Oer­li­kon ist be­reit für gros­sen Wurf

SCHWEIZ Ver­kauf von Tei­len der Spar­te Tex­ti­le – Viel Geld in der Kas­se – Wann kom­men Über­nah­men? – Ak­ti­en sind at­trak­tiv

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - BEAT D. HE­BEI­SEN

Dank des Ver­kaufs von Tei­len der Tex­til­spar­te er­höht OC Oer­li­kon die Pro­fi­ta­bi­li­tät. De­ves­tiert wer­den die Be­rei­che Na­tur­fa­sern und Tex­ti­le Com­po­n­ents. Da­durch ver­zich­tet die Ge­sell­schaft auf ei­nen Um­satz von 1,1 Mrd. Fr. Die­ser Schritt ist durch­aus sinn­voll. In Zu­kunft wird sich das Seg­ment Tex­ti­le auf das leis­tungs­star­ke, we­ni­ger zy­kli­sche Che­mie­fa­ser­ge­schäft kon­zen­trie­ren. Mit ih­ren Spinn- und Tex­t­u­rier­an­la­gen so­wie den Tep­pich­garn­an­la­gen ist Oer­li­kon Tex­ti­le Welt­markt­füh­rer.

Das Che­mie­fa­ser­ge­schäft Bar­mag wur­de 1999 von Sau­rer über­nom­men. Un­ter der Re­gie von Oer­li­kon wur­den neue Ma­schi­nen ent­wi­ckelt, die dank tech­no­lo­gi­scher In­no­va­tio­nen statt­li­che Ge­win­ne ab­wer­fen. Das gilt auch für den eben­falls im Kon­zern ver­blei­ben­den Be­reich Tep­pich­garn­an­la­gen von Ne­u­mag. Dank die­ser Um­schich­tung ver­bes­sert sich die Mar­ge auf der Stu­fe Be­triebs­ge­winn um ei­nen Pro­zent­punkt auf 13,5%.

Die chi­ne­si­sche Grup­pe Ji­angsu Jins­heng über­nimmt die bei­den Be­rei­che auf der Ba­sis ei­ner Un­ter­neh­mens­be­wer­tung von 650 Mio. Fr. Die­ser Preis liegt un­ter den Er­war­tun­gen. Für Oer­li­kon re­sul­tiert kein Buch­ge­winn. 2007, auf dem letz­ten Hö­he­punkt der Nach­fra­ge in der Tex­til­in­dus­trie, lag den da­ma­li­gen Gross­ak­tio­nä­ren der Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Vic­to­ry, Ron­ny Pe­cik und Ge­org Stumpf, für die ge­sam­te Tex­til­spar­te aus Chi­na ein An­ge­bot von ge­gen 2 Mrd. Fr. vor.

Kommt jetzt In­fi­con zu­rück?

Die De­ves­ti­tio­nen wer­den im Ge­schäfts­be­richt 2012 be­reits als «nicht fort­ge­führ­te Ak­ti­vi­tä­ten» aus­ge­wie­sen. Die ver­blei­ben­den Be­rei­che im Seg­ment Tex­ti­le wer­den noch ei­nen Um­satz um 900 Mio. Fr. er­zie- len. Mit Mar­gen um 13 bis 15% re­sul­tiert ein An­teil am Be­triebs­ge­winn von ge­schätz­ten 130 Mio. Fr. Aus der Sicht von CEO Micha­el Bu­scher stellt die De­ves­ti­ti­on ei­nen «wei­te­ren Mei­len­stein zu ei­nem ba­lan­cier­ten Port­fo­lio» dar.

«Fi­nanz und Wirt­schaft» hat die Si­tua­ti­on von Oer­li­kon vor zwei Wo­chen ge­nau­er ana­ly­siert (vgl. FuW Nr. 93 vom 24. Nov.). Es gab da­mals schon Hin­wei­se aus En­g­land, dass der Be­reich Na­tur­fa­sern ver­kauft wer­den soll­te. Bu­scher sag­te letz­te Wo­che ein ver­ein­bar­tes In­ter­view zum Um­bau von Oer­li­kon kurz­fris­tig ab, nach­dem er ge­hört hat­te, dass die FuW ihn mit Hin­wei­sen auf den Ver­kauf des Be­reichs Na­tur­fa­sern kon­fron­tie­ren woll­te.

Ein The­ma wä­re da auch ge­we­sen, ob der Tech­no­lo­gie­kon­zern ein In­ter­es­se an ei­nem Rück­kauf der 2001 im Rah­men ei­nes IPO aus­ge­la­ger­ten In­fi­con hat. Es gibt Hin­wei­se, dass mit dem Haupt­ak­tio­när von In­fi­con, der KWE Be­tei­li­gun­gen der Fa­mi­lie Beat Frey, Ge­sprä­che ge­führt wor­den sind. Das de­men­tier­te ge­gen­über die­ser Zei­tung so­wohl Va­nes­sa Frey wie auch In­fi­con-CEO Lu­kas Wink­ler.

Weil aber die­sel­be Qu­el­le aus En­g­land auch De­tails über Ver­kaufs­ab­sich­ten von Oer­li­kon für den Be­reich Na­tur­fa­sern be­kannt wa­ren, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass auch die In­for­ma­tio­nen um In­fi­con nicht ganz falsch sind. Doch man hat sich of­fen­bar bis­her nicht über den Preis ei­ni­gen kön­nen, ist der letz­te In­for­ma­ti­ons­stand.

Fakt ist: Das Port­fo­lio von OC Oer­li­kon ist auch nach den Kor­rek­tu­ren im Be­reich Tex­ti­le noch we­nig aus­ge­gli­chen. Es ist na­he­lie­gend, dass die einst im Um­satz ge­wich­tigs­ten Spar­ten Be­schich­tung und Va­ku­um aus­ge­baut wer­den. Ge­ra­de mit dem Ver­kauf der So­lar­spar­te, Tei­len von Tex­ti­le, den De­ves­ti­tio­nen von Mel­co und der Pi­la­tus-Be­tei­li­gung so­wie den Lie­gen­schaf­ten in Ar­bon ver­fügt Oer­li­kon über viel Geld. Die Zürcher Kan­to­nal­bank rech­net da­mit, dass Oer­li­kon nach dem Ver­kauf ei­ne Net­to­li­qui­di­tät von 1 Mrd. Fr. auf­wei­sen wird.

Jetzt Geld rich­tig ein­set­zen

Es ist wohl nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis die­ses Geld in Zu­käu­fe in­ves­tiert wird. Aus dem Ma­nage­ment ist zu hö­ren, das könn­te im Herbst 2013 so weit sein – al­so mit dem er­war­te­ten Ab­schluss des Ver­kaufs der ehe­ma­li­gen Sau­rer-Töch­ter. Aus der Sicht des In­ves­tors macht dies al­les Sinn. Ent­schei­dend ist ein­fach, dass die reich­lich flüs­si­gen Mit­tel rich­tig ein­ge­setzt wer­den. CEO Bu­scher und sein Fi­nanz­chef Jürg Fe­dier sind in­des ge­nug prag­ma­tisch, um nicht die glei­chen Feh­ler wie ih­re Vor­gän­ger zu ma­chen. Die­se ha­ben je­weils die aus De­ves­ti­tio­nen zu­ge­flos­se­nen Mit­tel für über­teu­er­te Zu­käu­fe ein­ge­setzt – Esec ist da­für nur ein Bei­spiel.

Bu­scher hat im­mer wie­der er­wähnt, für ihn sei der Er­trag auf dem in­ves­tier­ten Ka­pi­tal (ROIC) ei­ne ent­schei­den­de Kenn­grös­se. Da­ran wird er ge­ra­de mit Blick auf die ab­seh­ba­ren Zu­käu­fe ge­mes­sen wer­den. Mit dem Ver­kauf von Tex­ti­le geht er da si­cher den rich­ti­gen Weg. Die Bank Von­to­bel schätzt, dass mit dem Ver­kauf ei­nes Teils der Tex­til­ge­schäf­te der ROIC die­ser Spar­te von 22 auf 45% steigt.

Fe­dier rech­net aus der Trans­ak­ti­on mit kei­nem Buch­ge­winn. «Fi­nanz und Wirt­schaft» be­lässt da­mit die Ge­winn­schät­zung 2013 auf 300 Mio. Fr. Mit den Ver­bes­se­run­gen im ope­ra­ti­ven Ge­schäft so­wie den er­war­te­ten Zu­käu­fen ist aber ab­seh­bar, dass Oer­li­kon an der Schwel­le zu ei­nem neu­en Ka­pi­tel in der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te steht. Für den In­ves­tor ist es ab­seh­bar, dass Bu­scher und Fe­dier al­les da­ran set­zen wer­de, um den Kon­zern noch at­trak­ti­ver zu po­si­tio­nie­ren – das will letzt­lich auch Haupt­ak­tio­när Vic­tor Vek­sel­berg. Dar­um wird wohl auch die Fu­si­on mit Sul­zer wie­der ein The­ma.

CEO Micha­el Bu­scher sucht die Ba­lan­ce zwi­schen Of­fen­heit und Zu­rück­hal­tung.

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