In­dus­trie spürt mehr Dy­na­mik in Chi­na

SCHWEIZ In den Chef­eta­gen von Schwei­zer In­dus­trie­un­ter­neh­men weicht Skep­sis mehr und mehr der Zu­ver­sicht – Si­ka, Burck­hardt, Sul­zer und Ge­org Fi­scher pro­fi­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - ADRI­AN BLUM

End­lich wie­der bes­se­re Nach­rich­ten über die Kon­junk­tur in Chi­na: Der am Wo­che­n­en­de pu­bli­zier­te Ein­kaufs­ma­na­ger­index der Volks­re­pu­blik er­reich­te im No­vem­ber den höchs­ten Wert seit sie­ben Mo­na­ten, und der fast zeit­gleich vor­ge­leg­te HSBC Chi­na PMI zeigt den höchs­ten Wert seit 13 Mo­na­ten. Bei­de In­di­zes lie­gen nun über der «Ex­pan­si­ons­schwel­le» (50). Nach dem Füh­rungs­wech­sel der Re­gie­rung neh­men Un­si­cher­hei­ten ab, Blo­cka­den lö­sen sich auf. Die Ge­fahr ei­ner har­ten Lan­dung dürf­te ge­bannt sein (vgl. Text un­ten). Wich­tig aus An­le­ger­sicht: Aus Chef­eta­gen von Schwei­zer Un­ter­neh­men ver­nimmt «Fi­nanz und Wirt­schaft» Aus­sa­gen, die den Trend un­ter­mau­ern.

Be­son­de­re Be­deu­tung hat Chi­na bei­spiels­wei­se für Si­ka (Um­satz­an­teil Asi­en/ Pa­zi­fik: 17%, mit stei­gen­der Ten­denz). Kon­zern­chef Jan Je­nisch sag­te der FuW, der chi­ne­si­sche Markt ha­be in den letz­ten Mo­na­ten deut­lich an­ge­zo­gen. Grös­se­re In­fra­struk­tur­pro­jek­te, die zu Jah­res­be­ginn we­gen Qua­li­täts­über­prü­fun­gen ge­stoppt

K Schwei­zer In­dus­trie­ak­ti­en wur­den, sei­en wie­der auf­ge­nom­men wor­den. Grund­sätz­lich ist Je­nisch oh­ne­hin zu­ver­sicht­lich für die Chan­cen von Si­ka: «Das Wachs­tum wird sich fort­set­zen, und un­se­re Tech­no­lo­gi­en wer­den noch lan­ge nicht über­all ein­ge­setzt», führt er aus. Die neue Re­gie­rung ste­he für Kon­ti­nui­tät und wei­ter­hin so­li­des Wachs­tum.

Wie­der mehr Chan­cen

Tra­di­tio­nell stark en­ga­giert in der Volks­re­pu­blik ist auch ABB. Der Elek­tro­kon­zern spür­te vor al­lem im ers­ten Quar­tal Brems­spu­ren, was an der Bör­se für Ent­täu­schung und Kurs­rück­schlä­ge sorg­te, ob­wohl sich ABB teil­wei­se bes­ser als die Kon­kur­renz prä­sen­tier­te. Im drit­ten Quar­tal war der Auf­trags­ein­gang aus Chi­na im­mer­hin sta­bil, die Wen­de zum Bes­se­ren be­stä­tig­te sich. Nun gibt sich ABB of­fi­zi­ell zum lau­fen­den Ge­schäft zwar zu­ge­knöpft. Doch in der Fi­nanz­bra­che wird ge­gen­über der FuW von wach­sen­der Zu­ver­sicht in Chi­na be­rich­tet, was ABB be­trifft, ganz da­von ab­ge­se­hen, dass der Kon­zern oh­ne­hin deut­lich von den Me­ga­trends pro­fi­tiert.

«Wir sind sehr op­ti­mis­tisch für Chi­na», sagt da­ge­gen frei her­aus Rolf Bränd­li, Fi­nanz­chef von Burck­hardt Com­pres­si­on. Auch in der Pha­se des Ab­schwungs ab 2009 wur­den dort gros­se Pro­jek­te um­ge­setzt, an de­nen der Her­stel­ler von Kol­ben­kom­pres­so­ren mit­wirk­te, et­wa Ter­mi­nals für Erd­gas oder Pe­tro­che­mie­an­la­gen. «Mit­un­ter kam es zwar zu Ver­zö­ge­run­gen, doch ganz ge­stoppt wer­den so gros­se In­ves­ti­ti­ons­pro­jek­te ge­wöhn­lich nicht. Chi­na wird, ja muss, wei­ter In­fra­struk­tur auf­bau­en», ist Bränd­li über­zeugt.

Die Fra­ge, ob aus Chi­na jüngst wie­der mehr Dy­na­mik zu spü­ren sei, be­ant­wor­tet auch Ge­org Fi­scher mit ja. Man sei op­ti­mis­tisch, kurz­fris­ti­ge Schwan­kun­gen sei­en nor­mal, und mit­tel- bis lang­fris­tig blei­be das Po­ten­zi­al des chi­ne­si­schen Markts gross. «Un­se­re Wer­ke in Chi­na sind gut aus­ge­las­tet, die Auf­trags­la­ge ist gut», heisst es.

Ähn­lich er­geht es dem Bau­aus­rüs­ter AFG, der in Chi­na wach­sen will: Die Kon­junk­tur in Chi­na zei­ge leich­te Er­ho­lungs­zei­chen, sagt CEO Da­ni­el Fru­tig, schränkt aber ein, für ei­ne de­fi­ni­ti­ve und ge­si­cher­te Aus­sa­ge zur chi­ne­si­schen Wirt­schaft sei es noch zu früh. Die Stim­mung im­mer­hin bei­spiels­wei­se an der Fens­ter­mes­se Fe­ne­stra­ti­on in Peking vor an­dert­halb Wo­chen sei sehr gut ge­we­sen. «Wir ha­ben ge­ra­de ei­nen Gross­auf­trag für den Fähr­ter­mi­nal in Ma­cau für Brand­schutz­tü­ren und -fens­ter ge­won­nen», be­rich­tet Fru­tig wei­ter, und man be­kom­me ver­mehrt An­fra­gen aus Ar­chi­tek­tur­krei­sen. Fru­tig setzt grund­sätz­lich dar­auf, dass in Chi­na mit der Zu­nah­me der Ein­kom­men auch ein Wan­del zu hoch­wer­ti­ge­ren Pro­duk­ten statt­fin­det.

Lang­fris­tig ori­en­tie­ren hilft

Jörg Wol­le, CEO des Han­dels­kon­zerns DKSH, er­in­nert auf An­fra­ge der FuW da­ran, in Chi­na in hoch spe­zia­li­sier­ten Ni­schen ak­tiv zu sein, «die wir gut aus­fül­len». Er ha­be, was Chi­na an­be­langt, im­mer ei­nen rea­lis­tisch-op­ti­mis­ti­schen An­satz ge­wählt und nie in den Chor der Eu­pho­rie oder Schwarz­ma­le­rei ein­ge­stimmt (vgl. FuW-In­ter­view 29. Sept.). DKSH ha­be «so­wohl von der so­ge­nann­ten Ab­küh­lung als auch den jüngst prä­sen­tier­ten ver­bes­ser­ten Zah­len kaum et­was ge­spürt.»

Eben­falls die lang­fris­ti­gen Chan­cen im Blick und von – kurz­fris­ti­gen – Schwä­che­pha­sen un­be­ein­druckt äus­sern sich wei­te­re Un­ter­neh­men. Da­zu ge­hö­ren bei­spiels­wei­se Schind­ler, die von Chi­na auf lan­ge Sicht pro­fi­tie­ren wer­den. So sieht das auch Sul­zer-CEO Klaus Stahl­mann: «Un­se­re Pro­duk­te zie­len auf Me­ga­trends wie Ener­gie­be­darf, Ur­ba­ni­sie­rung, Mo­bi­li­tät und ef­fi­zi­en­ten Res­sour­cen­um­gang – in die­sen Be­rei­chen war und ist im chi­ne­si­schen Markt nicht von ei­ner Ab­schwä­chung des Wachs­tums aus­zu­ge­hen.» Die­se Trends sei­en auch im Fünf­jah­res­plan her­vor­ge­ho­ben, er­in­nert Stahl­mann. Ge­ra­de mit der so­eben er­öff­ne­ten Fa­b­rik für Ab­was­ser­pum­pen in Kuns­han adres­sie­re Sul­zer ei­nen wach­sen­den Markt.

Eher skep­ti­sche Stimmen sind die Aus­nah­me, so sagt ei­ne Cla­ri­ant-Spre­che­rin, der Che­mie­kon­zern ge­he nach wie vor von ei­ner sich ab­schwä­chen­den Nach­fra­ge in Chi­na aus, und kurz­fris­ti­ge Aus­schlä­ge in den In­di­ka­to­ren, die sich nicht un­be­dingt un­mit­tel­bar auf das Ge­schäft aus­wirk­ten, kom­men­tie­re man nicht.

Ob har­te Lan­dung oder nicht: Chi­na bleibt die Wachs­tums­re­gi­on. Er­freu­lich ist, dass der lang­fris­ti­ge Auf­wärts­trend nun – bis auf wei­te­res – we­ni­ger deut­lich ge­stört wer­den dürf­te als mit­un­ter be­fürch­tet. Mit Blick auf 2012 ge­hö­ren ABB, Si­ka – und AFG we­gen Tur­naround-Fan­ta­sie – zu den Ak­ti­en­fa­vo­ri­ten. Burck­hardt sind nach Kurs­rück­schlä­gen ei­ne Über­le­gung wert.

Auf va­ge Hoff­nung auf mehr In­ves­ti­tio­nen nach dem Füh­rungs­wech­sel folgt Ge­wiss­heit.

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