«Gas­pipe­line Nord Stream ist gut po­si­tio­niert»

IN­TER­NA­TIO­NAL Plä­ne für zwei wei­te­re Strän­ge und Ver­län­ge­rung nach Gross­bri­tan­ni­en – Wett­streit der Pro­jek­te in Süd­ost­eu­ro­pa

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM/ROHSTOFFE - CLAU­DIA CARL

Für die Ener­gie­ver­sor­gung Eu­ro­pas ge­winnt Erd­gas an Be­deu­tung. Pi­pe­lines, die den Roh­stoff aus Russ­land, Aser­bai­dschan und Nord­afri­ka lie­fern sol­len, ste­hen im Wett­streit. Da­zu zählt auch Nord Stream mit Sitz in der Schweiz, in Zug. Fi­nanz­di­rek­tor Paul Cor­co­ran sieht gu­te Chan­cen für ei­nen Aus­bau des Pro­jekts, wie er an­läss­lich der Glo­bal Po­wer and Uti­li­ties Con­fe­rence der Wirt­schafts­prü­fungs- und Be­ra­tungs­ge­sell­schaft KPMG in Wien im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­klärt.

Ein Vor­teil ist Cor­co­ran zu­fol­ge der zeit­li­che Vor­sprung der Off­s­hore-Pi­pe­line durch die Ost­see. «Nord Stream ist gut po­si­tio­niert, um Gas auf den eu­ro­päi­schen Markt zu brin­gen. Es ist ein be­reits ent­wi­ckel­tes Pro­jekt mit vor­han­de­nen Ka­pa­zi­tä­ten», sagt der Ma­na­ger. Das ers­te Gas floss im Herbst 2011 durch die Pi­pe­line, im Ok­to­ber die­ses Jah­res wur­de die zwei­te Röh­re fer­tig. Da­mit ist die Ka­pa­zi­tät auf jähr­lich 55 Mrd. Ku­bik­me­ter ge­stie­gen. Die Bau­kos­ten be­tru­gen 7,4 Mrd. €.

Gaz­prom ist über­all

Die Ak­tio­nä­re von Nord Stream sind ne­ben der rus­si­schen Gaz­prom (51%) BASF/ Win­ters­hall, Eon Ruhr­gas (je 15,5%) so­wie Ne­der­land­se Gas­unie und GDF Su­ez (je 9%). Gaz­prom ist mit 50% an ei­nem zwei­ten Mul­ti­mil­li­ar­den­pro­jekt be­tei­ligt: South Stream, die Russ­land durch das Schwar­ze Meer mit Eu­ro­pa ver­bin­den soll. Gas im Um­fang von 63 Mrd. Ku­bik­me­tern könn­te ab En­de 2015 über die­se Rou­te flies­sen. Part­ner sind wie­der­um BASF/ Win­ters­hall, der fran­zö­si­sche Ver­sor­ger EDF und Eni aus Ita­li­en.

Russ­land will mit den Rou­ten die Un­ab­hän­gig­keit von Tran­sit­län­dern in Ost­eu­ro­pa ver­grös­sern. Gleich­zei­tig lau­fen in Süd­ost­eu­ro­pa wei­te­re Pro­jek­te, um sich Al­ter­na­ti­ven zum rus­si­schen Gas zu si­chern. Da­zu zäh­len die Trans Adria­tic Pi­pe­line ( TAP), an wel­cher der Schwei­zer Ver­sor­ger Ax­po zu 42,5% be­tei­ligt ist, und Na­buc­co mit dem deut­schen Ener­gie­kon­zern RWE und OMV aus Ös­ter­reich, die um den Zu­schlag aus Aser­bai­dschan buh­len (vgl. Kas­ten). Ei­ne er­war­te­te Nach­fra­ge­lü­cke von rund 200 Mrd. Ku­bik­me­tern Erd­gas in Eu­ro­pa, die um 2030 auf­tre­ten könn­te, stützt ge­mäss Cor­co­ran al­le der­zeit ge­plan­ten Pro­jek­te.

Die glo­ba­le Gas­nach­fra­ge dürf­te vor al­lem von den USA, dem Na­hen Os­ten und Chi­na ge­trie­ben wer­den, lau­te­te ei­ne The­se an der KPMG-Kon­fe­renz. Ei­ne an­de­re, dass die Wirt­schaft­lich­keit von Pi­pe- line­pro­jek­te un­ter heu­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen in Fra­ge ste­he.

Gaz­prom plant un­ge­ach­tet des­sen be­reits die nächs­ten Schrit­te. Es geht um die Er­wei­te­rung von Nord Stream um bis zu zwei wei­te­re Strän­ge. «BP ist in frü­hen Ge­sprä­chen mit Gaz­prom über ei­ne Pi­pe­line nach Gross­bri­tan­ni­en», er­klärt Cor­co­ran. Der Grund lie­ge auf der Hand. «Gross­bri­tan­ni­en wird in Eu­ro­pa vor­aus­sicht­lich die gröss­te Lü­cke zwi­schen ei­ge­nen Res­sour­cen und der künf­ti­gen Nach­fra­ge ha­ben», sagt er.

Erst im Som­mer hat­te Gaz­prom mit EDF ei­ne Zu­sam­men­ar­beit für den Bau und den Be­trieb von Gas­kraft­wer­ken in Eu­ro­pa lan­ciert. Mit die­sem Vor­ha­ben geht es dem rus­si­schen Ener­gie­rie­sen vor al­lem dar­um, die Wert­schöp­fungs­ket­te zu er­wei­tern. Ein ähn­li­ches Pro­jekt mit RWE war zu­vor nicht zu­stan­de ge­kom­men.

Wich­ti­ges Flüs­sig­gas

Für den fi­nan­zi­el­len Er­folg der Pro­jek­te spielt die zu­neh­men­de Ver­füg­bar­keit von ver­flüs­sig­tem Erd­gas (Li­que­fied Na­tu­ral Gas, LNG) aus Nord­ame­ri­ka ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Dies wirkt sich in Ver­bin­dung mit ei­ner ver­hal­te­nen Nach­fra­ge von­sei­ten der Wirt­schaft ge­gen­wär­tig preis­dämp­fend aus. «Wir sind der­zeit in ei­ner un­ge­wöhn­li­chen Si­tua­ti­on, we­gen der Über­ver­sor­gung mit LNG und der Re­zes­si­on», sagt der Nord-Stream-Fi­nanz­di­rek­tor. An­ge­bot und Nach­fra­ge sol­len sich aber schon in ei­ni­gen Jah­ren wie­der an­glei­chen. «Wir rech­nen mit ei­ner ho­hen Nach­fra­ge nach rus­si­schem Gas», so Cor­co­ran zu den Per­spek­ti­ven.

Die Bin­dung des Gas­prei­ses an den Öl­preis dürf­te an Be­deu­tung ver­lie­ren. «Ei­ne Kom­po­nen­te in der Preis­fi­xie­rung be­rück­sich­tigt be­reits den Spot-Markt», so Cor­co­ran. Die­ser Trend wer­de an­hal­ten. Lang­fris­ti­ge Lie­fer­ver­trä­ge sei­en aber ein zu­kunfts­träch­ti­ges Mo­dell, weil sie den Ab­neh­mern Pla­nungs­si­cher­heit bie­ten. «Ver­flüs­sig­tes Erd­gas ist ei­ne vo­la­ti­le Op­ti­on», zeigt sich Cor­co­ran hin­ge­gen über­zeugt. Ein Gross­teil des ver­flüs­sig­ten Erd­ga­ses dürf­te in Zu­kunft nach Asi­en ge­hen, weil dort hö­he­re Prei­se er­zielt wür­den. Gleich­zei­tig sei­en die Spot-Märk­te als Be­zugs­quel­le für Erd­gas ge­gen­wär­tig nicht li­qui­de ge­nug und die Preis­ent­wick­lung für die Ener­gie­pro­du­zen­ten zu un­vor­her­seh­bar und vo­la­til.

Rund 56 000 Röh­ren wur­den für den Bau der Nord-Stream-Gas­pipe­line ge­braucht.

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