Gut Ding braucht eben Wei­le

NEU­VOR­STEL­LUNG Der Ja­gu­ar XF Sport­bra­ke ist die lan­ge er­war­te­te Kom­bi­ver­si­on des ele­gan­ten Bri­ten – Vor­erst nur Die­sel­mo­to­ren – All­rad­an­trieb lässt auf sich war­ten

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Die Best­sel­ler im Pre­mium­markt sind hier­zu­lan­de Kom­bis; ein Fün­fer-BMW, ei­ne E-Klas­se von Mer­ce­des-Benz oder ein Au­di A6 wer­den in der Schweiz we­ni­ger als klas­si­sche Li­mou­si­ne, son­dern lie­ber mit er­wei­ter­tem La­de­raum ge­kauft. Kein Wun­der, fah­ren sich mo­der­ne Kom­bis doch ge­nau­so an­ge­nehm und auch sport­lich wie Stu­fen­heck­li­mou­si­nen. Dar­über hin­aus se­hen sie meist noch har­mo­ni­scher aus.

Ja­gu­ar konn­te dies­be­züg­lich bis­her nicht mit­re­den; der ein­zi­ge Kom­bi mit Raub­kat­zen-Em­blem war der klei­ne (und nicht sehr fei­ne) X-Ty­pe, ein auf­ge­mö­bel­ter Ford Mon­deo. Nun end­lich spielt auch die bri­ti­sche Mar­ke in die­sem für Eu­ro­pa so wich­ti­gen Markt mit: Der XF Sport­bra­ke tritt ab En­de Ja­nu­ar als Al­ter­na­ti­ve zu den oben ge­nann­ten Mo­del­len an. Wir konn­ten das Mo­dell auf Ein­la­dung des Her­stel­lers in Schott­land Pro­be fah­ren – und wa­ren rund­um zu­frie­den.

Äus­ser­lich ist der XF Sport­bra­ke bis zur B-Säu­le un­ver­än­dert; von da an zieht sich der Kom­bi­auf­bau mit sanft ab­fal­len­der Dach­li­nie bis hin zum auf­fal­lend run­den Heck. Die Fens­ter­flä­chen auf den Sei­ten wer­den von ei­nem Chrom­band ein­ge­fasst, B- und C-Säu­len sind in Schwarz ge­hal­ten und «ver­schwin­den» da­durch op­tisch. Ei­ne ge­ra­de Span­nungs­li­nie zieht sich rund um das Fahr­zeug, die Mo­tor­hau­be mit an­ge­deu­te­tem Po­wer­do­me ist stark mo­del­liert. Die ge­tön­te Heck­schei­be wird durch dunk­le Flä­chen in den D-Säu­len op­tisch ver­brei­tert; ei­ne Spie­le­rei in­des, die dem Fahr­zeug kaum mehr Prä­senz ver­leiht.

Noch kei­ne Ben­zi­ner

Der Sport­bra­ke misst wie die Li­mou­si­ne knapp fünf Me­ter, folg­lich sind die Platz­ver­hält­nis­se auf al­len Sit­zen fürst­lich. Das Cock­pit ist mit dem der Li­mou­si­ne iden­tisch: ein wun­der­bar schnör­kel­lo­ses Lay­out, ei­ne ge­lun­ge­ne Mi­schung aus ed­ler Ele­ganz und mo­der­ner Tech­nik; ei­ne Pracht. Die Fond­sit­ze kön­nen mit ei­nem Hand­griff flach ab­ge­klappt wer­den, auch von der Kof­fer­rau­m­öff­nung aus. Mit um­ge­klapp­ten Rück­sit­zen (im Ver­hält­nis 60:40) wächst das La­de­vo­lu­men von 550 l auf ma­xi­mal 1675 l, die ebe­ne La­de­flä­che misst ma­xi­mal 1,97 m. Im Ver­gleich zu den ein­gangs ge­nann­ten Kon­kur­ren­ten po­si­tio­niert sich der XF Sport­bra­ke da­mit in der un­ge­fäh­ren Mit­te.

Zur Markt­ein­füh­rung En­de Ja­nu­ar ste­hen aus­schliess­lich Die­sel­mo­to­ren zur Wahl: ein 2,2-l-Vier­zy­lin­der so­wie ein 3-lV6 in zwei Leis­tungs­stu­fen. Zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt wer­den auch der neu ent­wi­ckel­te 2-l-Vier­zy­lin­der-Tur­bo­ben­zi­ner so­wie ein auf­ge­la­de­ner Sechs­zy­lin­derOt­to­mo­tor er­hält­lich sein. Lei­der wird die Kund­schaft auch mit dem für den Schwei­zer Markt so wich­ti­gen All­rad­an­trieb ver­trös­tet – auf noch un­ge­nann­te Zeit.

Be­reits der klei­ne­re Die­sel ge­fällt mit ei­nem kräf­ti­gen An­tritt: Sei­ne Leis­tung von 147 kW/200 PS so­wie das ma­xi­ma­le Dreh­mo­ment von 450 Nm bei 2000 U/min er­mög­li­chen ei­ne sou­ve­rä­ne Be­schleu­ni­gung so­wie ei­ne tol­le Elas­ti­zi­tät. Der Vier­zy­lin­der läuft er­staun­lich kul­ti­viert, wirkt nie an­ge­strengt und bleibt da­bei ge­nüg­sam: Ge­mäss Her­stel­ler soll er nur 5,2 l/ 100 km ver­brau­chen resp. 139 g CO2/km emit­tie­ren – das sind gu­te Wer­te für ei­nen Fünf­me­ter­kom­bi.

Der Sechs­zy­lin­der wird von zwei Tur­bo­la­dern auf ei­ne Leis­tung von 177 kW/ 240 PS ge­pusht, das ma­xi­ma­le Dreh­mo­ment be­trägt 500 Nm bei 2000 Tou­ren. Noch stär­ker ist die S-Ver­si­on mit 202 kW/275 PS und 600 Nm bei 2000 U/ min – sie ist klar die sport­li­cher aus­ge­leg­te Va­ri­an­te. Der bä­ren­star­ke An­tritt (0 auf 100 km/h in 6,6 s) be­deu­tet aber nicht zwin­gend ei­nen ho­hen Ver­brauch: Der äus­serst ge­schmei­dig lau­fen­de V6 soll sich in bei­den Leis­tungs­stu­fen mit durch­schnitt­lich 6,2 l/100 km (163 g/km) be­gnü­gen. Al­le Mo­to­ren sind se­ri­en­mäs­sig mit ei­nem Stopp-Start-Sys­tem aus­ge­stat­tet, die Kraft wird von ei­ner sehr har­mo­nisch agie­ren­den Acht­stu­fen­au­to­ma­tik auf die Hin­ter­rä­der über­tra­gen.

Ta­del­los

Da­mit sich auch der Kom­bi ge­nau­so sou­ve­rän fährt wie die Li­mou­si­ne, wur­de der Sport­bra­ke an der Hin­ter­ach­se mit ei­ner selbst­re­gu­lie­ren­den Luft­fe­de­rung aus­ge­stat­tet; so­mit soll der XF auch voll be­la­den die glei­che Dy­na­mik er­mög­li­chen und den glei­chen Fahr­kom­fort bie­ten. Um das zu be­stä­ti­gen, dreh­ten wir ein paar flie­gen­de Run­den auf ei­nem klei­nen Rund­kurs – mit ei­nem gros­sen Kühl­schrank im Kof­fer­raum. Tat­säch­lich war al­len­falls der hö­he­re Schwer­punkt leicht zu spü­ren, gros­so mo­do fährt sich der Sport­bra­ke aber auch be­la­den ab­so­lut ta­del­los. Wer’s noch sport­li­cher mag, kann das ad­ap­ti­ve Fahr­werk or­dern. Per Tas­ten­druck wer­den dann die Kenn­li­nie des Gas­pe­dals so­wie das Se­t­up des Fahr­werks schär­fer ab­ge­stimmt.

Der Ja­gu­ar XF Sport­bra­ke wur­de mit Span­nung er­war­tet, so­wohl von der Kund­schaft als auch vom Her­stel­ler – schliess­lich wer­den in die­ses Mo­dell gros­se Er­war­tun­gen ge­setzt. Nach den ers­ten Fah­rein­drü­cken so­wie nach den sehr er­freu­li­chen Be­geg­nun­gen mit der XF-Li­mou­si­ne kann mit gu­tem Recht be­haup­tet wer­den, dass er die Kon­kur­renz aus Deutsch­land in kei­ner­lei Hin­sicht zu fürch­ten braucht. Den­noch rech­net Ja­gu­ar Schweiz mit ei­nem de­fen­si­ven Ab­satz­ziel von 200 Ein­hei­ten im kom­men­den Jahr. Die Prei­se be­gin­nen ab 63 500 Fr.

La­de­vo­lu­men bis 1675 l. Der Rest ist wie in der Li­mou­si­ne: oh­ne Fehl und Ta­del.

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