Charles Vö­ge­le Tum­mel­feld für Spe­ku­lan­ten

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - GH

In den letz­ten Ta­gen wur­den auf­fäl­lig vie­le Ti­tel des Mo­de­hau­ses Charles Vö­ge­le ge­han­delt. Das Vo­lu­men be­trug 159 000 bis 169 000 Ak­ti­en pro Tag oder fast 2% des Ka­pi­tals. Das gab den Va­lo­ren ge­wal­tig Auf­trieb. Am Mon­tag wa­ren sie mit +10,2% Ta­ges­ge­win­ner im SPI. Am Di­ens­tag ga­ben sie je­doch 2,2% ab.

Was steckt da­hin­ter? Händ­ler er­klär­ten, zum wie­der­hol­ten Mal wür­den Ge­rüch­te an­ge­heizt, dass die Mo­de­ket­te dem­nächst über­nom­men wer­de. Da­bei wur­de als Käu­fer wie im­mer der gröss­te Ak­tio­när Mi­gros (25%) ins Spiel ge­bracht. Auch ein aus­län­di­scher Mo­de­kon­zern wur­de als In­ter­es­sent ge­nannt. Hört man sich aber in der Fi­nanz- und der Tex­til­bran­che um, heisst es fast uni­so­no: VRPrä­si­dent Hans Zieg­ler will das Un­ter­neh­men ver­kau­fen, hat aber noch kei­nen Käu­fer ge­fun­den. Vie­les spricht für die­se Ver­si­on, die auch im Haus Vö­ge­le selbst gras­siert. Noch im­mer ist das Un­ter­neh­men oh­ne CEO, Fi­nanz­chef Mar­kus Vo­e­ge­li hat den Chef­pos­ten nur ad in­te­rim. Noch im­mer sieht es nicht nach Tur­naround aus. Der Ak­ti­en­kurs ist mit 15.30 Fr. nied­rig. Ein Käu­fer könn­te das Un­ter­neh­men so zum Aus­ver­kaufs­preis schnap­pen.

Nur, wer möch­te Vö­ge­le ak­qui­rie­ren? Al­lein im ers­ten Halb­jahr schrieb die Ge­sell­schaft 54 Mio. Fr. Ver­lust. Im letz­ten Jahr­zehnt ge­lang es ihr nur zwei Mal, den Um­satz zu stei­gern. Für ei­nen Käu­fer aus der Tex­til­bran­che oder ei­nem bran­chen­frem­den Zweig hat sie zu vie­le Stand­or­te an schlech­ten Pas­san­ten­la­gen. Zu­dem ist es schwie­rig, sich aus lang­jäh­ri­gen Miet­ver­trä­gen zu lö­sen.

Ein Pri­va­te-Equi­ty-Un­ter­neh­men, das nur am Im­mo­bi­li­en­be­stand in­ter­es­siert ist, muss mit dem Ve­to der Gross­ak­tio­nä­rin Mi­gros rech­nen. Die Ge­nos­sen­schaft kann aus­ser­dem nicht dul­den, dass Ar­beits­plät­ze ver­nich­tet wer­den. Ei­ne Auf­spal­tung ist ein mög­li­ches Sze­na­rio. Da­für braucht es vie­le Käu­fer. Kei­ne ein­fa­che Sa­che für Hans Zieg­ler, der für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht er­reich­bar war. Die Kon­zern­spre­che­rin meint: «Wir kom­men­tie­ren die Kurs­ent­wick­lung so­wie die Ge­rüch­te im Markt nicht.» So bleibt Vö­ge­le ein Tum­mel­feld für Spe­ku­lan­ten.

Es darf und muss wie­der mehr in­ves­tiert wer­den, auch in Schang­hai. Nach dem Re­gie­rungs­wech­sel in Chi­na wer­den Kräf­te frei­ge­setzt.

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