Show­down im Us-mo­bil­funk­markt

USA Ho­he Be­wer­tung der Markt­füh­rer ist kaum zu recht­fer­ti­gen – Kon­so­li­die­rung schützt nicht vor stei­gen­dem Wett­be­werbs­druck

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - DIETEGEN MÜL­LER,

Die Blue Chips un­ter den US-Tele­com­ak­ti­en – AT&T und Ve­ri­zon – ha­ben die In­ves­to­ren bis­her nicht ent­täuscht – an­ders als ih­re eu­ro­päi­schen Bran­chen­kol­le­gen. Un­ter Di­vi­den­den­jä­gern sind sie we­gen ih­rer ho­hen Ren­di­te be­liebt, und dank Wachs­tums­fan­ta­sie ver­moch­ten sie Kurs­ge­win­ne zu er­zie­len. Der US-Mo­bil­funk­markt hat nicht nur we­gen der wach­sen­den Be­völ­ke­rung noch Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al. Im Breit­band­ge­schäft kom­men die USA ge­mäss OECD in der Markt­durch­drin­gung nur auf Platz fünf­zehn – die Schweiz ist hier füh­rend.

Doch ro­sig ist die Zu­kunft der US-Tel­cos des­we­gen nicht. Wäh­rend in Eu­ro­pa die Be­las­tun­gen aus re­gu­la­to­ri­schen Ein­grif­fen – et­wa Kür­zung der Netz­ent­gel­te – lang­sam ver­daut sind und der Preis­kampf et­was ab­ge­flaut ist, dürf­ten auf dem US-Markt die Mar­gen selbst der so­li­den An­bie­ter eher un­ter Druck ge­ra­ten. Dies auch, weil es nun zum gros­sen Kon­so­li­die­rungs-Show­down kommt.

Te­le­kom hofft auf App­le

Läuft al­les nach Plan, wird sich die Deut­sche-Te­le­kom-Toch­ter T-Mo­bi­le bald den fünft­gröss­ten Mo­bil­funk­an­bie­ter des Lan­des, Me­tro PCS (vgl. Gra­fik), ein­ver­leibt ha­ben. Die mit sin­ken­den Kun­den­zah­len und un­ter­durch­schnitt­li­chem Um­satz aus Da­ten­nut­zung kämp­fen­de T-Mo­bi­le USA will mit Me­tro PCS zu den Markt­füh­rern Ve­ri­zon und AT&T auf­rü­cken. Ob der Deal T-Mo­bi­le USA/Me­tro PCS durch­kommt, ist nach Nach­fra­gen des Jus­tiz­de­par­te­ments, das zu­stim­men muss, et­was un­si­cher ge­wor­den. Auch sind Ak­tio­närs­kla- gen ge­gen das Ver­schmel­zungs­an­ge­bot hän­gig. Me­tro PCS er­klär­te aber, wei­ter­hin ei­nen Ab­schluss der Trans­ak­ti­on im ers­ten Halb­jahr 2013 zu er­war­ten. Die Te­le­kom ver­spricht sich aus dem Deal Sy­ner­gi­en im Bar­wert von 6 bis 7 Mrd. $ und hofft, App­le da­von zu über­zeu­gen, das iPho­ne nun auch über T-Mo­bi­le USA zu ver­trei­ben. Bis­her ko­ope­riert App­le nicht, was er­heb­lich Markt­an­tei­le ge­kos­tet hat.

Un­ru­he kommt auch in den Markt, weil der ja­pa­ni­sche Tele­com­kon­zern Soft-

Ve­ri­zon bank in ei­nem ge­wag­ten Deal die Num­mer drei, Sprint Nex­tel, für gut 20 Mrd. $ über­neh­men will. Mit ei­nem fi­nanz­kräf­ti­gen Part­ner kann Sprint bes­ser not­wen­di­ge In­fra­struk­tur­in­ves­ti­tio­nen et­wa in die su­per­schnel­le LTE-Netz­tech­no­lo­gie stem­men oder ei­nen Preis­krieg an­zet­teln.

Der Soft­bank-Ein­stieg ist es­sen­zi­ell: Oh­ne fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung droht Sprint Nex­tel zu­rück­zu­fal­len und von T-Mo­bi­le USA/Me­tro PCS in die Zan­ge ge­nom­men zu wer­den, glaubt Bran­chen-

Markt­an­tei­le USA ken­ne­rin Ro­bin Bie­nen­stock von Bern­stein Re­se­arch. Of­fen ist, was Sprint mit der Cle­ar­wire-Be­tei­li­gung macht. Soft­bank will die An­tei­le über­neh­men, doch könn­te der Re­gu­la­tor Be­schrän­kun­gen auf­er­le­gen. Sprint will zu­dem ei­nen Teil des Wett­be­wer­bers U.S. Cel­lu­lar über­neh­men. Bei den fi­nan­zi­ell pre­kär po­si­tio­nier­ten Klein­an­bie­tern wird es al­so noch Ar­ron­die­run­gen ge­ben. Sehr un­wahr­schein­lich ge­wor­den ist das Sze­na­rio ei­ner Fu­si­on von Sprint mit T-Mo­bi­le USA. An­fang 2012 hat­te die US-Kar­tell­be­hör­de den Ver­kauf von T-Mo­bi­le USA an AT&T un­ter­sagt. Wür­de un­ter der Re­gie­rung Oba­ma nun ei­ne an­de­re Gross­fu­si­on ge­neh­migt, wä­re dies ei­ne faust­di­cke Über­ra­schung.

Wie in Eu­ro­pa ste­hen in den USA auch mil­li­ar­den­schwe­re Netz­in­ves­ti­tio­nen an. AT&T will die Aus­ga­ben er­hö­hen, auch weil die Ser­vice­qua­li­tät noch ver­bes­se­rungs­fä­hig ist. Ve­ri­zon ist zu­rück­hal­ten­der. Ein Un­si­cher­heits­fak­tor ist da­bei, was Vo­da­fo­ne künf­tig mit ih­rer 45%-Be­tei­li­gung an Ve­ri­zon Wi­re­less vor­hat. Zö­ge sich Vo­da­fo­ne zu­rück, dürf­te ein Ak­ti­en­über­hang die Ve­ri­zon-Va­lo­ren be­las­ten. Ihr Kurs-Buch­wert-Ver­hält­nis be­trägt – auch im Ver­gleich zu den Wett­be­wer­bern – am­bi­tio­nier­te 3,3. Zu­gu­te­zu­hal­ten ist Ve­ri­zon ei­ne ho­he In­no­va­ti­ons­kraft. Seit Früh­jahr bie­tet die Grup­pe et­wa ein neu­es Ta­rif­mo­dell an. Je­der Kun­de kann al­le sei­ne End­ge­rä­te über ei­nen ein­zi­gen Ver­trag mit li­mi­tier­ter Da­ten­men­ge nut­zen. Die Markt­be­ob­ach­te­rin Yan­kee Group hält den An­satz für ra­di­kal und viel­ver­spre­chend.

Dish als Jo­ker im Markt

Zen­tral für die wei­te­re Markt- und Preis­ent­wick­lung wird aber sein, ob es zum Neu­ein­tritt von Quer­ein­stei­gern kommt. Dies könn­te ei­ne neue Wett­be­werbs­qua­li­tät in den Markt brin­gen und die eta­blier­ten An­bie­ter mas­siv un­ter Druck set­zen. Der Sa­tel­li­ten-TV-An­bie­ter Dish Net­work will et­wa ein ei­ge­nes Mo­bil­funk­netz auf­bau­en – und be­kommt ge­mäss dem «Wall Street Jour­nal» wo­mög­lich Rü­cken­de­ckung von Goog­le. Mac­qua­rie Se­cu­ri­ties hält es ab­ge­se­hen da­von für wahr­schein­lich, dass Dish ein Ge­gen­an­ge­bot zur Te­le­komOf­fer­te für Me­tro PCS lan­ciert.

Denn bis­her kann Dish ih­re Plä­ne nicht wie ge­wünscht um­set­zen: Der Re­gu­lie­rer FCC hat der Grup­pe im No­vem­ber zwar die Nut­zung be­stimm­ter Mo­bil­funk­fre­quenz­bän­der er­laubt, aber en­ge Gren­zen ge­steckt. Dish klagt, da­mit sei ihr ge­plan­tes Ge­schäfts­mo­dell mit Bün­de­l­an­ge­bo­ten nicht um­setz­bar. Ge­mäss FCC wür­de ei­ne zu lo­cke­re Nut­zungs­be­stim­mung den Wert der Fre­quen­zen schmä­lern, die für ei­ne kom­mer­zi­el­le Nut­zung in ei­ner Auk­ti­on frei­ge­ge­ben wer­den sol­len.

Ge­lingt Dish der Schul­ter­schluss mit ei­nem fi­nanz­kräf­ti­gen und tech­no­lo­gie­er­fah­re­nen Part­ner, könn­te dies nicht nur den ei­ge­nen Ak­ti­en Im­pul­se ver­lei­hen, son­dern die Wett­be­wer­ber un­ter Druck set­zen. Die ho­he Be­wer­tung von Ve­ri­zon und AT&T wä­re dann schwie­rig zu recht­fer­ti­gen. Es emp­fiehlt sich des­halb, hier Ge­win­ne mit­zu­neh­men.

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