Fla­men­co in der Kom­pakt­klas­se

NEU­VOR­STEL­LUNG Der neue Seat Le­on baut auf dem mo­du­la­ren Qu­er­bau­kas­ten auf – Leich­ter, ef­fi­zi­en­ter, bes­ser – Be­währ­te Tech­nik aus dem Volks­wa­gen-kon­zern

Finanz und Wirtschaft - - AUTOMOBIL - DAVE SCHNEI­DER

Der mo­du­la­re Qu­er­bau­kas­ten (MQB) von Volks­wa­gen bie­tet ei­ne Viel­zahl an Vo­rei­len. In ers­ter Li­nie pro­fi­tiert der Her­stel­ler da­von: Da die­se Platt­form in Län­ge und Brei­te va­ria­bel ist, wer­den künf­tig über vier­zig Mo­del­le der ver­schie­de­nen Volks­wa­gen-Mar­ken dar­auf auf­bau­en; das senkt die Ent­wick­lungs­kos­ten be­trächt­lich. Sämt­li­che Mo­to­ren kön­nen in ein­heit­li­cher Ein­bau­wei­se mon­tiert und mit al­len Ge­trie­be­va­ri­an­ten kom­bi­niert wer­den – auch das ein deut­li­cher Kos­ten­vor­teil. Dar­über hin­aus ist der MQB ide­al, um auch al­ter­na­ti­ve An­trie­be auf der glei­chen Platt­form un­ter­zu­brin­gen, was sich vor al­lem in Zu­kunft aus­zah­len wird.

Doch auch der Kun­de pro­fi­tiert vom MQB. Ei­ner­seits kön­nen die Fahr­zeug­prei­se dank tie­fe­rer Pro­duk­ti­ons­kos­ten ge­senkt wer­den. Zu­dem bie­ten Fahr­zeu­ge, die auf dem MQB auf­bau­en, mehr In­nen­raum bei glei­chen oder so­gar klei­ne­ren Aus­sen­mas­sen, da die Vor­der­rä­der wei­ter vor­ne plat­ziert wer­den kön­nen. Und letzt­lich wird dank des MQB das Fahr­zeug­ge­wicht re­du­ziert, was ei­nen tie­fe­ren Treib­stoff­ver­brauch zur Fol­ge hat.

Nach den neu­en Ge­ne­ra­tio­nen von Au­di A3 und VW Golf bringt nun auch die spa­ni­sche Toch­ter Seat ein ers­tes Mo­dell, das auf dem MQB auf­baut, auf den Markt: den neu­en Le­on. Die drit­te Ge­ne­ra­ti­on des Kom­pakt­wa­gens ver­eint al­le der ge­nann­ten Vor­tei­le die­ses Bau­kas­ten­prin­zips; sie sind tat­säch­lich spür­bar, wie wir auf ers­ten Test­fahr­ten her­aus­fan­den.

Nur auf­ge­la­de­ne Mo­to­ren

Auch auf das Fahr­zeug­de­sign wirkt sich der MQB aus – und zwar durch­aus er­freu­lich, wie Seat-De­si­gner Jau­me Sa­la im Ge­spräch be­teu­er­te. Da der neue Le­on 52 mm kür­zer baut, der Rad­stand aber um 58 mm ver­län­gert wur­de, wer­den nicht nur die Platz­ver­hält­nis­se im In­nen­raum bes­ser, es än­dern sich auch die Pro­por­tio­nen. Der im Ver­gleich zum Vor­gän­ger­mo­dell deut­lich kür­ze­re vor­de­re Über­hang und die brei­te­ren Schul­tern er­zeu­gen ein ath­le­ti­sches Ge­samt­bild, was her­vor­ra­gend zum sport­li­chen Cha­rak­ter der Mar­ke passt. Mar­kan­te Bü­gel­fal­ten in der Mo­tor­hau­be und über den Rad­häu­sern, die zum Heck hin an­stei­gen­de Gür­tel­li­nie so­wie das kna­cki­ge Steil­heck un­ter­stüt­zen den mus­ku­lö­sen Ein­druck; auch das mar­kan­te LEDTag­fahr­licht passt her­vor­ra­gend da­zu.

Apro­pos LED: Der neue Seat Le­on ist mit Voll-LED-Schein­wer­fern er­hält­lich – das ist ei­ne Pre­mie­re im Kom­pakt­wa­gen­seg­ment. Wie sein Bru­der Golf ist auch der Le­on mit mo­der­nen As­sis­tenz­sys­te­men aus­ge­stat­tet: Ein ka­me­ra­ba­sier­ter Spur­hal­teas­sis­tent, ei­ne Mü­dig­keits­er­ken­nung so­wie ein Fern­licht­as­sis­tent sind be­reits ab Markt­start er­hält­lich, spä­ter wer­den auch ein Tem­po­mat mit au­to­ma­ti­scher Dis­tanz­re­ge­lung, ein Kol­li­si­ons­war­ner (Front As­sist) so­wie ei­ne ka­me­ra­ba­sier­te Ver­kehrs­schil­der­ken­nung be­stell­bar sein.

Dass die­se Sys­te­me nicht von Be­ginn an ver­füg­bar sind, soll wohl dem Klas­sen­pri­mus VW Golf ei­nen ge­wis­sen Vor­sprung ver­schaf­fen – da­her ist auch in der Mo­to­ren­pa­let­te des Le­on zur Markt­ein­füh­rung noch nicht das vol­le Pro­gramm er­hält­lich. Der neu ent­wi­ckel­te 1,4-l-Vier­zy­lin­der- TSI ist zwar auch im Le­on in zwei Leis­tungs­stu­fen (90 kW/122 PS resp. 103 kW/ 140 PS) er­hält­lich, doch die in­no­va­ti­ve Zy­lin­der­ab­schal­tung gibt’s im Seat erst zu ei­nem spä­te­ren (noch un­ge­nann­ten) Zeit­punkt. Eben­falls ab so­fort er­hält­lich sind die klei­ne­ren Die­sel­ver­sio­nen: ein 1,6-lVier­zy­lin­der (77 kW/105 PS) so­wie der 2-lVier­zy­lin­der in der schwä­che­ren Leis­tungs­stu­fe (110 kW/150 PS).

Der klei­ne­re Ben­zi­ner, ein 1,2-l-Vier­zy­lin­der-TSI mit wahl­wei­se 63 kW/85 PS oder 77 kW/105 PS, wird in der Schweiz erst ab März 2013 lie­fer­bar sein, ge­nau­so wie der Top-Die­sel (2.0 TDI mit 135 kW/ 183 PS). Ab Ju­ni nächs­ten Jah­res wird die Mo­to­ren­pa­let­te durch den 1,8-l-Vier­zy­lin­der-TSI (132 kW/180 PS) so­wie durch die Ben­zin- und Die­sel­ver­sio­nen mit Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be (DSG) er­gänzt. Spä­ter wer­den be­son­ders spar­sa­me Eco­mo­ti­ve­Va­ri­an­ten so­wie die Top­ver­si­on Cu­pra fol­gen. Vor­bild­lich: Bis auf das Ein­stiegs­mo­dell 1.2 TSI mit 85 PS sind al­le Mo­tor­ver­sio­nen se­ri­en­mäs­sig mit ei­nem Stopp-Start­Sys­tem inkl. Re­ku­pe­ra­ti­on aus­ge­rüs­tet.

Cle­ve­rer Stahl­leicht­bau

Wie be­reits im Golf VII (vgl. FuW Nr. 83 vom 20. Ok­to­ber) konn­te das Ge­wicht des neu­en Seat Le­on dank in­tel­li­gen­ter Leicht­bau­wei­se deut­lich re­du­ziert wer­den. Durch den Ein­satz von hoch- und höchst­fes­ten Stäh­len konn­te das Leer­ge­wicht trotz Mehr­aus­stat­tung im Ver­gleich zum Vor­gän­ger bis 90 kg ge­senkt wer­den; das Ein­stiegs­mo­dell wiegt le­dig­lich 1113 kg. Dies macht sich nicht nur im Ver­brauch, son­dern auch auf der Stras­se be­merk­bar: Wun­der­bar leicht­füs­sig und prä­zis lässt sich der kom­pak­te Spa­nier durch Kur­ven ja­gen, bleibt da­bei je­der­zeit gut­mü­tig und ein­fach kon­trol­lier­bar. Trotz im Ver­gleich zum Golf straf­fe­rer Fahr­werk­aus­le­gung kommt auch der Kom­fort nicht zu kurz. Auf­ge­fal­len sind auch die er­freu­lich ge­rin­gen Wind-, Mo­tor- und Ab­roll­ge­räu­sche.

Dank mo­du­la­rem Qu­er­bau­kas­ten ste­hen den Pas­sa­gie­ren mehr Platz zur Ver­fü­gung; auch der Kof­fer­raum ist trotz kür­ze­rer Fahr­zeug­län­ge ge­wach­sen. 380 l fin­den im gut zu­gäng­li­chen Ge­päck­teil Platz, das sind 39 l mehr als im Vor­gän­ger­mo­dell. Mit um­ge­klapp­ter Rück­bank (im Ver­hält­nis 60:40 teil­bar) kön­nen bis 1210 l ver­staut wer­den; lei­der ist die so ent­ste­hen­de La­de­flä­che nicht ganz eben.

Der neue Seat Le­on ist ab so­fort er­hält­lich. Das Ein­stiegs­mo­dell 1.2 TSI En­try mit ma­nu­el­lem Fünf­gang­ge­trie­be kos­tet ab 21 950 Fr., das Topmo­dell 2.0 TDI mit 183 PS in der höchs­ten Aus­stat­tungs­va­ri­an­te FR ist ab 39 600 Fr. er­hält­lich.

Neue De­sign­spra­che: Im Ver­gleich zum Vor­gän­ger wirkt der Seat Le­on klar mo­der­ner, je­doch we­ni­ger ei­gen­stän­dig.

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