Mo­de­ra­te Er­ho­lung

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Chi­nas Wirt­schaft wächst so lang­sam wie seit drei­zehn Jah­ren nicht mehr: 2012 dürf­te das Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) nur knapp 8% zu­neh­men. Doch im Sep­tem­ber wur­de die Tal­soh­le durch­schrit­ten, und seit­her wei­sen fast al­le re­le­van­ten Da­ten und Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren des Lan­des auf ei­ne mo­de­ra­te Er­ho­lung hin – dar­un­ter die An­la­ge­inves­ti­tio­nen, die In­dus­trie­pro­duk­ti­on, der Aus­sen­han­del und die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes, die sich mit Wer­ten von mehr als 50 wie­der in der Wachs­tums­zo­ne be­fin­den.

Aber so, wie die Ab­küh­lung im ver­gan­ge­nen Jahr von Peking mit Blick auf die In­fla­ti­on kon­trol­liert war, wird auch die Kon­junk­tur­er­ho­lung ge­steu­ert. Wachs­tums­ra­ten von 10% und mehr wer­den nicht mehr an­ge­strebt. Der Bin­nen­kon­sum soll zu­las­ten des ex­port- und in­ves­ti­ti­ons­ge­trie­be­nen Wirt­schafts­mo­dells ge­för­dert wer­den – mit Er­folg: Der Di­enst­leis­tungs­sek­tor sta­bi­li­sier­te in den letz­ten Jah­ren mass­geb­lich die Wirt­schaft und fe­der­te den Rück­gang von In­dus­trie­pro­duk­ti­on und Ex­port­tä­tig­keit ab. 2011 steu­er­te der pri­va­te Kon-

Kon­junk­tur in Chi­na sum zum ers­ten Mal seit sechs Jah­ren mehr zum BIP-Wachs­tum bei als die In­ves­ti­tio­nen.

Den im Früh­jahr in­du­zier­ten leich­ten Sti­mu­lie­rungs­mass­nah­men – die vor­nehm­lich In­fra­struk­tur­pro­jek­te um­fass­ten – wur­de denn auch ge­nü­gend Zeit ge­las­sen, zu wir­ken. Die chi­ne­si­sche No­ten­bank Peop­le’s Bank of Chi­na (PBoC) stell­te mit Of­fen­mark­t­ope­ra­tio­nen die Li­qui­di­tät am In­ter­ban­ken­markt si­cher. Seit Sep­tem­ber scheint der Trans­mis­si­ons­me­cha­nis­mus nun zu grei­fen.

Doch trotz gu­ter Kon­junk­tur­da­ten ist Chi­na noch nicht über den Berg. Die Wirt­schafts­er­ho­lung ba­siert all­zu sehr auf von Peking ein­ge­lei­te­ten Pro­jek­ten. Die struk­tu­rel­len Pro­ble­me müs­sen nun an­ge­gan­gen und der Pri­vat­sek­tor ge­stärkt wer­den. Die Wirt­schafts­po­li­tik Pe­kings wur­de die­ses Jahr von vie­len Öko­no­men kri­ti­siert, auch von chi­ne­si­schen. Die jüngs­ten Sti­mu­lie­rungs­mass­nah­men sei­en «mehr vom Glei­chen» und ver­schärf­ten trotz kurz­fris­ti­ger Er­fol­ge die struk­tu­rel­len Ver­zer­run­gen. Der chi­ne­si­sche Po­lit­öko­nom Wu Jingli­an weist zu­dem dar­auf hin, dass die Pro­vin­zen auf frü­he­re Wachs­tums­ra­ten an­ge­wie­sen sind, um ih­re fis­ka­li­schen und so­zia­len Auf­ga­ben er­fül­len zu kön­nen.

Das gröss­te Pro­blem für Chi­nas Wirt­schaft ist aber nicht ein et­was hö­he­res oder tie­fe­res BIP-Wachs­tum. Da kann Peking schlag­kräf­tig ein­wir­ken. Pro­ble­ma­tisch sind das un­ge­nü­gen­de Rechts­sys­tem, mit dem auch aus­län­di­sche Un­ter­neh­men zu kämp­fen ha­ben, so­wie die so­zia­le Un­gleich­heit. In Chi­na sind Wirt­schaft und Po­li­tik zu eng ver­floch­ten. Ei­ne brei­te Kon­junk­tur­er­ho­lung muss nicht nur auf der Nach­fra­ge des Rests der Welt nach chi­ne­si­schen Gü­tern ba­sie­ren, son­dern auch auf der Ge­schwin­dig­keit und der Tie­fe der Re­for­men, die die neue Füh­rung an­strebt.

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