Das Tro­ja­ni­sche Pferd

Athen will Schul­den zu 30% zu­rück­kau­fen – Un­rea­lis­ti­sche Iwf-sze­na­ri­en – Nächs­ter Hair­cut kommt

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TOMMASO MANZIN

Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) pocht seit lan­gem auf ei­nem Schul­den­schnitt für Grie­chen­land un­ter Be­tei­li­gung der öf­fent­li­chen Schuld­ner. Das lehnt aber nicht nur die Eu­ro­grup­pe ab, son­dern auch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank, mit rund 53 Mrd. die gröss­te öf­fent­li­che Gläu­bi­ge­rin At­hens. Sie be­ruft sich auf ihr Ver­bot der di­rek­ten Staats­fi­nan­zie­rung.

Und wie steht es mit den pri­va­ten In­ves­to­ren. Dreh- und An­gel­punkt des Kom­pro­mis­ses von An­fang Wo­che zwi­schen IWF und Eu­ro­grup­pe ist das Rück­kauf­pro­gramm für ei­ge­ne An­lei­hen. Es ist ei­ne der Be­din­gun­gen, da­mit die Troi­ka am 13. De­zem­ber die 43 Mrd. € end­gül­tig über­weist. Am 7. De­zem­ber soll der Rück­kauf ope­ra­tiv sein. Es geht um An­lei­hen über 62,1 Mrd. € (vgl. Gra­fik).

Die De­tails des Rück­kaufs

Grie­chen­land will Ex­per­ten zu­fol­ge die An­lei­hen zum Schluss­kurs per 23. No­vem­ber zu­rück­kau­fen. Über Lauf­zei­ten bis 2022 und 2042 ge­se­hen er­gibt sich durch­schnitt­lich ein Preis von rund 30% des No­mi­nal­werts. Athen will für 10 Mrd. € no­mi­nel­le Ver­pflich­tun­gen von rund 31 Mrd. € zu­rück­kau­fen. Das Land senkt sei­ne Schul­den so um 20 Mrd. €. Da­mit müs­sen min­des­tens 50% der An­le­ger «zu­grei­fen».

Auf An­fra­ge von «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­klärt Da­ni­el Hart­mann von der Bant­le­on Bank, dass der Rück­kauf höchst­wahr­schein­lich durch Gel­der fi­nan­ziert wird, die Grie­chen­land be­reits vom EFSF her zu­ge­sagt sind. Die­ses Geld feh­le dann al­ler­dings an­ders­wo.

Auf­tei­lung der grie­chi­schen Schul­den

Wo be­steht der An­reiz, auf das An­ge­bot ein­zu­ge­hen? Die An­le­ger er­hiel­ten im Schul­den­schnitt von März neue An­lei­hen und zahl­ten den vol­len Nenn­wert. Die neu­en Bonds wur­den aber so­fort deut­lich un­ter dem No­mi­nal­wert ge­han­delt: An­lei­hen mit Fäl­lig­keit im Jahr 2042 zu 23,5%, sol­che mit Fäl­lig­keit im Jahr 2022 zu 26,5%. In­ves­to­ren, die die Bonds zu den noch fol­gen­den Tiefst ge­kauft ha­ben, rea­li­sie­ren mit dem Rück­kauf ei­nen Ge­winn.

20 Mrd. ge­hö­ren hel­le­ni­schen Ban­ken. Sie ha­ben von der Troi­ka be­reits 25 Mrd. € zur Re­ka­pi­ta­li­sie­rung er­hal­ten und wer­den mit Be­schluss vom ver­gan­ge­nen Mon­tag noch­mals 23 Mrd. € er­hal­ten. Ha­ben die Ban­ken die Bonds nicht be­reits ge­nü­gend ab­ge­schrie­ben, und soll­ten die ge­spro­che­nen Gel­der be­reits an­der­wei­tig bud­ge­tiert sein, könn­te sich die Fra­ge ih­rer Fi­nan­zie­rung er­neut stel­len, gibt Hart­mann zu be­den­ken. UBS rech­net mit ei­nem Fi­nanz­loch von 11 bis 17 Mrd. €. Am Don­ners­tag be­rich­te­te die grie­chi­sche Zei­tung Kat­hi­mer­i­ni, die In­sti­tu­te lehn­ten die Be­tei­li­gung ab, da ih­nen da­zu 4 Mrd. € zu­sätz­li­cher Fi­nan­zie­rung fehl­ten.

Laut Hart­mann ist der Rück­kauf ein er­neu­ter Ka­pi­tal­ver­lust, wenn auch auf frei­wil­li­ger Ba­sis. Die An­le­ger, die be­reits am ers­ten Schul­den­schnitt par­ti­zi­piert ha­ben, ver­lie­ren noch­mals. Der ku­mu­lier­te Aus­fall wür­de von 53,5 auf 75,5% stei­gen.

Ein er­zwun­ge­nes Ge­schäft

Ih­re Frei­wil­lig­keit ist in­des höchs­tens ei­ne ju­ris­ti­sche. An­ge­sichts des sich no­to­risch ver­schlech­tern­den Wirt­schafts­aus­blicks, ha­ben sie kaum ei­ne Wahl. Die Käu­fer der re­struk­tu­rier­ten Bonds stütz­ten sich just auf Pro­gno­sen, die ih­nen die da­ma­li­gen Ver­käu­fer und jet­zi­gen Käu­fer ge­lie­fert hat­ten: die Troi­ka und Hel­las. Das Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) Grie­chen­lands schrumpft heu­er 6,5%. Im März wa­ren die of­fi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken von –4,8% aus­ge­gan­gen. Die EU-Kom­mis­si­on schätz­te vor ei­ni­gen Wo­chen, die Schul­den­quo­te wer­de 2014 von 176,7 auf 188,9% stei­gen. Nie­mand glaubt, dass die seit Mon­tag neu mit 124% (bis­her 120%) an­ge­peil­te Schul­den­quo­te bis 2020 mehr als ein Ver­hand­lungs­re­sul­tat ist. Dass sie da­nach in zwei Jah­ren wie ein Stein auf 110% fal­len soll, ist nicht mehr nur kei­ne ex­ak­te Wis­sen­schaft, son­dern eher Sci­ence Fic­tion.

Die­se neus­te Schul­den­trag­fä­hig­keits­ana­ly­se un­ter­stellt, dass Athen ab 2016 ei­nen Haus­halts­über­schuss vor Zins­zah­lun­gen von 4,5% des BIP und ein Wachs­tum von 3½% er­zielt. Der vom IWF ein­mal mehr ver­ord­ne­te Par­force­ritt mit der Schul­den­quo­te macht es wahr­schein­lich, dass ein wei­te­rer Schul­den­schnitt auf die bis dann ver­blei­ben­den pri­va­ten Gläu­bi­ger zu­kommt.

Das An­ge­bot Grie­chen­lands, sei­ne Bonds un­ter pa­ri zu­rück­zu­kau­fen, ist ein ver­kapp­ter Schul­den­schnitt. Die Last tra­gen wie­der Pri­va­te.

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