Low Cost geht auch in der Kri­se

Finanz und Wirtschaft - - HAFTEN IM FOKUS - JS

Es gibt durch­aus gu­te Nach­rich­ten für die Air­line­bran­che. Welt­weit ist der Um­satz pro ge­flo­ge­nen Ki­lo­me­ter im lau­fen­den Jahr über 5% ge­stie­gen. Ge­mäss der Luft­fahrt­or­ga­ni­sa­ti­on Iata dürf­te die Zu­nah­me bis min­des­tens 2015 im glei­chen Rah­men an­hal­ten. Trotz hö­he­rer Ein­nah­men tut sich die Bran­che aber be­son­ders in Eu­ro­pa schwer. Un­ter dem Strich dürf­ten die eu­ro­päi­schen Flug­ge­sell­schaf­ten nicht nur die­ses, son­dern auch nächs­tes Jahr ro­te Zah­len schrei­ben. Der ho­he Ke­ro­sin­preis und der hart um­kämpf­te in­ner­eu­ro­päi­sche Flug­ver­kehr drü­cken auf die Mar­gen.

Ei­nes kris­tal­li­siert sich im­mer mehr her­aus: Wer in Eu­ro­pa Er­folg ha­ben will, der muss güns­ti­ge Flü­ge an­bie­ten. Das Low­Cost-Mo­dell hat sich durch­ge­setzt und ist auch in der Kri­se pro­fi­ta­bel. Des­halb ver­su­chen im­mer mehr tra­di­tio­nel­le Air­lines wie Luft­han­sa und Bri­tish Air­ways Ea­sy­Jet & Co zu ko­pie­ren und ih­re ei­ge­nen Low-Cos­tGe­sell­schaf­ten auf­zu­zie­hen.

Doch das ist nicht ein­fach. Die alt­ein­ge­ses­se­nen An­bie­ter schlep­pen zu vie­le «Alt­las­ten» mit sich und kom­men, was die Kos­ten be­trifft, nicht in die Nä­he der güns­ti­gen Kon­kur­renz. Ein durch­schnitt­li­cher Flug mit Ea­sy­Jet kos­tet den Pas­sa­gier rund 80 €, ei­ner mit Rya­nair gar nur 51 €. Für Rei­sen mit Luft­han­sa, Air Fran­ce und Bri­tish Air­ways muss er durch­schnitt­lich 250 bis 290 € hin­blät­tern. Trotz der nied­ri­gen Prei­se liegt die Mar­ge von Ea­sy­Jet und Rya­nair weit über je­ner der Kon­kur­renz.

In den USA ist es vie­len Flug­ge­sell­schaf­ten ge­lun­gen, die ma­ro­den Bi­lan­zen auf Vor­der­mann zu brin­gen. Da­zu kommt die nur noch lang­sam wach­sen­de Ka­pa­zi­tät an den Flug­hä­fen. Das hat­te zur Fol­ge, dass die US-An­bie­ter die Ti­cket­prei­se in letz­ter Zeit mehr­mals an­he­ben konn­ten. Ei­ne wei­te­re Kon­so­li­die­rung ist aber nur ei­ne Fra­ge der Zeit.

In den letz­ten Jah­ren ist es den Low­Cost-An­bie­tern ge­lun­gen, ihr Mo­dell zu per­fek­tio­nie­ren. Mitt­ler­wei­le sind sie ge­nau­so pünkt­lich wie Top-Air­lines und ha­ben in Sa­chen Kun­den­zu­frie­den­heit zu­ge­legt. Das Mo­dell hat den an­ge­neh­men Ne­ben­ef­fekt, dass in Kri­sen­zei­ten im­mer mehr Pas­sa­gie­re auf Low Cost um­stei­gen und es gleich­zei­tig ge­lingt, in wirt­schaft­lich gu­ten Zei­ten mit dem Markt zu wach­sen. Das ha­ben auch die An­le­ger ent­deckt, und die Kur­se der Bil­lig­an­bie­ter stei­gen. Wer in die­sen Trend in­ves­tie­ren will, für den gilt als Faust­re­gel, auf die pro­fi­ta­blen Bran­chen­lea­der zu set­zen. Das heisst nicht auf Air Berlin, Nor­we­gi­an Air, Spi­rit Air­lines und Fly­be, son­dern auf Ea­sy­Jet, AirA­sia und Je­tBlue.

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