In­vest­ment­wet­te auf Doppeleffekt

SCHWEIZ Po­ten­zi­al für Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten – Pri­vat­markt­ver­mö­gen par­ti­zi­pie­ren ver­zö­gert an Ak­ti­en­hausse – Dis­count-jä­ger po­chen auf Aus­schüt­tungs­stra­te­gie

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS HENGARTNER

Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten

Mit stei­gen­den Ak­ti­en­märk­ten ver­bes­sert sich die Aus­sicht der Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten, ih­re Port­fo­li­oun­ter­neh­men über dem zu­letzt bi­lan­zier­ten Wert zu ver­äus­sern bzw. den ver­buch­ten Wert ge­mäss den Markt­be­wer­tungs­re­geln zum nächs­ten Stich­tag auf­zu­wer­ten. Bei­des treibt das Net­to­ver­mö­gen (NAV, Net As­set Va­lue) der Ge­fäs­se, was ih­ren Ak­ti­en Kurs­spiel­raum er­öff­net.

Steigt das In­ves­to­ren­ver­trau­en, ver­min­dert sich zu­sätz­lich der Preis­dis­count, den die An­le­ger als ei­ne Art Si­cher­heits­mar­ge be­trach­ten. Die In­ves­to­ren kön­nen al­so von ei­nem Doppeleffekt pro­fi­tie­ren.

Dis­coun­t­rück­gang rea­lis­tisch

Den Ak­ti­en ko­tier­ter Pri­va­te-Equi­ty-An­la­ge­ge­sell­schaf­ten wird in ei­ner neu­en Stu­die der Cre­dit Suis­se denn auch Po­ten­zi­al zu­ge­bil­ligt. Die Kur­se hät­ten sich die­ses Jahr dem Bi­lanz­wert an­ge­nä­hert, weil ver­mehrt ak­tio­närs­freund­li­che Aus­schüt­tungs­va­ri­an­ten be­folgt wür­den. Ei­ne wei­te­re Ver­min­de­rung des Preis­ab­schlags sei rea­lis­tisch, schrei­ben die Ana­lys­ten der Gross­bank in ei­nem für de­ren Pri­va­teBan­king-Ein­hei­ten er­ar­bei­te­ten Pa­pier.

Stim­mung für ei­ne um­fas­sen­de­re Aus­schüt­tung frei wer­den­der Geld­mit­tel mach­ten be­son­ders aus­län­di­sche Hedge Funds. Im Fall von Cast­le Pri­va­te Equi­ty, die 600 Mio. $ in An­tei­le spe­zia­li­sier­ter Über­nah­me­fonds in­ves­tiert, setz­ten die ame­ri­ka­ni­schen Ar­bi­tra­geu­re Abrams und Iron­sides im Früh­ling ei­ne Ern­te­stra­te­gie durch. Sie hiel­ten zu­sam­men zeit­wei­se ein Vier­tel al­ler Cast­le-Ak­ti­en, wes­halb sie mit Blick auf den we­nig li­qui­den Han­del der Pa­pie­re mit ei­nem Klum­pen­ri­si­ko kon­fron­tiert wa­ren.

Hät­ten die Op­po­nen­ten das Ak­ti­en­pa­ket auf den Markt ge­wor­fen, wä­ren Kurs und zwangs­läu­fig auch der Ver­wal­tungs­rat un­ter Druck ge­ra­ten. Kom­pro­miss­lö­sung ist die nun­mehr be­schlos­se­ne Ern­te­stra­te­gie. Aus In­vest­ments zu­rück­flies­sen­de Gel­der wer­den nur mehr be­grenzt re­inves­tiert. Der über­wie­gen­de Teil wird für den Rück­kauf ei­ge­ner Ak­ti­en ver­wen­det, wo­durch sich die Ar­bi­tra­geu­re kurs­scho­nend be­frei­en kön­nen.

Im No­vem­ber sind Cast­le Pri­va­te Equi­ty re­kord­ho­he 20 Mio. $ aus In­vest­ments zu­rück­ge­flos­sen, wie die ge­schäfts­füh­ren­de LGT-Grup­pe den In­ves­to­ren schreibt. An­tei­lig ge­hal­te­ne eu­ro­päi­sche und ame­ri­ka­ni­sche Über­nah­me­fonds hät­ten die Ve­räus­se­rung von Un­ter­neh­men ab­schlies­sen oder in­ves­tier­te Mit­tel durch Um­fi­nan­zie­rung zu­rücker­lan­gen kön­nen.

Der ho­he Geld­zu­fluss stützt das Vor­ge­hen von Cast­le Pri­va­te Equi­ty, ei­ge­ne Ak­ti­en vom Markt zu kau­fen. In­di­rek­te Fol­ge da­von ist, dass die Cast­le-Ak­ti­en mit knapp 20% ei­nen im Bran­chen­ver­gleich eher mo­de­ra­ten Ab­schlag zum Buch­wert auf­wei­sen. Die Pa­pie­re von Pri­va­te Equi­ty Hol­ding, die In­vest­ments von 200 Mio. € be­treut, no­tie­ren hin­ge­gen bei­na­he 30% un­ter Wert. Die von Al­pha As­so­cia­tes ge­führ­te Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft ver­folgt ei­ne mo­de­ra­te­re Stra­te­gie. Neu­in­vest­ments und Rück­füh­run­gen an die Ak­tio­nä­re in Form von Di­vi­den­den und Ak­ti­en­rück­kauf sol­len in Ba­lan­ce blei­ben.

Kniff­lig ist die La­ge für die einst aus dem Ver­si­che­rungs­kon­zern AIG ent­stan­de­ne Apen und ihr 500 Mio. Fr. um­fas­sen­des Porte­feuille. Sie hat­te über­in­ves­tiert, was sich heu­te in ei­nem un­güns­ti­gen Fi­nan­zie­rungs­ver­hält­nis äus­sert. Apen muss Kre­di­te und ver­zins­li­che Vor­zugs­ak­ti­en im Um­fang von 200 Mio. Fr. be­die­nen, was mass­geb­li­che Tei­le des An­la­ge­er­trags auf­zehrt. Die Skep­sis der In­ves­to­ren zeigt sich dar­in, dass die Ak­ti­en zum le­dig­lich 0,3-Fa­chen des Buch­werts han­deln.

Das Bör­sen­seg­ment der In­vest­ment­ge­sell­schaf­ten hat nach dem Ab­tre­ten von Mar­tin Eb­ners Vi­si­ons-Ge­sell­schaf­ten, dem Rück­fall des einst mil­li­ar­den­schwe­ren Tech­no­lo­gie­ak­ti­en­gefäs­ses BT&T und der Auf­stü­cke­lung des auf markt­en­ge Va­lo­ren kon­zen­trier­ten Com­mCept Trust vor zehn Jah­ren an Pepp ver­lo­ren. Dau­er­bren­ner ist die Kri­tik an den für Al­ter­na­tiv­an­la­gen ver­rech­ne­ten mul­ti­plen Ge­büh­ren. Auf Stu­fe der pri­mä­ren Fonds kas­sie­ren die Pri­va­teEqui­ty-Ak­teu­re jähr­lich 1,5 bis 2% der Ver­mö­gens­mas­se. Auf Stu­fe Dach­fonds bzw. ko­tier­ter Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft wer­den noch­mals 1 bis 2% be­rech­net. Wer­den trotz die­ser Last net­to vor­de­fi­nier­te Per­for­man­ce­hür­den über­sprun­gen, wird dem Kol­lek­tiv­ver­mö­gen noch ei­ne er­folgs­ab­hän­gi­ge Ge­bühr be­las­tet.

Ge­büh­ren vs. Wert­trei­ber

Der Ge­büh­ren­fra­ge ste­hen die be­son­de­ren Wert­trei­ber des Be­tei­li­gungs­ge­schäfts ent­ge­gen. Im Pri­va­te Equi­ty zäh­len die ge­schick­te Aus­wahl zu er­wer­ben­der Un­ter­neh­men, die da­ran an­schlies­sen­de di­rek­te und kom­pro­miss­lo­se Füh­rung als Al­lein­ak­tio­när so­wie die Chan­ce, Re­struk­tu­rie­rungs- und Ex­pan­si­ons­stra­te­gi­en wäh­rend drei bis fünf Jah­ren oh­ne ste­te Rück­sichts­nah­me auf die ak­tu­el­le An­le­ger- und Bör­sen­stim­mung durch­zu­pau­ken.

Ver­spricht ein haus­sie­ren­der Ak­ti­en­markt zu­sätz­lich hö­he­re Un­ter­neh­mens­be­wer­tun­gen, ist für die An­le­ger durch­aus ein Doppeleffekt in Aus­sicht. Al­le Fi­nanz­da­ten zu Pri­va­te Equi­ty im On­li­ne-Ak­ti­en­füh­rer: fuw.ch/PEHN

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