Re­power braucht po­ten­te Part­ner

SCHWEIZ Al­piq schei­det aus dem Ak­tio­na­ri­at der Bünder Ener­gie­grup­pe aus – In­ves­to­ren­su­che für Kraft­werks­pro­jek­te läuft

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - CLAU­DIA CARL UND MAR­TIN GOLLMER

Re­power braucht drin­gend zah­lungs­kräf­ti­ge In­ves­to­ren. End­gül­tig klar ge­macht hat dies Bran­chen­nach­bar Al­piq, der am Mon­tag be­kannt­gab, sei­nen An­teil von 24,6% an der bünd­ne­ri­schen Ener­gie­grup­pe an die Co-Ak­tio­nä­re Kan­ton Grau­bün­den und Ax­po zu ver­kau­fen. Al­piq ver­scher­belt ge­gen­wär­tig Ta­fel­sil­ber, um Schul­den ab­zu­bau­en (vgl. Text rechts). Kurz- bis mit­tel­fris­tig wol­len die nicht ko­tier­te Ax­po (im Be­sitz der Nord­ost­schwei­zer Kan­to­ne und Kan­tons­wer­ke) und der Kan­ton Grau­bün­den die neu er­wor­be­nen An­tei­le mehr­heit­lich an ei­nen neu­en stra­te­gi­schen Part­ner wei­ter­ver­kau­fen.

Ziel von Ax­po ist es nach ei­ge­nen An­ga­ben, den bis­he­ri­gen An­teil von 21,4% da­nach wei­ter zu hal­ten. Der Kan­ton Grau­bün­den (bis­her 46%) will nach Aus­sa­gen des zu­stän­di­gen Re­gie­rungs­rats Ma­rio Ca­vi­gel­li «ei­nen be­schei­de­nen Teil der er­wor­be­nen Ak­ti­en­quo­te in ein se­pa­ra­tes Ge­fäss ein­brin­gen, an dem die bünd­ne­ri­schen Ge­mein­den be­tei­ligt wer­den sol­len». Ziel sei es, die Wert­schöp­fung zu­guns­ten des Bünd­ner Ge­mein­we­sens zu er­hö­hen. Ob das Ge­fäss, mit dem sich die Ge­mein­den di­rekt oder in­di­rekt an Re­power be­tei­li­gen kön­nen, in die Ak­tio­närs­grup­pe mit dem Kan­ton, Ax­po und dem drit­ten In­ves­tor ein­tre­ten wer­de, sei da­bei of­fen.

Der Kan­ton Grau­bün­den stre­be für sich lang­fris­tig aber kei­ne Mehr­heit an Re­power an, er­klärt Ca­vi­gel­li. «Die Kon­troll­ver­hält­nis­se über Re­power er­fah­ren we­der durch die ak­tu­ell ge­schaf­fe­nen neu­en Be­tei­li­gun­gen des Kan­tons und von Ax­po ei­ne Ve­rän­de­rung, noch sol­len sie sich spä­ter nach dem Bei­tritt ei­nes drit­ten In­ves­tors und ei­nes all­fäl­li­gen Ge­fäs­ses zur Ge­mein­de­be­tei­li­gung ver­än­dern.»

Zeit­punkt nicht güns­tig

Ge­gen­wär­tig ist der Zeit­punkt für ei­nen Wei­ter­ver­kauf des Al­piq-An­teils nicht güns­tig – die Ak­ti­en­kur­se der Schwei­zer Ver­sor­ger ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich nach­ge­ge­ben. Das gilt auch für Re­power. Die Va­lo­ren ha­ben seit An­fang 2011 rund 20% ver­lo­ren. «Die Su­che ei­nes neu­en stra­te­gi­schen Part­ners kann je nach Markt­ver­hält­nis­sen ei­ni­ge Zeit dau­ern», er­klärt Ax­po ent­spre­chend. Es ge­he der Ak­tio­närs­grup­pe dar­um, «mög­lichst bald» ei­nen ge­eig­ne­ten neu­en Part­ner als Nach­fol­ger von Al­piq zu su­chen, heisst es am Sitz der Bünd­ner Re­gie­rung in Chur. «Die er­for­der­li­chen Ab­klä­run­gen sind im Gang, brau­chen aber Zeit.»

Ob wie­der ein Ener­gie­un­ter­neh­men als Part­ner in Fra­ge kommt oder auch ein fi­nan­zi­el­ler In­ves­tor, will die Ak­tio­närs­grup­pe aus Ver­trau­lich­keits­grün­den nicht sa­gen. Ca­vi­gel­li um­reisst aber im­mer­hin ein va­ges An­for­de­rungs­pro­fil: «Der Kan­ton Grau­bün­den und Ax­po su­chen ge­mein­sam mit Re­power ei­nen Part­ner, der zu Re­power als bünd­ne­risch ge­präg­tem, aber in­ter­na­tio­nal tä­ti­gem Un­ter­neh­men op­ti­mal passt.» Der Part­ner sol­le Re­power ge­mein­sam mit den be­ste­hen­den Ak­tio­nä­ren als selb­stän­di­ges, pri­vat­wirt­schaft­li­ches Un­ter­neh­men nach be­triebs­wirt­schaft­li­chen Grund­sät­zen füh­ren, heisst es er­gän­zend. Das Bünd­ner Ener­gie­un­ter­neh­men wer­de auch an der Bör­se blei­ben, ver­si­chern Ca­vi­gel­li und Ax­po: «Die Ak­tio­närs­grup­pe sieht in der Kotierung von Re­power ei­nen Mehr­wert.» Mit 8% ist der An­teil der im Pu­bli­kum be­find­li­chen Ak­ti­en (Free Float) in­des­sen klein.

Als mög­li­cher Part­ner kä­me aus den Rei­hen der Ver­sor­ger das Elek­tri­zi­täts­werk der Stadt Zürich (EWZ) in Fra­ge. Die Ge­sell­schaft be­treibt zahl­rei­che Was­ser­kraft­wer­ke in Grau­bün­den und ver­sorgt rund ein Drit­tel der dor­ti­gen Be­völ­ke­rung di­rekt oder in­di­rekt mit Strom. Das EWZ lässt sich der­zeit aber nicht in die Kar­ten

Re­power I schau­en. Ein Spre­cher sag­te auf An­fra­ge von «Fi­nanz und Wirt­schaft», das Un­ter­neh­men ha­be von der Trans­ak­ti­on des Al­piq-An­teils aus den Me­di­en er­fah­ren und neh­me die Part­ner­su­che zur Kennt­nis.

Blick nach Deutsch­land

An­ge­sichts der be­schränk­ten Ex­pan­si­ons­mög­lich­kei­ten in der Schweiz könn­te der neue Part­ner aber auch aus dem Aus­land kom­men. Hier steht wohl Deutsch­land im Vor­der­grund, wo die Bünd­ner im Ge­gen­satz zu Ita­li­en noch ein un­be­deu­ten­der Spie­ler sind, aber mit dem Gas- und Dampf­kraft­werk Le­ver­ku­sen ei­ge­ne Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten auf­bau­en.

Re­power braucht aber nicht nur je­man­den Neu­en im Ak­tio­na­ri­at, son­dern auch Part­ner, die be­reit sind, in die gros­sen

Be­tei­lungs­struk­tur Re­power Kraft­werks­pro­jek­te der Bünd­ner zu in­ves­tie­ren. Ne­ben Deutsch­land treibt Re­power auch Vor­ha­ben in Ita­li­en (Pump­spei­cher­kraft­werk Cam­polat­ta­ro und Koh­le­kraft­werk Sa­li­ne Jo­ni­che) so­wie in der Schweiz (Pump­spei­cher­kraft­werk La­go­bi­an­co) vor­an. Die Bau­kos­ten für Letz­te­res sind auf über 1,5 Mrd. Fr. ver­an­schlagt.

Die­sen Be­trag kann Re­power aus ei­ge­ner Kraft nicht stem­men. Die Su­che nach In­ves­to­ren ist des­halb be­reits an­ge­lau­fen. Auch der neue stra­te­gi­sche Part­ner kön­ne sich an die­sem Pro­jekt be­tei­li­gen, sagt Re­power-CEO Kurt Bobst im In­ter­view mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» (vgl. un­ten). Dies sei je­doch nicht Be­din­gung. Bobst hofft, im ers­ten Quar­tal 2013 die Kon­zes­si­ons­ge­neh­mi­gung des Kan­tons Grau­bün­den zu er­hal­ten und im zwei­ten Quar­tal die Part­ner­ge­sprä­che ab­schlies­sen zu kön­nen.

Wich­tigs­te Kenn­zah­len Re­power

Dem Bünd­ner Ener­gie­un­ter­neh­men Re­power ge­hört auch das Staubecken Plae­viggin ober­halb von Küblis im Prät­ti­gau.

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