«Die star­ken Air­lines wer­den stär­ker, die schwa­chen schwä­cher»

CAR­O­LYN MCCALL Die Che­fin von Ea­sy­jet zum har­ten Wett­be­werb in der Bran­che und zu den Vor­tei­len des Low-cost-mo­dells

Finanz und Wirtschaft - - LOW-COST-FLUGG -

Gla­mour sucht man oh­ne Er­folg. Der um­ge­bau­te Han­gar ge­gen­über dem Lon­do­ner Vor­stadt­flug­ha­fen Lu­ton ist die Schalt­zen­tra­le von Ea­sy­Jet. Ab­ge­wetz­ter blau­grau­er Spann­tep­pich und die Far­be Oran­ge do­mi­nie­ren das Bild. Das Bü­ro von Car­o­lyn McCall, der star­ken Frau an der Spit­ze der Low-Cos­tAir­line, sucht man ver­ge­bens. Die Ea­syJe­tChe­fin sitzt mit­ten zwi­schen Dut­zen­den von An­ge­stell­ten in ei­nem Gross­raum­bü­ro an ei­nem en­gen Ge­mein­schafts­ar­beits­platz und sticht auf den ers­ten Blick nicht aus der Men­ge her­vor. Das än­dert sich schlag­ar­tig, wenn sie im Sit­zungs­zim­mer Platz nimmt. Ih­re Au­gen fun­keln, sie wirkt agil und lässt sich durch nichts aus der Ru­he brin­gen. In nur zwei­ein­halb Jah­ren ist es der ent­schei­dungs­freu­di­gen Ma­na­ge­rin ge­lun­gen, Ea­sy­Jet von ei­ner Bil­li­ga­ir­line mit no­to­ri­scher Ver­spä­tung und schlech­tem Kun­den­ser­vice in ein Vor­zei­ge­un­ter­neh­men zu wan­deln, das in der Bran­che in so gut wie je­dem Ver­gleichs­wert die eta­blier­ten Kon­kur­ren­ten wie Luft­han­sa und Bri­tish Air­ways hin­ter sich lässt. Das spie­gelt sich im Ak­ti­en­kurs. führt in ei­ner un­glaub­lich schwie­ri­gen Bran­che. Die­se Er­fah­rung hat mich auf die­sen Job ide­al vor­be­rei­tet. Was ist Ih­re gröss­te Er­run­gen­schaft der letz­ten zwei­ein­halb Jah­re? Un­se­re Per­for­mance. Ea­sy­Jet ist mitt­ler­wei­le die pünkt­lichs­te Flug­ge­sell­schaft. Wir ha­ben es von Som­mer 2010 bis heu­te ge­schafft, dass statt 51% mitt­ler­wei­le 89% un­se­rer Flü­ge pünkt­lich sind. Das ha­ben wir oh­ne gros­se In­ves­ti­tio­nen mit bes­se­rem Ma­nage­ment und ei­nem fast mi­li­ta­ris­ti­schen Pro­zess er­reicht. Mi­li­ta­ris­ti­scher Pro­zess? Je­der weiss ganz ge­nau, was er wann zu tun hat, je­der weiss, wo­für er ver­ant­wort­lich ist, und je­der weiss auch ganz ge­nau, wie wich­tig Pünkt­lich­keit ist. Als ich zu Ea­sy­Jet kam, hat­te trotz des ka­ta­stro­pha­len Werts von 51% nie­mand da­von ge­spro­chen. Der Kun­de und die Aus­wir­kun­gen von Ver­spä­tun­gen wa­ren kein The­ma. Al­le wa­ren nur mit Streiks und Vul­kan­aus­brü­chen be­schäf­tigt. Nach Ih­rer Amts­über­nah­me ha­ben Sie das gan­ze Ma­nage­ment durch­ein­an­der­ge­wir­belt. Wie ha­ben Sie sich so schnell ein Ur­teil ge­bil­det? Das war nicht schwer, glau­ben Sie mir. Es war of­fen­sicht­lich, dass die ope­ra­ti­ve Sei­te nicht funk­tio­nier­te. Mei­ne ers­te Pres­se­kon­fe­renz war in der Schweiz, wo ich mei­ne Zie­le vor­stel­len woll­te. Doch die ein­zi­gen Fra­gen wa­ren zu un­se­ren no­to­ri­schen Ver­spä­tun­gen. Die ope­ra­ti­ven Än­de­run­gen wa­ren schnell um­ge­setzt. Mir wur­de auch klar, dass wir eu­ro­päi­scher wer­den und die Län­der­chefs viel mehr Ein­fluss ha­ben müs­sen. Das zu än­dern, war we­gen der kul­tu­rel­len Un­ter­schie­de schwie­ri­ger. Das Um­feld für Air­lines ist noch im­mer bein­hart. Ea­sy­Jet ist ei­ne der we­ni­gen Air­lines, die Ge­winn ma­chen. Was macht Ea­sy­Jet bes­ser? Un­ser Mo­dell ist ganz ein­fach bes­ser. Wir be­nut­zen un­se­re Flug­zeu­ge öf­ter, wir ver­su­chen die Ge­büh­ren am Flug­ha­fen tief zu hal­ten, sind ef­fi­zi­en­ter im Ke­rosin­ver­brauch und ha­ben ei­ne ho­he Aus­las­tung. Zu­dem sind wir un­se­rem Mo­dell treu. So­bald wir mer­ken, dass Mass­nah­men wie zu­ge­teil­te Sitz­plät­ze un­se­re Pünkt­lich­keit ge­fähr­den, wür­den wir da­mit auf­hö­ren. Ea­sy­Jet gibt es seit sieb­zehn Jah­ren. Je­der weiss, wie Ihr Mo­dell funk­tio­niert. Was hat die Kon­kur­renz von Ih­nen ge­lernt? Die tra­di­tio­nel­len Ge­sell­schaf­ten ver­su­chen ih­re ei­ge­nen Low-Cost-Air­lines auf­zu­zie­hen. Doch die Schwie­rig­keit ist, dass das Fo­kus braucht. Ein­fach­heit ist Trumpf. Air­lines wie bei­spiels­wei­se Nor­we­gi­an, die neu auf den Markt drän­gen und Low Cost sein wol­len, sind nicht wirk­lich Low Cost. Die Aus­las­tung ist nicht hoch ge­nug und die Flot­te zu un­ein­heit­lich. Luft­han­sa hat Ger­m­anwings. IAG hat ein An­ge­bot für Vue­ling vor­ge­legt. Ha­ben Sie Angst vor der Of­fen­si­ve der Top-Air­lines im Low-Cost-Seg­ment? Angst auf kei­nen Fall. Wir heis­sen Kon­kur­ren­ten will­kom­men. Doch wir kämp­fen hart und wer­den uns durch­set­zen. Wie set­zen Sie sich durch? Egal, wel­che Stre­cke wir flie­gen, Ea­sy­Jet ist am güns­tigs­ten. Das ist un­ser Grund­satz. Wir ha­ben die Fle­xi­bi­li­tät da­zu und mehr Steh­ver­mö­gen als die Kon­kur­renz. Ea­sy­Jet hat den Ruf, güns­tig, aber nicht hoch­qua­li­ta­tiv zu sein. Den­noch ver­stär­ken Sie den An­griff auf die Bu­si­ness Class. Wer sagt, wir sei­en nicht hoch­qua­li­ta­tiv? Die Re­ak­ti­on dar­auf, dass man Ea­sy­Jet fliegt, ist noch im­mer nicht «Wow!» Ich glau­be, das stimmt nicht mehr. War­um soll ich mit TAP oder Bri­tish Air­ways flie­gen, wenn es Ea­sy­Jet gibt? Wir sind schnell, ef­fi­zi­ent, ha­ben vie­le Flü­ge, sind güns­tig und ha­ben ei­ne freund­li­che Cr­ew. Das zieht Ge­schäfts­rei­sen­de an. Durch die Re­zes­si­on ist die­ses Seg­ment un­ter Druck ge­ra­ten. Wir ge­win­nen ste­tig Markt­an­tei­le. Die schwie­ri­ge La­ge spielt uns in den Schoss.

Egal, wel­che Stre­cke Ea­sy­Jet fliegt, wir sind am güns­tigs­ten. Das ist un­ser Grund­satz.

Von aus­sen scheint es so, als wür­den Sie wich­ti­ge Bu­si­ness Hubs wie Zürich, Frankfurt und Madrid ver­nach­läs­si­gen. Madrid ver­liert ge­ra­de sei­nen Sta­tus als Ba­sis. In Madrid ist das Pro­blem ein an­de­res. Die Nach­fra­ge auf dem spa­ni­schen Markt ist zu­rück­ge­gan­gen. Un­se­re Pas­sa­gie­re kom­men von aus­ser­halb Spa­ni­ens. Das macht un­ser Ge­schäft nicht ein­fach. Der Grund für ei­ne Ba­sis, wo man Flug­zeu­ge am Flug­ha­fen hat, ist, die ers­te Wel­le von Ge- schäfts­rei­sen­den zu be­die­nen. Das brau­chen wir in Madrid und Bar­ce­lo­na nicht. In Frankfurt und Zürich wür­den Sie aber ge­nau die­se ers­te Wel­le be­die­nen. War­um ver­stär­ken Sie das Ge­schäft nicht? Das wür­den wir ger­ne, doch die Flug­hä­fen sind ganz ein­fach zu teu­er. Wir spre­chen mit bei­den Air­ports, aber die Preis­struk­tur stimmt für uns ganz ein­fach nicht. Der Flug­ha­fen Zürich sagt, er sei deut­lich bil­li­ger als He­a­throw, Frankfurt und Madrid. Reicht das nicht? Je­der Flug­ha­fen ist güns­ti­ger als Madrid. Sich mit He­a­throw zu ver­glei­chen, das ist ein­fach über­trie­ben. He­a­throw ist der wich­tigs­te Hub, wenn es um den An­schluss für Langstre­cken­flü­ge geht. Die meis­ten Flug­hä­fen ha­ben ein­ge­se­hen, dass sie ih­re Preis­struk­tur än­dern müs­sen, wenn sie mehr Vo­lu­men an­bie­ten wol­len. Zürich ge­hört nicht da­zu. Statt Zürich bau­en Sie in Ba­sel aus. Wie viel güns­ti­ger ist Ba­sel als Zürich? Ge­naue Zah­len kann ich Ih­nen nicht nen­nen. Doch der Un­ter­schied ist si­gni­fi­kant. Ea­sy­Jet fin­det im­mer neue Flug­hä­fen. Mit Sou­thend ha­ben Sie ei­nen neu­en Lon­do­ner Flug­ha­fen aus dem Hut ge­zau­bert. Wie sieht es in der Schweiz aus? Gibt es bald Flü­ge ab Bern? In Bern und an an­de­ren Flug­hä­fen in der Schweiz be­ste­hen ope­ra­ti­ve Ein­schrän­kun­gen. Des­halb wer­den wir uns wei­ter

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