Ge­gen­be­we­gung

MO­NAT­LI­CHE ZINS­PRO­GNO­SE SCHWEIZ Er­war­tun­gen pes­si­mis­ti­scher

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MAN­FRED KRÖLLER

Sah es im Ok­to­ber noch so aus, als sei für die nächs­ten Mo­na­te mit ei­ner zag­haf­ten Auf­wärts­be­we­gung der Zin­sen zu rech­nen, so kipp­te die Er­war­tungs­hal­tung im No­vem­ber: Die mo­nat­lich von FuW be­frag­ten Öko­no­men von UBS, Cre­dit Suis­se (CS), Zürcher Kan­to­nal­bank (ZKB), Bank Ju­li­us Bär und Uni­Credit ha­ben ih­re Zins­er­war­tun­gen mehr­heit­lich am lan­gen En­de nun wie­der eher in die an­de­re Rich­tung, nach un­ten, an­ge­passt.

UBS-Öko­no­min Daniela St­ein­brink Mat­tei hat die Pro­gno­sen vor­erst nicht ge­än­dert. Das De­fla­ti­ons­ri­si­ko für die Schwei­zer Wirt­schaft be­ste­he zwar nicht mehr, da die In­fla­ti­on leicht nach oben in Be­we­gung ge­ra­te. Da­für zeich­ne sich zu­neh­mend ei­ne Ab­schwä­chung der hei­mi­schen Bin­nen­wirt­schaft im zwei­ten Halb­jahr 2012 ab, so­dass auch die Schwei­zer Zin­sen nach oben be­grenzt blie­ben. We­gen feh­len­der bin­nen­wirt­schaft­li­cher Im­pul­se dürf­ten die Fran­kenren­di­ten weit­ge­hend von der Beur­tei­lung der in­ter­na­tio­na­len Ri­si­ken ab­hän­gen. In die­ser Hin­sicht wer­den die mo­ne­tä­ren Schutz­mass­nah­men der US-No­ten­bank und der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) da­zu bei­tra­gen, die­se Ri­si­ken zu ver­rin­gern.

Eu­ro­zo­ne und die USA

Wenn Spa­ni­en ex­ter­ne Un­ter­stüt­zung von der EU be­an­tra­ge, die EZB ih­re An­lei­hen­käu­fe auf­neh­me und die mit dem Be­griff Fis­kal­k­lip­pe (Fis­cal Cliff, vgl. Sei­te 23) ver­bun­de­nen po­li­ti­schen Ri­si­ken in den USA über­wun­den wür­den, «dürf­te sich die welt­wei­te Stim­mung ver­bes­sern und das glo­ba­le Wachs­tum in Schwung kom­men». Die UBS-Öko­no­min er­war­tet auf kur­ze und mitt­le­re Sicht ei­nen leich­ten An­stieg der Fran­kenren­di­ten. Kurz­fris­ti­ge Rück­schlä­ge könn­ten zwar nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, doch die Ab­wärts­be­we­gung der Ren­di­ten auf «Eid­ge­nos­sen» soll­te vor­erst be­en­det sein.

CS-Zins­stra­te­ge Ras­mus Rou­sing lässt am kur­zen En­de die Pro­gno­sen un­ver­än­dert ge­gen­über dem Vor­mo­nat, senkt aber die Ren­di­te­er­war­tun­gen der zehn­jäh­ri­gen «Eid­ge­nos­sen» auf Sicht von drei Mo­na­ten um 10 Ba­sis­punk­te (Bp). Das ist deut­lich un­ter der Fair-Va­lue-Ren­di­te die­ser An­lei­hen, die CS auf 1,6% schätzt.

Soll­te sich die Ren­di­te al­so ir­gend­wann in die­se Rich­tung in Be­we­gung set­zen, hät­ten An­le­ger, die in Schwei­zer Staats­an­lei­hen en­ga­giert sind, mit ei­nem ne­ga­ti­ven Ge­samt­er­trag zu rech­nen. Trotz der

Zins­pro­gno­sen der Ban­ken für die Schweiz tie­fen ak­tu­el­len Zin­sen war­fen zehn­jäh­ri­ge «Eid­ge­nos­sen» we­gen des De­fla­ti­ons­ef­fekts im ver­gan­ge­nen Jahr noch im­mer ei­nen po­si­ti­ven rea­len Ren­di­te­er­trag ab.

ZKB-Öko­nom Da­vid Mar­met hat im Ver­gleich zum Vor­mo­nat sei­ne Er­war­tun­gen für die Kon­junk­tur­ent­wick­lung in Eu­ro­pa nach un­ten kor­ri­giert, und man wer­de wohl in den nächs­ten Ta­gen auch die Pro­gno­se für die Schweiz ent­spre­chend an­pas­sen. Da­zu wol­le man je­doch zu­nächst die jüngs­te Schät­zung zum Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) des Staats­se­kre­ta­ri­ats für Wirt­schaft (Se­co) aus­wer­ten, die am Don­ners­tag ver­öf­fent­licht wur­de und bes­ser aus­fiel als er­war­tet. Den­noch dürf­ten Mar­met zu­fol­ge so­wohl BIP- als auch In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen der Schweiz für 2013 ei­ne Re­vi­si­on nach un­ten er­fah­ren. Ent­spre­chend soll­ten die Ren­di­te­und die Zins­pro­gno­sen in die glei­che Rich­tung nach­jus­tiert wer­den.

Auch 2013 ein Tief­zins­jahr

Öko­no­min Su­san Jo­ho von Bank Ju­li­us Bär schraubt ih­re Er­war­tun­gen ei­ner in den nächs­ten Mo­na­ten ein­set­zen­den Zins­er­ho­lung zu­rück und senkt die Pro­gno­sen am lan­gen En­de doch recht deut­lich (sie­he Ta­bel­le). Sie be­grün­det die Re­vi­si­on da­mit, dass die Er­ho­lung in der Eu­ro­zo­ne nun doch län­ger auf sich war­ten las­sen wer­de als noch im Ok­to­ber er­war­tet. Min­des­tes noch über die ers­te Jah­res­hälf­te 2013 sei mit Sta­gna­ti­on zu rech­nen, was auch an der Schweiz nicht spur­los vor­über­ge­hen wer­de. Ju­li­us Bär geht da­von aus, dass die ga­ran­tier­te Wech­sel­kurs­un­ter­gren­ze von 1.20 Fr./€ wäh­rend des ge­sam­ten nächs­ten Jah­res be­ste­hen bleibt. Vor ei­nem Mo­nat hat­te So­ho die Er­war­tung ge­äus­sert, dass die Un­ter­gren­ze nur noch «bis spät ins nächs­te Jahr» bei­be­hal­ten wer­de. Die Kon­junk­tur­ent­wick­lung ha­be je­doch zwi­schen­zeit­lich an­de­re Vor­ga­ben ge­lie­fert.

Uni­Credit-Ana­lyst Alex­an­der Koch hat sei­ne Er­war­tun­gen, dass sich die Zins­land­schaft im nächs­ten Jahr lang­sam nor­ma­li­sie­ren könn­te, im Ver­gleich zum Vor­mo­nat et­was zu­rück­ge­stutzt. Es se­he mitt­ler­wei­le so aus, dass uns wohl auch im Ge­samt­jahr 2013 das all­ge­mei­ne Tief­zins­ni­veau er­hal­ten blei­be, meint Koch. Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank sieht er zu­nächst noch in der «Wech­sel­kurs­fal­le» ge­fan­gen, der Fran­ken kom­me ein­fach nicht von den ga­ran­tier­ten 1.20 Fr./€ weg. So sei Leit­zins­er­hö­hun­gen an­ge­sichts des kaum vor­han­de­nen In­fla­ti­ons­po­ten­zi­als die Grund­la­ge ent­zo­gen.

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