Nest­lés Mi­lo eint ei­ne gan­ze Na­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - EH

Scho­ko­la­de-Milch-Ge­tränk ge­hört zur täg­lich be­lieb­ten Nah­rung ei­nes gros­sen Teils der Be­völ­ke­rung. Ma­lay­sia ist ei­ne noch jun­ge Na­ti­on. Un­ge­ach­tet des ra­san­ten Wachs­tums ge­hen tie­fe eth­ni­sche Grä­ben durch das Land. Doch in ei­ner Sa­che sind sich die ma­lay­si­schen Bür­ger – ob ma­lai­ischer, chi­ne­si­scher oder in­di­scher Her­kunft – ei­nig. Das Zau­ber­wort Mi­lo bringt die Au­gen von Kin­dern und von ge­stan­de­nen Män­nern und Frau­en zum Leuch­ten. Das von Nest­lé Ma­lay­sia vor sechs Jahr­zehn­ten auf den Markt ge­brach­te Der Schwei­zer Kon­zern, der die­ses Jahr sei­ne hun­dert­jäh­ri­ge Prä­senz in Ma­lay­sia fei­ert, ist mit sei­ner von Ge­trän­ken über Kon­fekt bis hin zu Ba­by­nah­rung rei­chen­den Pro­dukt­pa­let­te die Num­mer eins auf dem Le­bens­mit­tel­markt. Auch in den ers­ten neun Mo­na­ten des lau­fen­den Jah­res konn­te Nest­lé die star­ke Stel­lung hal­ten. Mit ei­nem Wachs­tum von 8,9% ex­pan­dier­te die Lan­des­ge­sell­schaft un­ter Ein­be­zug der Ex­por­te fast dop­pelt so schnell wie die ma­lay­si­sche Volks­wirt­schaft. Der Um­satz auf dem Heim­markt stieg 11,2%. Ins­ge­samt be­trug der Um­satz 3,45 Mrd. Ring­git (1,05 Mrd. Fr.). Nest­lé ist durch ih­re Pro­duk­ti­on und 7000 Be­schäf­tig­te tief in Ma­lay­sia ver­an­kert. Das jüngs­te Bei­spiel ist die für 35 Mio. Fr. mit Ce­re­al Part­ners World­wi­de er­rich­te­te und so­eben ein­ge­weih­te Früh­stücks­flocken­fa­brik in Chem­bong.

Ein an­de­rer Aus­druck der Ver­bun­den­heit ist die Kotierung an der lo­ka­len Bör­se. En­de der Acht­zi­ger­jah­re woll­te ei­ne na­tio­na­lis­tisch aus­ge­rich­te­te Re­gie­rung in Kua­la Lum­pur den lo­ka­len Fi­nanz­markt stär­ken und gleich­zei­tig der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung mehr Mit­spra­che in Wirt­schafts­fra­gen ein­räu­men. Ei­ne gan­ze Rei­he aus­län­di­scher Kon­zer­ne brach­te da­mals un­ter mehr oder we­ni­ger sanf­tem staat­li­chem Druck ih­re Lan­des­ge­sell­schaft an die Bör­se Kua­la Lum­pur. Die Be­tei­li­gung von Nest­lé an ih­rer ma­lay­si­schen Toch­ter wur­de so 1989 auf 49% re­du­ziert. Ein Gross­teil der Ak­ti­en ging nicht in den frei­en Han­del, son­dern an staats­na­he Pen­si­ons­kas­sen. Wäh­rend der Wir­ren der Asi­en­kri­se neun Jah­re spä­ter konn­te Nest­lé die Be­tei­li­gung wie­der auf 72% aus­bau­en.

Die Ak­ti­en sind bis heu­te Blue Chips und ent­spre­chend ge­fragt. Mit ei­nem his­to­ri­schen Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von knapp 30 sind sie al­ler­dings hoch be­wer­tet. Vor al­lem kon­ser­va­ti­ve in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren hal­ten sie we­gen ih­rer statt­li­chen Di­vi­den­de (2,9% Ren­di­te für 2011, 6,2% Di­vi­den­den­wachs­tum p. a.) im Port­fo­lio.

Trotz ih­res ho­hen Prei­ses blei­ben die Ti­tel at­trak­tiv. Der Ge­winn ist in den ers­ten neun Mo­na­ten 15,4% auf 406 Mio. Ring­git (123 Mio. Fr.) ge­wach­sen und da­mit deut­lich schnel­ler als der Um­satz. In­ves­to­ren aus dem Eu­ro- und dem Dol­lar­raum kön­nen mit Blick auf die fes­te Lan­des­wäh­rung auch mit ei­nem Wech­sel­kurs­ge­winn rech­nen. Nest­lé Ma­lay­sia pro­fi­tiert aus­ser­dem von der zu­neh­men­den In­te­gra­ti­on der süd­ost­asia­ti­schen Märk­te. Be­reits heu­te ge­hen deut­lich mehr als 40% der gan­zen Pro­duk­ti­on in den Ex­port. Das Un­ter­neh­men ist da­bei gut po­si­tio­niert, die stei­gen­de Nach­fra­ge nach is­lam­kon­for­men Le­bens­mit­teln in In­do­ne­si­en, In­di­en oder den Staa­ten am Ara­bi­schen Golf zu de­cken. Schon früh hat das Un­ter­neh­men die­sen Trend er­kannt. Heu­te ge­nü­gen 100% der Pro­duk­ti­on den Ha­l­al-Vor­schrif­ten.

Ei­ne Her­aus­for­de­rung kommt für das Un­ter­neh­men mit dem auch in Ma­lay­sia wach­sen­den Um­welt­be­wusst­sein. War der Nah­rungs­mit­tel­kon­zern in sol­chen Fra­gen noch vor zwan­zig Jah­ren mit Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen öf­ter auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs, sucht er mitt­ler­wei­le den Dia­log. So ar­bei­tet Nest­lé Ma­lay­sia zur Er­hal­tung der Bi­o­di­ver­si­tät eng mit dem WWF zu­sam­men und ach­tet dar­auf, dass ein­ge­kauf­te Agrar­roh­wa­ren wie Palm­öl aus nach­hal­ti­gem An­bau kom­men.

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