Was Nest­lé hilft und BASF an­zieht

EU­RO­PA Her­stel­ler von Zu­satz­stof­fen für Nah­rungs­mit­tel und Pfle­ge­pro­duk­te be­set­zen at­trak­ti­ves Ge­biet – Spe­zia­lis­ten sind Ge­gen­stand von Über­nah­me­fan­ta­sie

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Ei­nes Be­wei­ses hät­te es nicht mehr be­durft. Der deut­sche Che­mie­kon­zern BASF hat ihn den­noch ge­lie­fert. Sei­ne letz­te Wo­che lan­cier­te Über­nah­me­of­fer­te für Pro­no­va Bio­Phar­ma – ei­nen Spe­zia­lis­ten für Ome­ga-3-Fett­säu­ren – un­ter­streicht: Das Ge­schäft mit Zu­satz­stof­fen – für Nah­rungs­mit­tel, Ge­sund­heits­prä­pa­ra­te und Pfle­ge­pro­duk­te – ist at­trak­tiv. Es bie­tet gu­te Wachs­tums­per­spek­ti­ven, ver­spricht an­sehn­li­che Mar­gen und de­mons­triert in wirt­schaft­lich schwa­chen Zei­ten ho­he Wi­der­stands­kraft.

Ent­spre­chend gross ist das In­ter­es­se an (fo­kus­sier­ten) Un­ter­neh­men aus die­sem Ar­beits­feld, das von Aro­men und Kul­tu­ren über na­tür­li­che Farb- und Kon­ser­vie­rungs­stof­fe bis zu (ak­ti­ven) Pfle­ge­wirk­stof­fen und ge­sund­heits­dien­li­chen Nah­rungs­und Arz­nei­mit­tel­zu­sät­zen ei­nen wei­ten Bo­gen spannt. Das In­ter­es­se kommt aus der che­mi­schen In­dus­trie, aber auch vom Ak­ti­en­markt. Die US-In­vest­ment­bank J. P. Mor­gan zum Bei­spiel ver­folgt das The­ma seit ge­rau­mer Zeit und wid­met ihm ei­ge­ne Con­su­mer-In­gre­dients-Kon­fe­ren­zen.

Hoch­mar­gi­ges Wachs­tum

Breit wie das Ar­beits­ge­biet ist auch das Spek­trum der Un­ter­neh­men, die sich ihm ver­schrie­ben ha­ben. Aus­ser Giv­au­dan, Cro­da In­ter­na­tio­nal, Chr. Han­sen, CSM und Na­tur­ex (vgl. Por­träts un­ten) be­wegt sich ei­ne Viel­zahl an­de­rer Spe­zia­lis­ten in die­ser Ni­sche. Zu nen­nen sind et­wa Ta­te & Lyle (Süss­stof­fe, Stär­ke­pro­duk­te, Säue­rungs­mit­tel), die iri­sche Ker­ry Group (u. a. Le­bens­mit­tel­zu­sät­ze und -aro­men) und der Giv­au­dan-Mit­be­wer­ber Sym­ri­se. Die Bran­che ins­ge­samt ist frag­men­tiert, doch in den Teil­be­rei­chen herr­schen zu­wei­len oli­go­po­lis­ti­sche Struk­tu­ren.

Aus­ser mit gu­ten Mar­gen, die dem in­no­va­ti­ons­ge­trie­be­nen Cha­rak­ter und oft ho­hen Markt­ein­tritts­hür­den ge­schul­det sind, er­klärt sich die At­trak­ti­vi­tät des Ge­schäfts auch da­mit, dass die be­lie­fer­ten Bran­chen de­fen­siv und wachs­tums­kräf­tig sind. Die Nach­fra­ge nach vor­ge­fer­tig­ten Le­bens­mit­teln steigt, die Welt­be­völ­ke­rung wächst, und für im­mer mehr Men­schen in Schwel­len­län­dern wer­den ver­ar­bei­te­te Ess­wa­ren und Pfle­ge­pro­duk­te er­reich­bar.

Ein wei­te­rer Fak­tor sind die Trends zu ge­sün­de­ren und zu funk­tio­na­len Le­bens­mit­teln. Sie be­güns­ti­gen die An­rei­che­rung mit na­tür­li­chen Schutz­stof­fen – Bei­spie­le sind Phy­to­nähr­stof­fe und kon­zen­trier­te Ome­ga-3-Fett­säu­ren – oder den Er­satz von Zu­cker und Salz durch Ing­re- di­en­zi­en von Aro­men­her­stel­lern, die Süs­se und Sal­zig­keit nach­bil­den. Ge­ne­rell ge­win­nen im Nah­rungs­mit­tel­be­reich – aber auch bei Pfle­ge­pro­duk­ten – na­tür­li­che Zu­satz- und In­halts­stof­fe an Be­deu­tung. Im Pfle­ge­pro­dukt­sek­tor be­steht zu­dem ein un­still­ba­res Ver­lan­gen nach zu­sätz­li­chen und noch bes­se­ren Pro­duk­t­ei­gen­schaf­ten.

We­gen der gu­ten Aus­sich­ten, des de­fen­si­ven Ge­schäfts­cha­rak­ters, der er­ziel­ba­ren Mar­gen und der teils klein­tei­li­gen Bran­chen­struk­tur wird der Markt für Zu­satz­stof­fe für Le­bens­mit­tel, Pfle­ge­pro­duk­te und Ge­sund­heits­prä­pa­ra­te wei­ter von Über­nah­me­tä­tig­keit ge­prägt sein.

Kon­so­li­die­rung läuft

Der An­trieb für Über­nah­men kommt vom Stre­ben nach Grös­se und vom Wunsch, das ei­ge­ne Ge­schäft durch neue Tech­no­lo­gi­en und neue Kun­den­be­zie­hun­gen zu stär­ken. Das gilt zum ei­nen von Un­ter­neh­men aus der Bran­che selbst. Un­ter ih­nen sieht et­wa J. P. Mor­gan die Ker­ry Group und Ta­te & Lyle als Haupt­kon­so­li­die­rer. Bei Ta­te & Lyle könn­te ein In­ter­es­se auf mehr Tech­no­lo­gie und auf ei­ne Er­wei­te­rung der Ak­ti­vi­tä­ten zie­len, bei Ker­ry in ers­ter Li­nie auf mehr Grös­se.

Zum an­dern wird das Seg­ment von brei­ter auf­ge­stell­ten Che­mie­un­ter­neh­men be­ob­ach­tet, die be­ste­hen­de oder ver­wand­te Ge­schäf­te er­wei­tern und mehr Kon­junk­tur­re­sis­tenz er­rei­chen wol­len. So tritt der nie­der­län­di­sche Spe­zi­al­che­mie­kon­zern DSM re­gel­mäs­sig als Käu­fer auf, um sein Ge­schäft mit Nah­rungs­mit­tel­zu­sät­zen zu stär­ken. Auch DuPont be­ab­sich­tigt, nach dem mil­li­ar­den­schwe­ren Zu­kauf von Da­nis­co (2011) das Seg­ment Nut­ri­ti­on & He­alth wei­ter aus­bau­en.

BASF will das Port­fo­lio eben­falls wei­ter in Rich­tung kun­den­na­he Ge­schäfts­fel­der ent­wi­ckeln. Die Ak­qui­si­ti­on von Co­gnis – ei­nes «grü­nen» Spe­zi­al­che­mie­an­bie­ters mit di­ver­sen Par­al­le­len zu Cro­da – ist ein Bei­spiel. Zu­dem sieht BASF die Zu­kunft der Che­mie we­ni­ger in der Ent­wick­lung wei­te­rer Che­mi­ka­li­en, son­dern mehr im Her­vor­brin­gen von neu­en Ma­te­ria­li­en/ Pro­duk­ten so­wie von Sys­tem­lö­sun­gen durch die Kom­bi­na­ti­on von Know-how aus ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen.

Da­her liegt es na­he, dass die BASF wei­te­re Con­su­mer Che­mi­cals zu­kau­fen wird. Et­li­che Ana­lys­ten, dar­un­ter auch die von Cre­dit Suis­se, hal­ten es zu­dem für mög­lich, dass sie ih­re Füh­ler der­einst in Rich­tung Cro­da oder ei­nes An­bie­ters von Aro­men und Duft­stof­fen aus­stre­cken wird. Das fehl­ge­schla­ge­ne An­ge­bot von Bay­er

Ope­ra­ti­ve Mar­gen (Ebit) für Schiff Nut­ri­ti­on ver­deut­licht aber auch: An­bie­ter von Zu­sät­zen für Nah­rungs­mit­tel, Pfle­ge­pro­duk­te und Ge­sund­heits­prä­pa­ra­te sind meist statt­lich be­wer­tet.

Vor­zü­ge ha­ben ih­ren Preis

Bay­er hat­te mit mehr als dem Zwölf­fa­chen Ebit­da ei­nen ho­hen Preis of­fe­riert und wur­de doch von Re­ckitt Ben­cki­ser über­bo­ten. Die oft ho­hen Be­wer­tun­gen in die­sem Be­reich spie­geln die Vor­zü­ge des Ge­schäfts und sind da­her zu­min­dest ein Stück weit be­rech­tigt. Doch auch Boo­mef­fek­te zei­gen mit­un­ter ih­ren Ein­fluss. Das mag ein Grund sein, wes­halb Wert­schrif­ten­häu­ser mit Kauf­emp­feh­lun­gen für Ak­ti­en aus dem Be­reich zu­rück­hal­tend sind und meist nur zu ei­nem Hal­ten ra­ten.

Giv­au­dan, Cro­da und Chr. Han­sen ste­hen im Zu­satz­stoff­ge­schäft für gut auf­ge­stell­te Un­ter­neh­men mit füh­ren­den Po­si­tio­nen und ei­nem be­ein­dru­cken­den Er­trags­pro­fil. Der Preis für die­se Qua­li­tät sind Be­wer­tungs­kenn­zah­len, die weit über de­nen ei­nes Che­mie­stan­dard­werts wie BASF und zum Teil auch über de­nen von No­var­tis lie­gen. Doch im Ver­gleich mit der je­weils ei­ge­nen His­to­rie re­la­ti­viert sich der Ein­druck ei­ner ho­hen Be­wer­tung zum Teil: Giv­au­dan sind an­ge­mes­sen, Cro­da leicht hö­her be­wer­tet; Chr. Han­sen da­ge­gen wir­ken teu­er. Viel Raum für Kurs­stei­ge­run­gen er­öff­net all das zwar nicht, die Chan­cen auf Avan­cen sind aber in­takt. Im Au­ge zu be­hal­ten sind für ri­si­ko­fä­hi­ge An­le­ger aber auch die Ak­ti­en von CSM, denn sie ste­hen vor ei­ner Neu­be­wer­tung.

Auch die Jo­ghurt­pro­duk­ti­on ist auf Zu­lie­fe­rer an­ge­wie­sen wie Chr. Han­sen und CSM.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.