Die Welt zit­tert vor der Us-fis­kal­k­lip­pe

Der welt­gröss­ten Wirt­schaft droht En­de Jahr der Sturz ins Elend

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MISCHA STÜNZI

Was ist die Fis­kal­k­lip­pe? Zum Jah­res­wech­sel wer­den Mass­nah­men zur Kür­zung des Staats­de­fi­zits in Kraft tre­ten. Un­ter an­de­rem lau­fen Steu­er­ra­bat­te aus, die un­ter der Ägi­de von Ge­or­ge W. Bush ver­ab­schie­det wur­den. Zu­dem sol­len die Staats­aus­ga­ben dras­tisch ge­kürzt wer­den. Vor al­lem dem Mi­li­tä­re­tat wird es an den Kra­gen ge­hen. Ins­ge­samt re­du­zie­ren die Mass­nah­men das Haus­halts­de­fi­zit im nächs­ten Jahr ge­mäss der Bud­get­be­hör­de CBO um rund 500 Mrd. auf 641 Mrd. $. Man­cher rech­net zu­dem das Schul­den­dach zur Fis­cal Cliff. Die Staats­schul­den er­rei­chen vor­aus­sicht­lich im Ja­nu­ar ihr ge­setz­li­ches Li­mit von 16,4 Bio. $. Da­mit das Land zah­lungs­fä­hig bleibt, muss der Kon­gress die Gren­ze an­he­ben. Ein Ge­spenst geht um in Ame­ri­ka – das Ge­spenst der Fis­kal­k­lip­pe. An­le­ger er­zit­tern, al­lein wenn sie sei­nen Na­men hö­ren. Ge­bannt schau­en die Märk­te nach Ame­ri­ka und kom­men­tie­ren je­de Re­gung in der po­li­ti­schen De­bat­te um die Fis­cal Cliff. Doch wo­rum geht es ei­gent­lich? Was steht auf dem Spiel? Und wel­che Aus­wir­kun­gen hat die Klip­pe auf Wirt­schaft und Fi­nanz­märk­te? Fra­gen über Fra­gen. FuW hat die Ant­wor­ten. Wel­che wirt­schaft­li­chen Fol­gen hät­te die fis­ka­li­sche Klip­pe? Staats­aus­ga­ben sind ein we­sent­li­cher Be­stand­teil des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP). Die be­schlos­se­ne Aus­ga­ben­kür­zung wür­den das BIP so­mit sen­ken. Oh­ne Steu­er­ra­bat­te wür­de gleich­zei­tig das ver­füg­ba­re Ein­kom­men der Haus­hal­te schrump­fen. Sie müss­ten ih­re Aus­ga­ben eben­falls dros­seln. Das CBO rech­net vor: Wenn die Fis­kal­k­lip­pe in vol­lem Um­fang wirk­sam wird, steht Ame­ri­ka vor ei­ner Re­zes­si­on. Das BIP wür­de 2013 um 0,5% schrump­fen. War­um um­geht die Po­li­tik die Fis­cal Cliff nicht ein­fach? Weil die De­mo­kra­ten nach links aus­wei­chen möch­ten – die Re­pu­bli­ka­ner nach rechts. Die De­mo­kra­ten wol­len nicht wei­ter gut ver­die­nen­de Ame­ri­ka­ner mit Steu­er­ra­bat­ten sub­ven­tio­nie­ren. An­de­rer­seits schmerzt es sie, den Rot­stift bei So­zi­al­pro­gram­men wie Me­di­ca­re an­zu­set­zen. Die Re­pu­bli­ka­ner da­ge­gen weh­ren sich ge­gen Steu­er­er­hö­hun­gen. Vie­le ha­ben ei­nen Eid ab­ge­legt, sie wür­den nie­mals hö­he­ren Steu­ern zu­stim­men. Es ist wie im Film «Denn sie wis­sen nicht was sie tun»: Bei­de Par­tei­en ra­sen auf die Klip­pe zu; wer zu­erst aus dem Wa­gen springt, hat ver­lo­ren. Die Wahr­schein­lich­keit ist je­doch gross, dass es im letz­te Mo­ment zu ei­nem Kom­pro­miss kommt. Zeich­net sich be­reits ei­ne Lö­sung ab? Noch ist kein kon­kre­ter Kom­pro­miss ab­seh­bar. Die Fron­ten schei­nen sich in den letz­ten Wo­chen al­ler­dings auf­zu­wei­chen. Meh­re­re re­pu­bli­ka­ni­sche Par­la­men­ta­ri­er ha­ben dem An­ti-Steu­e­reid ab­ge­schwo­ren. Nach der Wahl­nie­der­la­ge for­dern zu­dem ver­schie­de­ne Ex­po­nen­ten der Grand Old Par­ty mehr Kom­pro­miss­be­reit­schaft. Wenn die Po­li­tik frü­her oder spä­ter sehr wahr­schein­lich ei­ne Lö­sung für die Fis­cal Cliff fin­det, was ist das Pro­blem? So­lan­ge kei­ne Über­ein­kunft vor­liegt, herrscht Un­si­cher­heit. Ers­tens ist nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen, dass die Fron­ten doch ver­här­te­ter sind als an­ge­nom­men. So ver­här­tet viel­leicht, dass kein Kom­pro­miss mög­lich ist. Zwei­tens wis­sen we­der die Un­ter­neh­men noch die Kon­su­men­ten, wie vie­le Auf­trä­ge der Staat im nächs­ten Jahr noch ver­gibt und wie viel Dol­lar er ih­nen aus der Ta­sche zieht. Wer gibt un­ter die­sem Um­stän­den schon gern Geld aus? Könn­ten sich die Par­tei­en auf ein so­ge­nann­tes Grand Bar­gain ei­ni­gen? Als Grand Bar­gain be­zeich­nen die Ame­ri­ka­ner die sa­lo­mo­ni­sche Lö­sung, die ei­ner­seits das De­fi­zit re­du­ziert, an­de­rer­seits die Kon­junk­tur nicht in die Knie zwingt. Ver­schie­de­ne Kom­mis­sio­nen und Be­hör­den ha­ben be­reits Vor­schlä­ge für ein Grand Bar­gain ge­macht. Die Po­li­ti­ker wer­den sich al­ler­dings kaum noch in die­sem Jahr auf ei­nen da­von ei­ni­gen kön­nen. Na­he­lie­gen­der ist, dass sie ei­ne kurz­fris­ti­ge Lö­sung fin­den und in ein paar Mo­na­ten er­neut über das Bud­get de­bat­tie­ren. Sol­len die Po­li­ti­ker an­ge­sichts der ho­hen Schul­den­quo­te die Fis­kal­k­lip­pe über­haupt um­schif­fen? Mit den be­schlos­se­nen Mass­nah­men wird zwar das De­fi­zit re­du­ziert. Wirk­lich glück­lich ist da­mit aber nie­mand – selbst die Re­pu­bli­ka­ner nicht, die lie­ber heu­te als mor­gen ein aus­ge­gli­che­nes Bud­get hät­ten. Zu un­aus­ge­wo­gen ist das Pa­ket. Und: Egal wie der Kom­pro­miss lau­tet, er wird das De­fi­zit eben­falls re­du­zie­ren. Was wür­de an den Märk­ten pas­sie­ren, wenn die Po­li­ti­ker bis zum Jah­res­en­de kei­ne Lö­sung ge­fun­den ha­ben? In dem Sze­na­rio wür­de es zu er­heb­li­chen Un­ru­hen kom­men an den Märk­ten. Ak­ti­en wür­den deut­lich kor­ri­gie­ren – zu­mal die­ser Ver­hand­lungs­aus­gang kaum ein­ge­preist ist. Zu­dem könn­ten die Ra­ting­agen­tu­ren das po­li­ti­sche Sys­tem als funk­ti­ons­un­fä­hig an­schau­en und Ame­ri­kas Kre­dit­wür­dig­keit des­halb in Fra­ge stel­len. Trotz­dem dürf­te die Nach­fra­ge nach Tre­a­su­ries un­ge­bro­chen blei­ben oder gar stei­gen. Sie und der Dol­lar ge­win­nen oft in Zei­ten gros­ser Un­si­cher­heit. Und sol­che Zei­ten bre­chen nächs­tes Jahr be­stimmt an, wenn Washington kei­nen Kom­pro­miss fin­det. Mehr Ant­wor­ten zur Fis­cal Cliff fin­den Sie un­ter: fuw.ch/011212-1

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