von ei­nem Ein­stieg ab­schre­cken. In­no­va­tio­nen im Med­tech-Sek­tor hat­ten schon im­mer ih­ren Preis. Ed­wards dürf­te zu­dem trotz neu­er Kon­kur­ren­ten wie St. Ju­de und der nicht ko­tier­ten Un­ter­neh­men Sy­me­tis und Je­na Val­ve lang­fris­tig den sehr ho­hen Markt­an­teil hal­ten, meint Ste­fan Blum, Port­fo­lio­ma­na­ger von BB Med­tech, die gut 3% des Fonds­ver­mö­gens in Ed­wards hält. Die Ge­sell­schaft ha­be ex­zel­len­te kli­ni­sche Da­ten ge­lie­fert, die ei­ne ho­he Wett­be­werbs­hür­de bil­den wür­den.

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